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Kultur

"Das kann in wenigen Monaten über die Bühne gehen"

Der Sicherheit in der Informationstechnik war auf der Cebit eine ganze Halle gewidmet. Wie kann man dem Terrorismus mit Bits und Bytes beikommen? DW-WORLD sprach darüber mit Werner Sülzer, Europachef von NCR Teradata.

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Im Trend: Terrorismusbekämpfung per Computer

Das traditionsreiche US-Unternehmen hat sich vor allem auf das Geschäft mit sehr großen Datenbanken spezialisiert. Diese werden meist von Großunternehmen aus Handel, Telekommunikation und Verkehr genutzt, um Kundendaten rasch auszuwerten und Angebote ständig an den Markt und die Konsumentenwünsche anzupassen. Data Mining, das Schürfen in den Datenbergen, heißt der Fachbegriff, der die Marketingstrategen bewegt und Auskunft über die Kunden geben soll. Alle Arten von Daten sind dafür nützlich. Sie geben, vereinfacht gesagt, in anonymer Form darüber Auskunft, was Menschen wann gerne kaufen. Auch ungefähre Vorhersagen sind damit möglich. Das Know-how der Industrie könnte nun auch den Staaten helfen, mehr und schneller Informationen über potentielle Terroristen zu gewinnen und Gefahren abzuwehren. Detlev Karg sprach auf der Cebit 2002 in Hannover mit Werner Sülzer, Europachef von NCR Teradata.

Werner Sülzer

NCR hat Vorschläge gemacht, um den "Krieg der Informationen" gegen den Terrorismus zu gewinnen. Was müssen wir darunter verstehen?

Informationen sind bei kriegerischen Auseinandersetzungen seit jeher entscheidend. Die Früherkennung der gegnerischen Pläne ist insbesondere für die Abwehr von terroristischen Angriffen erforderlich. Schaffen es die attackierten Gesellschaften, die Pläne der Terroristen rechtzeitig zu durchschauen, können sie diese durchkreuzen und Attacken erfolgreich abwehren. Die Informationstechnologie kann dazu aus unserer Sicht eine Menge beitragen.

Welche Rolle spielt das Data Mining in diesem Zusammenhang und was ist damit gemeint?

Bei der Vorbereitung ihrer Taten hinterlassen Terroristen Spuren, die Hinweise geben können: der Einsatz von Kreditkarten, Telefonate, Kontenbewegungen, Visa-Anträge, Meldevorgänge oder Reisetätigkeiten. Die Anhaltspunkte sind allerdings in den Datenbanken von diversen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zu finden. Deshalb muß man in der Lage sein, aus der enormen Datenflut etwas Sinnvolles herauszulesen. Der größte Teil der Daten, um die es geht, stammt aus ganz normalen geschäftlichen oder administrativen Vorgängen. Data Mining ist der technische Prozess, der benötigt wird, um die verborgenen Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Greifen nicht schon heute Behörden auf Datenbanken zurück? Wo liegt deren Problem in der Auswertung?

Unternehmen und Staaten sind große Organisationen mit sehr uneinheitlichen IT-Strukturen. Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz sind etwa ganz unterschiedlich organisiert. Das bedeutet: Die Gesamtheit der Informationen liegt stark fragmentiert in unterschiedlichen Datenhaltungssystemen vor. Der Überblick fehlt, weil sie nicht zueinander in Bezug gesetzt werden. Für die Terrorprävention müßten diese Systeme jedoch nahtlos miteinander kommunizieren.

Ist die Privatwirtschaft weiter als der Staat?

Bezogen auf ihre Aufgaben - Kundenmanagement, Organisation von Lieferantenbeziehungen – stehen Unternehmen vor denselben Herausforderungen. Hier ist der Einsatz von Analysesystemen derzeit schon verbreiteter als im öffentlichen Bereich. Man sollte allerdings nicht unterschätzen, daß die Ereignisse des 11. Septembers eine gewisse Dynamik ausgelöst haben. Man denke etwa an die gesetzlichen Regelungen, die der deutsche Bundestag Anfang des Jahres verabschiedet hat.

Welche Daten können mit einem System wie Teradata gewonnen werden, und wären damit auch Vorhersagen möglich?

Systeme wie Teradata sind in der Lage, extrem große Datenmengen nicht nur in kompakter Form, sondern auch stückchenweise zu sammeln und zu nutzen, ungeachtet dessen, ob sie an Geldautomaten, Ladenkassen oder beim "Surfen" im Web entstehen. Data Mining erlaubt das Herausfiltern von Mustern und Zusammenhängen in diesen Daten etwa in Form einer "Wenn-dann-Logik". Die Steuerbehörden in den Vereinigten Staaten nutzen solche Technologien um herauszufinden, welche Kriterien Rückschlüsse auf eine gesetzeswidrige Steuerpraxis zulassen. Kreditkartenfirmen analysieren das Ausgabeverhalten auf Formen, die vermuten lassen, dass die Karte gerade nicht von ihrem Eigentümer verwendet wird. Mit diesem Wissen entwickeln sie Gegenprogramme. Mit anderen Worten: Ja, es lassen sich Vorhersagen treffen.