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Wirtschaft

Das Jobwunder und die Unternehmenskultur

Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist zum ersten Mal seit knapp 20 Jahren unter die Drei-Millionen-Marke gerutscht. Vom deutschen Jobwunder ist die Rede. Dazu hat auch eine veränderte Unternehmenskultur beigetragen.

Ein Passant geht am am Schaufenster des Jobcenters der Bundesanstalt für Arbeit entlang (Foto: dpa)

Arbeitslosenzahl in Deutschland sinkt unter drei Millionen

Es gibt sie noch: die guten Kapitalisten. Die 85.000 Beschäftigten des Autozulieferers Bosch bekommen zum 1. Februar 2011 eine Gehaltserhöhung von 2,7 Prozent, zwei Monate früher als vereinbart. Wolfgang Malchow, Personalleiter der Bosch-Gruppe, sagt im deutschen Fernsehen: "Unsere Mitarbeiter haben in der Krise loyal zum Unternehmen gestanden, Einkommenseinbußen in Kauf genommen. Es ist für mich daher ein Zeichen der Fairness, dass wir die Loyalität der Mitarbeiter würdigen und die Tariferhöhung vorziehen."

Auch andere deutsche Unternehmen haben in der Krise versucht, ihren Mitarbeiterstamm zu halten und auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgegriffen. Die Beschäftigten erhielten weniger Lohn für weniger Arbeit und einen Zuschuss vom Staat. In Zeiten des Aufschwungs wird die Kurzarbeit nun wieder abgebaut und auch neues Personal eingestellt. Das hat zum deutschen "Jobwunder" geführt, auf das andere Länder neidisch blicken.

Unternehmen tragen Verantwortung

Hans-Paul Bürkner, Vorstandsvorsitzender der Boston Consulting Group (Foto: dpa)

Hans-Paul Bürkner, Vorstandsvorsitzender der Boston Consulting Group

Das passt nicht wirklich zum Bild des einzig nach Profit strebenden Unternehmers, der trotz steigender Gewinne Massenentlassungen ankündigt und dafür von seinen Aktionären gefeiert wird. Hans-Paul Bürkner, Vorstandsvorsitzender der Boston Consulting Group, hält dieses Bild der kurzfristigen Gewinnmaximierung ohnehin für einseitig. Vor allem traditionsreiche Familienunternehmen hätten eine starke Unternehmensphilosophie, "die sich ausrichtet auf die Kunden, aber auch auf die Mitarbeiter, auf das gesamte Umfeld. Da ist eine starke Bindung da und ein hohes Verantwortungsgefühl."

Diese Unternehmensphilosophie übertrage sich von Generation zu Generation und sei auch ausschlaggebend bei der Internationalisierung, meint Bürkner. Denn aus überschaubaren Familienunternehmen sind oft global agierende Konzerne geworden.

Gemeinsame Werte

Gerade in solchen Firmen wurde seit über zehn Jahren eine Debatte über die Wertekultur geführt. "Shared Values" heißt das Zauberwort - auf Deutsch "geteilte Werte" oder "gemeinsame Werte". Hans-Paul Bürkner: "In dem Maße, in dem man mehr international agiert, muss man schauen, dass man eine gemeinsame Wertebasis findet." Das bedeute nicht, dass man alle gleich bezahle, aber dass man ordentliche, akzeptable Arbeitsbedingungen habe, dass man ordentliche Produkte mit guter Qualität liefere, sowohl in den internationalen Märkten als auch im Heimatmarkt.

John Feldmann, Vorstandsmitglied der BASF-Gruppe (Foto: BASF)

John Feldmann, Vorstandsmitglied der BASF-Gruppe

Zu dem Wertekanon gehöre auch, dass man sich als Teil der Gesellschaft verstehe, und das nicht nur am heimischen Standort. Beispiel BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern ist nicht nur geschäftlich in Afrika aktiv, er leistet auch einen konkreten Beitrag für die Schulbildung der Kinder. John Feldmann, Vorstandsmitglied der BASF-Gruppe, sagt: "Wir haben ein Projekt gesponsert, bei dem Kinder Schreibunterflächen aus Kunststoff bekommen haben, da sie keine Schreibtische haben und keine Möglichkeiten haben, auf denen sie schreiben lernen können." Das sei "ein sehr erfolgreiches Projekt mit sehr einfachen Mitteln", sagt Feldmann weiter. Nach dem Motto: Tu Gutes und rede darüber.

Marktwirtschaft - eine Erfolgsgeschichte

Viele sahen in der jüngsten Krise das Ende des Kapitalismus und riefen nach einem neuen System. Hans-Paul Bürkner aber warnt davor, die Marktwirtschaft voreilig abzuschreiben: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die letzten 20 Jahre eine der erfolgreichsten Phasen in der Wirtschaftsgeschichte und auch der gesellschaftlichen Geschichte gewesen sind."

So wurden in diesem Zeitraum weltweit 800 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Auch wenn ein Teil davon in der Krise wieder verlorenging, auch in Deutschland – trotz Jobwunder.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Henrik Böhme

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