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Kultur

Das Kino machte es vor: Eine Reise zum Mond

Er gilt als Erfinder des phantastischen Kinos und des Filmtricks - der Franzose Georges Méliès. Sein legendärer Film "Die Reise zum Mond" wurde restauriert und ist nun auch auf DVD erhältlich.

Das Kino hatte schon immer die Gabe in die Zukunft zu blicken. Als der französische Regisseur Georges Méliès 1902 seinen Film "Die Reise zum Mond" in die Kinos brachte, ahnte natürlich noch niemand, dass der Traum vom ersten Schritt auf dem Mond einmal Realität werden würde. Méliès' Werk, der erste phantastische Film der Kinohistorie, ein revolutionäres Kunststück in Sachen Tricktechnik, ist jetzt nach vielen Jahren wiederzuentdecken. Wer nicht dabei sein konnte bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Jahr, als "Die Reise zum Mond" seine zweite Premiere auf großer Leinwand feierte, der kann jetzt zur DVD greifen.

Georges Melies (Foto: DVD-Anbieter Studiocanal)

Georges Méliès

Der nur eine knappe Viertelstunde dauernde Film macht auch heute noch ungeheuer viel Spaß. Das hat vor allem damit zu tun, dass Méliès ein Mensch mit sehr viel Phantasie war und die Bündel an Ideen und Eingebungen auch umsetzen konnte. Der französische Filmpionier war nicht nur Regisseur, er vereinigte all das, was man für einen Film brauchte. Méliès hatte sich in einem Pariser Vorort das erste Filmstudio der Welt gebaut, er hatte Geld zusammengetragen um seine Pläne zu realisieren - und er war Künstler: Schauspieler, Bühnenbildner und Inszenator. Méliès war ein Multitalent, einer, der schnell verstand, dass es nicht reichen würde, den Zuschauern des damals noch jungen Mediums Film immer nur Straßenszenen und dokumentarische Arbeiten vorzusetzen.

Phantasievolles Spektakel

Méliès wollte Geschichten erzählen. Und diese Geschichten sollten die Zuschauer unterhalten. Er tat das, indem er seine Filmerzählungen mit allerlei Hokuspokus, Tricks und Zaubereien aufpeppte. Das mag heute im digitalen Zeitalter als normal erscheinen, war damals aber eine Sensation. Menschen, die ihre Köpfe in den Händen trugen, Schauspieler, die auf der Leinwand plötzlich mit einem lauten Knall verschwanden oder Darsteller, die gleich mehrmals, wie Zwillinge oder Drillinge wie von Zauberhand nebeneinander auftauchten, all das verblüffte die Zuschauer gewaltig.

Szene aus einem Kurzfilm von Georges Melies (Foto: Studiocanal)

Ein Meister des filmischen Tricks: Georges Méliès in Aktion in einem seiner Kurzfilme

Dazu waren Tricks nötig. Stop-Motion, Mehrfachbelichtungen, pyrotechnische Basteleien. Méliès konnte das, vielmehr, er erfand diese Filmtricks. Zunächst für die vielen Kurzfilme - der Franzose schuf in den 16 Jahren, in denen er als Regisseur arbeitete, 500 Filme - dann 1902 für sein Meisterwerk "Die Reise zum Mond".

Er erzählt darin die Geschichte eines Wissenschaftskongresses, der den Plan, eine Rakete zum Mond zu schießen, in die Tat umsetzt. Der Zuschauer sieht den Bau einer Rakete, die Reise zum Mond selbst wird ausgespart. Einzig die Landung - das Raumschiff bohrt sich in das rechte Auge des Himmelskörpers - wird gezeigt. Auf dem Mond fallen die Astronauten erst einmal in einen Mittagsschlaf, träumen von Engeln und fernen Gestirnen, wachen auf und werden von Mondbewohnern, die grünen Skeletten gleichen, angegriffen. Nach zahllosen Auseinandersetzungen und einer Begegnung mit dem Herrscher der Mondbevölkerung gelingt schließlich die Flucht und die Rückkehr zur Erde, wo die Astronauten triumphal empfangen werden.

Szene aus Die Reise zum Mond von Georges Méliès (Foto: DVD-Anbieter Studiocanal)

Bizarre Landschaften, phantasievolle Figuren - "Die Reise zum Mond"

"Die Reise zum Mond" nimmt noch heute durch seinen Charme, seine liebevolle Umsetzung, seinen Witz und Humor gefangen. Als Méliès 1902 den Film realisierte, stand die Kamera im Filmatelier noch unbeweglich an einem Fleck. Auf die Idee, dass man sie bewegen könnte, kamen später erst andere. Das hatte zur Folge, dass die Akteure vor der Kamera angewiesen wurden, ständig in Aktion zu sein. Sie zappeln, hüpfen und springen, wirken wie elektrisch animierte Menschen. Schaut man sich den Film heute, nach 110 Jahren wieder an, ist er nicht zuletzt aufgrund dieser "Action" unterhaltsam und witzig.

Georges Méliès in einem seiner Kurzfilme (Foto: DVD-Anbieter Studiocanal)

Georges Méliès konnte stolz sein auf sein Werk

Das französische Popduo Air komponierte für die Premiere in Cannes 2011 eine ganz eigene, neue elektronisch-sphärische Filmmusik, die dem handkolorierten Film eine moderne Anmutung verleiht. Wem das nicht gefällt, der kann sich auf der DVD auch die Originalmusik aus dem Jahr 1902 anhören und die Schwarz/Weiß-Version ansehen.

Die einstündige Dokumentation über die Geschichte des Films von Serge Bromberg und Eric Lange informiert über die Hintergründe der Restaurierung, die ungeheuer aufwendige und langwierige Detailarbeit bei der Wiederherstellung des Films. Auch bekommt man einen Eindruck vom Leben des Georges Méliès, dessen Karriere als Regisseur so abrupt und traurig endete: Der Konkurrenzdruck wurde zu groß, seine Filme verloren an Faszintion; das Publikum wollte etwas anderes sehen. Méliès war darüber so verbittert, dass er große Teile seiner Filmnegative verbrannte.

Kein Geringerer als der große amerikanische Regisseur Martin Scorsese hat Georges Méliès im vergangenen Jahr mit seinem Film "Hugo" ein würdiges Denkmal gesetzt. Hollywood war das fünf Oscars wert.

Georges Méliès: Die Reise zum Mond, Frankreich 1902 (2011), ca. 16 Minuten, DVD mit Bonusmaterial und Urfassung, ca. 91 Minuten, DVD-Anbieter: Studiocanal.