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Kultur

Das klassische Buch lebt

Die Euphorie der einen, die Furcht der anderen – mit beidem ist es vorbei. Das E-Book wird nicht zum Totengräber des Buches. Auch das ist eine Einsicht der diesjährigen Buchmesse-Besucher in Frankfurt.

Kennen Sie die koreanische Automarke Hyundai? Die meisten Menschen in Deutschland würden die Frage wohl mit Ja beantworten. Hyundai ist ja durchaus präsent auf den hiesigen Straßen. Ist Hyundai damit eine Bedrohung für Volkswagen und Audi, Mercedes und BMW? Wohl kaum.

Zugegeben, der Vergleich hinkt, die Auto- und die Buchbranche lassen sich nur schwerlich vergleichen. Aber dennoch: Manchmal sagen Zahlen und Statistiken mehr als alles Geraune über die Stimmung innerhalb einer Branche. Hyundai kommt nämlich in Deutschland ungefähr auf den gleichen Marktanteil wie das E-Book.

Die Euphorie ist vorbei

Das dürfte manche überraschen. Hat man die Berichterstattung über die elektronischen Bücher in den vergangenen Jahren verfolgt, hat den Aufmarsch der Anbieter (von Lesegeräten) auf der Buchmesse und die Euphorie der digitalen Jünger miterlebt, der hätte durchaus zu der Erkenntnis kommen können, dass das traditionelle Buch mit gedruckten Seiten und festem Einband in den letzten Zügen liegt.

Doch die Euphorie der E-Book-Fans ist vorbei. Das E-Book nähme zwar immer noch Fahrt auf, aber wirtschaftlich dümpele es im Buchhandel auf dem Publikumsmarkt bei 3 bis 4 Prozent, so der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Heinrich Riethmüller zu Beginn des Jahres. 2013 waren es – wie bei Hyundai 3,9 Prozent. Wie gesagt, der Anteil des E-Books in Deutschland wächst, aber auch die Wachstumskurve ist deutlich abgeflacht.

Nun könnte man andere Statistiken bemühen, die das E-Book in einem besseren Licht dastehen lassen. Knapp jeder Vierte liest in Deutschland E-Books, der Anteil der E-Book-Leser betrug im vergangenen Jahr 24 Prozent. Die allermeisten Verlage bieten inzwischen parallel zum klassischen Buch E-Book-Formate an. Aber Statistiken kann man immer so und so interpretieren. Die Größe des Marktanteils hingegen kaum.

Es hat sich etwas geändert in der Branche. Das hat weniger mit dem elektronischen Buch an sich zu tun, als vielmehr mit Amazon und dem brachialen, nur von kommerziellen Zielen vorangetriebenen Gebaren des US-Internethändlers. Vielleicht auch mit Edward Snowden und dessen Arbeit.

Amazon als Feindbild

Menschen, die Bücher lesen, sind vielleicht ein wenig kritischer. Und wenn ein Gigant wie Amazon eine ganze Branche ausspielen will, in der es nun einmal um Gedrucktes geht, regt sich Widerstand. Der mag spät kommen, aber es ist inzwischen nicht mehr zu übersehen. Das hat auch Auswirkungen auf das E-Book. Weil die Leser sich eben mehr und mehr Gedanken machen nicht nur über das, was sie lesen, sondern auch wie sie es lesen.

Bei Amazon und seinem Geschäftsgebaren, gegen das inzwischen tausende Autoren weltweit protestieren, geht es vornehmlich um den Vertrieb von Büchern. Doch auch in diesem Bereich sieht man, dass sich der stationäre Buchhandel nach einigen Jahren der stetigen Umsatzeinbußen gefangen hat und wieder positive Zahlen vorlegt. Viele Buchhändler konzentrieren sich auf ihre ganz spezifischen Fähigkeiten, die Amazon nicht hat, und haben damit Erfolg.

Und die Verleger investieren nicht nur in ihre E-Book-Ableger, sondern auch wieder vermehrt in die Gestaltung ihrer Bücher. Das kommt den Lesern zugute. Auch deshalb kann sich das klassische Buch behaupten. In den Hallen und an den Ständen der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt konnte man sich in diesen Tagen ein eindrucksvolles Bild davon machen.