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Musik

Das Klassik-Jahr 2015

Umbesetzungen, Bauskandale und ein neuer Chef der Berliner Philharmoniker als Überraschung: Der Klassik-Betrieb läuft weiter, und Deutschland bleibt die musikalische Supermacht.

Am Ende des Jahres ist einer der Großen gegangen: Am 19. Dezember verstarb #link:http://www.dw.com/de/musik-als-lebenselixier-kurt-masur/g-18929830:Kurt Masur# 88-jährig im US-Bundesstaat Connecticut. Der ehemalige Chefdirigent des Leipziger Gewandhausorchesters, der New Yorker Philharmoniker, des London Symphony Orchester und des Orchester National de France war seit Jahren von der Parkinson-Krankheit schwer gezeichnet, dirigierte jedoch unbeirrt weiter - zuletzt im Rollstuhl. Über Klassikkreise hinaus bleibt er in Erinnerung für die diplomatische Rolle, die er vor einem Vierteljahrhundert bei den friedlichen Demonstrationen in Leipzig spielte und die zum Systemwechsel in Ostdeutschland führen sollten.

Kurt Masur. Foto/Eckehard Schulz

Bodenständig, bescheiden - aber deshalb nicht weniger charismatisch: Kurt Masur

Das Jahr begann, wie jedes Jahr, mit dem traditionellen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Von 50 Millionen Zuschauern in 90 Ländern verfolgt, bot die vom Altmaestro Zubin Mehta dirigierte TV-Show Walzerseligkeit, Landschaftsbilder und reichlich Kitsch.

Im Mai sollten die Berliner Philharmoniker einen neuen Chefdirigenten als Nachfolger von Sir Simon Rattle wählen. Die Kandidaten, um die spekuliert wurde, gehören zu den weltweit renommiertesten Maestros, und die geheime Abstimmung der Orchestermitglieder erinnerte an eine Papstwahl. Beim Termin am 10. Mai #link:http://www.dw.com/de/kommentar-die-marke-berliner-philharmoniker-hat-schaden-genommen/a-18445118:konnten sie sich jedoch nicht einigen.# Sechs Wochen später taten sie es dann doch - diesmal ohne Brimborium - und die Entscheidung für den Russen #link:http://www.dw.com/de/kommentar-zur%C3%BCck-zu-den-grundlagen-mit-petrenko/a-18542897:Kirill Petrenko# kam als große Überraschung. Er übernimmt den Chefsessel ab 2018. Rattle wechselt seinerseits ab 2017 zum London Symphony Orchestra.

Dirigent Kirill Petrenko. Foto: Claudia Esch-Kenkel

Mit unerbittlichem Fleiß erlangte Kirill Petrenko den wohl begehrtesten Job der Klassikwelt

Bayreuth nie ohne Kontroverse

Im Vorfeld der Richard Wagner Festspiele in Bayreuth gab es die gewohnten #link:http://www.dw.com/de/turbulenzen-vor-beginn-der-bayreuther-festspiele/a-18499068:öffentlichkeitswirksamen Turbulenzen.# Die Ko-Leiterin der Festspiele, Eva Wagner-Pasquier, ist von ihrer Stelle gegangen - oder gegangen worden. Und die Rolle der Isolde wurde nur wenige Tage vor dem Festspielbeginn umbesetzt. Über beide Vorkommnisse gab es bittere Beschwerden, unter anderen vom Stardirigenten Kirill Petrenko, der sonst für seine extreme Zurückhaltung mit öffentlichen Äußerungen bekannt ist. Petrenko hat weitergehende Pläne und wird dem Publikum in Bayreuth ab 2016 sehr fehlen.

Zur Eröffnung der Festspiele am 25. Juli legte Katharina Wagner #link:http://www.dw.com/de/hinter-gittern-tristan-und-isolde-in-bayreuth/a-18607974:eine von der Kritik positiv aufgenommene Produktion von Richard Wagners Oper "Tristan und Isolde"# vor. Nach dem Rauswurf des Skandalkünstlers Jonathan Meese soll Uwe Eric Laufenberg "Parsifal" bei der einzigen Neuproduktion des Festivals im Jahr 2016 inszenieren. Indessen wurde #link:http://www.dw.com/de/rundgang-durch-richard-wagners-villa/a-18604954:Wahnfried, Richard Wagners einstiges Wohnhaus, restauriert.# Zum 30 Millionen Euro-Bauprojekt gehörte auch die Erweiterung des Wagner-Archivs.

Bayreuther Festspiele - Inszenierung Tristan und Isolde

Evelyn Herlitzius und Stephen Gould als Isolde und Tristan in der Bayreuther Neuproduktion

An Rhein, Ruhr und Salzach

In Bonn zeigte eine weitere Wagner-Urenkelin, #link:http://www.dw.com/de/nike-wagner-zum-70-geburtstag/a-18504035:Nike Wagner#, wie es ideenreich mit dem #link:http://www.dw.com/de/beethovenfest-f%C3%BCnfjahresplan-f%C3%BCr-das-bonner-festival/a-18761979:Beethovenfest# weiter gehen soll. Das Motto lautete "Veränderungen". Das Festival 2016 lockt mit "Revolutionen".

Im 100. Todesjahr des Russischen Komponisten, Pianisten und Klangmystikers Alexander Skrjabin wurde sein Werk gebührend beim Klavierfestival Ruhr gefeiert.

Die #link:http://www.dw.com/de/salzburger-festspiele-2015-er%C3%B6ffnet/a-18592081:Salzburger Festspiele# - leicht verkleinert, jedoch immer noch das weltgrößte Klassik-Festival - zeigten sich diesmal mit einem Programm ohne großes Profil. Ausnahme war die mit Begeisterung aufgenommene Neuinszenierung der Oper "Die Eroberung von Mexico" des deutschen Komponisten #link:http://www.dw.com/de/wolfgang-rihm-ich-k%C3%A4mpfe-um-jede-freie-minute/a-18806132:Wolfgang Rihm#. Die Saison 2016 öffnet am 22. Juli mit der Uraufführung der Oper "The Exterminating Angel" des englischen Komponisten Thomas Ades.

Ein Kommen und Gehen

2015 war ein Jahr der Um- und Neubesetzungen: Nach acht Jahren räumte Andris Nelsons den Chefsessel beim City of Birmingham Symphony Orchestra und übernahm das Boston Symphony Orchestra. Darüber hinaus soll der Lette Nelsons die Leitung des Leipziger Gewandhausorchesters in der Nachfolge des Italieners Riccardo Chailly übernehmen; letzterer wechselt zum Lucerne Festival. In einem umjubelten Auftritt im September nahm der russische Maestro Valery Gergiev den Taktstock bei den Münchner Philharmonikern offiziell auf, und der Amerikaner #link:http://www.dw.com/de/neuer-leiter-der-hamburgischen-staatsoper-kent-nagano-oper-ist-gemeinschaft/a-18734203:Kent Nagano# wechselte von der Bayerischen Staatsoper zu seiner neuen Position als Generalmusikdirektor in Hamburg. Im Dezember nahm der 86-jährige Nikolaus Harnoncourt, Dirigent und Pionier der historischen Aufführungspraxis, #link:http://www.dw.com/de/stardirigent-nikolaus-harnoncourt-nimmt-%C3%BCberraschend-abschied/a-18899060:überraschend und krankheitsbedingt seinen Bühnenabschied.#

Eines der beruehmtesten Portraets des Komponisten Johann Sebastian Bach nach Leipzig zurueckgekehrt

Das Bach-Portrait wird liebevoll 'die Mona Lisa von Leipzig' genannt

Zur Eröffnung des Bachfests Leipzig im Juni wurde #link:http://www.dw.com/de/judith-scheide-bach-ber%C3%BChrte-williams-herz/a-18518831:das einzige authentische Bachportrait der Stadt zurückgegeben.# Im Mai holte ein weiteres Klassik-Artefakt, eine Locke aus dem Haar Wolfgang Amadeus Mozarts, 35.000 britische Pfund (48.500 Euro) bei einer Versteigerung in London.

Viele Preise & mehr

Bei den #link:http://www.dw.com/de/deutsche-opernmitwirkende-erfolgreich/a-18410044:International Opera Awards# im April lagen deutsche Opernhäuser und -stars wieder vorn: Die Komische Oper Berlin wurde zum "besten Opernensemble" gekürt, "bester Sänger" war der deutsche Bariton Christian Gerhaher. Die in London verliehenen Preise sind undotiert, werden jedoch in der Opernwelt beachtet.

Mozart Haare Locke Auktion Sotheby’s

Die Locke lockt: Mozarts kostspieliges Haar

Einen Überblick über die ganze Klassik-Szene gibt dafür der #link:http://www.dw.com/de/glanz-und-glamour-bei-der-echo-klassik-show/a-18790240:ECHO Klassik#, dessen Gala im Oktober im Konzerthaus Berlin stattfand. Dort nahm der chinesische Klavierstar Lang Lang seinen achten und neunten ECHO entgegen. Der Preis spiegelt im Wesentlichen Verkaufserfolge wider. Bestseller des Jahres war - was keinen überraschen durfte - wieder einmal der Geiger David Garrett. Für sein Lebenswerk erhielt der 91-jährige amerikanische Pianist Menahem Pressler ebenfalls einen ECHO.

Deutschland Elbphilharmonie in Hamburg

Sinnbildlich für öffentliche Verschweundung, dennoch von den Hamburgern freudich erwartet: die Elbphilharmonie

Das Festival-Karussell drehte sich weiter: Das Schleswig-Holstein Musik Festival kreiste um Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, 175 Jahre nach der Geburt des russischen Komponisten. 2016 steht Joseph Haydn beim großen Festival im Norden Deutschlands im Fokus.

Anno 2015, als "Flüchtling" das "Wort des Jahres" wurde, setzte der Klassik-Betrieb ein Zeichen mit dem Auftritt eines #link:http://www.dw.com/de/fl%C3%BCchtlinge-musizieren-gemeinsam-im-syrischen-exil-orchester/a-18728775:syrischen Exilorchesters in Bremen# und mit einem Konzert mit dem syrisch-palästinensischen Musiker #link:http://www.dw.com/de/beethovenpreis-an-syrischen-pianisten-aeham-ahmad-verliehen/a-18927642:Aeham Ahmad# in Bonn. Ansonsten war viel soziales Engagement bei Konzertveranstaltern zu beobachten, etwa in Form der Festlichen Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung im Mai in Bonn. Die Medienpartnerschaft der Stiftung mit der Deutschen Welle wird 2016 fortgesetzt.

Klassische Bauskandale

Auch Bauprojekte - die meisten unvollendet - beherrschten die Klassik-Nachrichten. Anfang 2015 öffnete die Philharmonie in Paris mit ihrem gelungenen, kühnen Design. Im Juni kam dagegen das endgültige Aus für ein Bonner Beethoven-Festspielhaus. Indessen ging es im Jahr mit den Bauarbeiten und Kostenübersteigerungen bei der Elbphilharmonie, der Staatsoper Berlin und der Kölner Oper weiter. Die bayerische Landesregierung sagte zunächst "nein" zu einem #link:http://www.dw.com/de/neues-m%C3%BCnchner-konzerthaus-soll-im-werksviertel-gebaut-werden/a-18902404:Konzerthaus München,# und dann, nach erbitterten Protesten: "ja". Das Projekt, bis 2021 eine neue Spielstätte in einem Arbeiterviertel der Stadt zu errichten, scheint ambitioniert.

Im Jahr 2015 war von einer Klassik-Krise nicht mehr die Rede. Der Betrieb läuft solide und lässt auf neue Highlights im kommenden Jahr schließen. Die Musik-Welt kann weiterhin gespannt auf die deutsche Klassik-Szene blicken.

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