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Filme

Das Kino ist tot, es lebe das Kino

Die Angst vor der Kinodepression geht um: Leere Kinosessel, schlechte Einspielergebnisse, und der Schuldige ist schon ausgemacht: Die DVD ist auf Siegeszug.

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Die DVD hat den Markt umgekrempelt

So manche Krise hat sie schon gemeistert, die große Leinwand. In den 1950er Jahren etwa, als das Fernsehen langsam zum Allgemeingut wurde und den regelmäßigen Kinobesuch für manche als verzichtbaren Luxus erscheinen ließ. Oder in den 1980er Jahren, als die Videokassette auf den Markt kam und fortan jeder selbst bestimmen konnte, welchen Film er wann und wie oft in den eigenen vier Wänden schaute. Die jüngste Herausforderung ist optisch noch kleiner als die beiden vorigen, dennoch lässt sie die große Kinoleinwand alt und manchmal auch etwas verstaubt aussehen. Manche Feuilletonisten sehen gar schon die "Zeitenwende" am Horizont und die alte Dame Kino vorm finalen Kampf ums Überleben.

Vielseitig und gefährlich

Hand schieb DVD in den Player

"Schieb´ doch mal eine DVD rein", statt "Gehen wir heute ins Kino?"

Klein, flach und silbern ist sie: die Digitale Versatile Disc - kurz DVD. Der Name - "versatile" heißt vielseitig - ist Programm, denn die Scheibe kann einiges. Ihr Vorteil ist die große Speicherkapazität. Eine doppelseitig bespielbare DVD hat nach heutigem Entwicklungsstandard 17 Gigabyte Speicher - herkömmliche Audio-CDs verfügen nur über 680 Megabyte. Durch diese hohe Speicherkapazität kann die DVD bieten, was im Zeitalter der Videokassetten noch unvorstellbar war. Es fängt an bei verschiedenen Sprachfassungen eines Films oder Untertiteln, geht über die individuelle Auswahl einzelner Kapitel und endet noch lange nicht bei den zahlreichen Zusatzangeboten, mit denen der eigentliche Film in der Regel angereichert ist - sei es ein Interview mit dem Regisseur oder das "Making of" zum Film.

"Ersetzbares Freizeitvergnügen" Da scheint es kaum verwunderlich, dass es immer seltener heißt: "Gehen wir heute ins Kino?" und stattdessen immer öfter: "Holen wir uns eine DVD?" Rund drei Viertel der erwachsenen Amerikaner ziehen es laut einer von AOL in Auftrag gegebenen Umfrage vor, Filme zu Hause zu sehen. Dazu passt, dass auch in Deutschland immer mehr Kinobetreiber über sinkende Zuschauerzahlen klagen. "Die Stimmung ist deprimiert", sagt Hans-Joachim Flebbe, Vorstand und Gründer der Cinemaxx AG, einem der größten Betreiber von Multiplex-Kinos in Deutschland. Bereits seit 2001 seien die Besucherzahlen rückläufig, Schließungen von Kinos nicht ausgeschlossen.

Sitzreihen im Kino

Vorübergehende Flaute oder Anfang vom Ende?

In Zeiten, in denen immer mehr Menschen Angst vor finanzieller Not haben, sehe man Kino als "ein Freizeitvergnügen, das ersetzbar ist". Auf der anderen Seite werden die DVDs immer mehr als eigenständiges, ernstzunehmendes Medium angesehen. Nachdem es vor einigen Monaten noch Bücher waren, bringen verschiedene Zeitungsverlage nun DVD-Editionen der größten Filmklassiker zu günstigen Preisen auf den Markt - die Frankfurter Allgemeine Zeitung führte jüngst gar eine ganze Seite ein, auf der alle zwei Wochen ausschließlich Filme auf DVD besprochen werden sollen.

Längst nicht jeder Film schafft es ins Kino

Die Zeitung reagiert damit auf einen Trend, der altgediente Kinoliebhaber wütend macht: "Viele Filme kommen gar nicht mehr ins Kino, sondern werden direkt auf DVD vertrieben", erklärt Michael Schmid-Ospach von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Denn längst sind es nicht mehr nur Raubkopien, die potenzielle Kinobesucher zu Hause anschauen. Selbst Filmproduzenten und -verleiher setzen verstärkt auf die kleine, silberne Scheibe: Die direkte Vermarktung als DVD erscheint vielen weniger risikoreich als der Absatz über die Kinoleinwand.

"Auch schöne Filme, die durchaus erfolgreich im Kino laufen könnten, schaffen es oft nicht mehr auf die große Leinwand", bedauert Schmid-Ospach.

Verleiher und Kinobetreiber im Konflikt

Gleichzeitig wird bei den Filmen, die es nach wie vor sowohl im Kino als auch auf DVD gibt, die Zeitspanne zwischen Filmstart und der Veröffentlichung auf DVD immer kürzer. Eine Entwicklung, die Kinobetreiber mit Sorge beobachten. "Bisher gab es die Übereinkunft, dass dem Kino die erste Vermarktungsstufe vorbehalten war", sagt Flebbe. Erst nach sechs Monaten sei der Film dann durch die zweite Auswertungsstufe, die Ausgabe als DVD oder Video, gelaufen.

Diese Übereinkunft wollen einige Filmverleiher nun aufweichen: Kinofilme sollen schon kurz nach dem Leinwandstart auf DVD erscheinen, womöglich gar zeitgleich. So könnten sie ihre Werbung bündeln und Produktionskosten früher einspielen, lautet das Argument. "Die Verleiher drücken das Zeitfenster jetzt schon immer weiter nach unten", beklagt Flebbe. Gleichzeitig blieben jedoch die so genannten Verleihmieten, die die Kinos zahlen müssen, gleich hoch. "Über diese Preise muss neu verhandelt werden. Denn wir Kinobetreiber haben ja nichts davon, wenn der Film früher auf DVD herauskommt."

Was bleibt vom Mythos Kino?

Marilyn Monroe

Mythos Marilyn: Was bleibt vom Zauber des Kinos?

Kino - immer schon ein großes Geschäft, heute noch verschärft durch den Konkurrenzkampf mit der vielseitigen DVD. Fast in Vergessenheit gerät darüber, dass Kino immer auch viel mehr war.

Der Mythos vieler Stars beruhte auch auf der Auschließlichkeit, mit der man sie auf der großen Leinwand bewundern konnte. Kino ist und war immer schon auch ein Ritual - vom Kauf des Popcorns, über die Wahl der perfekten Sitzplätze bis hin zum Warten auf den ersehnten Augenblick, wenn die Werbung endlich vorbei ist und der Vorspann beginnt.

Nicht zuletzt ist Kino auch ein Gemeinschaftserlebnis, vergleichbar mit Theater oder Oper. Hier sitzen im besten Fall einige hundert Menschen beisammen und genießen das in den Worten von Martin Schmid-Ospach "unvergleichbare Erlebnis der großen Bilder". Er ist überzeugt, dass das Kino langfristig überleben wird: "Eigentlich ist es doch ganz einfach: Normalerweise kommen die Leute nicht aus ihrem Fernsehzimmer und heulen vor Rührung, aber wenn sie aus dem Kino kommen, dann heulen sie."

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