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Fußball

Das Jahr des deutschen Nachwuchsfußballs

Drei EM-Titel gleichzeitig – der Deutsche Fußball-Bund durfte sich 2009 über dieses Kunststück 35 Tage lang freuen. So lange nämlich waren die U17, die U19 und die U21 parallel Europameister.

Jerome Boateng, Marko Marin und Mesut Oezil (v. li.) (Foto: AP)

Jerome Boateng, Marko Marin und Mesut Oezil (v. li.)

Die "Maurice-Burlaz-Trophäe" ist wohl nur ganz eingefleischten Fußball-Fans ein Begriff. Dabei ist sie eine durchaus bedeutende Auszeichnung. Der Europäische Fußball-Verband UEFA ehrt damit alle zwei Jahre ein Land für seine herausragende Nachwuchsarbeit. 2009 durfte sich der Deutsche Fußball-Bund zum ersten Mal darüber freuen. Am 7. Dezember erhielt der DFB in der UEFA-Zentrale im schweizerischen Nyon den Preis und trat damit die Nachfolge von Spanien an.

Waren die Iberer in den vergangenen Jahren in der Förderung und Entwicklung junger Talente das Maß aller Dinge, hat Deutschland zumindest vorübergehend diese Vormachtstellung übernommen.

Drei auf einen Streich

Erfolgstrainer Horst Hrubesch (Foto: dpa)

Erfolgstrainer Horst Hrubesch

Den Anfang dieser eindrucksvollen Erfolgsgeschichte machte die U 19 bereits im Juli 2008. Bei der EM-Endrunde in Tschechien gelang im Finale gegen Italien ein 3:1-Sieg. Das zweite Kapitel dieser Trilogie schrieb dann die U 17 im eigenen Land. Mit 2:1 nach Verlängerung behielt die von Marco Pezzaiouli trainierte Auswahl in Magdeburg gegen die Niederlande die Oberhand.

Den Schlusspunkt setzte die U 21 am 29. Juni im schwedischen Malmö: deutlich mit 4:0 wurde England im Endspiel bezwungen. Ein Moment, in dem Abwehrspieler Jerome Boateng vom Hamburger SV feststellte, "dass nicht aufgeben, belohnt wird".

Zwei Väter des Erfolges

Mit den gewonnenen EM-Titeln sind zwei Namen untrennbar verbunden: DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Trainer Horst Hrubesch. Der frühere Bundesligaprofi und Nationalspieler Sammer, der seinen Posten 2006 antrat, stellte beim DFB vieles auf den Prüfstand und reformierte einiges: "Wir haben die Eliteförderung vorangetrieben und im U-Bereich alles professionalisiert, denn letztlich gibt es für junge Spieler keine bessere Entwicklungsmöglichkeit als Erfolg."

Einer, der das in der Praxis dann nahezu perfekt umsetzte, war Horst Hrubesch. Für Sammer ein Trainer, der "perfekt die Sprache der Spieler spricht". Das einstige "Kopfballungeheuer" führte sowohl die U 19 als auch die U 21 zum Titel. Beide Male keine leichte Aufgabe, galt es schließlich "Individualisten und hervorragende Teamspieler zu einer Einheit zu formen". Es gelang ihm zwei Mal hervorragend.

Noch längst nicht am Ziel

Matthias Sammer (Foto: dpa)

Matthias Sammer hat im DFB viel bewegt

Sich auf den Lorbeeren auszuruhen ist weder die Sache von Matthias Sammer noch die von Horst Hrubesch. Und so warnt letzterer schon mal davor, "dass man sich nicht zurücklehnen kann, da es noch vieles gibt, was verbessert werden muss".

Der Mann weiß wovon er spricht, schließlich hatte er noch im vergangenen August damit zu kämpfen, dass er mit einem arg dezimierten Kader zur U20-WM nach Ägypten reisen musste. Da das Turnier nicht im offiziellen Terminkalender des Fußball-Weltverbandes FIFA auftauchte, bestand für die Vereine keine Abstellungspflicht. Hrubesch erreichte mit einer B-Auswahl trotzdem das Viertelfinale und schied dort nur äußerst unglücklich aus.

Keine Panik

Nicht nur die Diskussionen um die Abstellungspflicht haben die allgemeine Euphorie ein wenig gedämpft. So hatte sich die U 19 nicht für die Europameisterschaft in diesem Jahr qualifizieren können und auch die U 21 spielt eine durchwachsene Qualifikation und läuft Gefahr, bei der EM-Endrunde 2011 in Dänemark nur in der Zuschauerrolle zu sein.

Und so zieht Matthias Sammer zwar ein zufriedenes, allerdings kein allzu positives Zwischenfazit seiner Zeit als DFB-Sportdirektor, denn für ihn sind die "drei Titel, die wir im U-Bereich geholt haben, eigentlich viel zu schnell entstanden, die Stabilität der sportlichen Leistung und Spieler ist noch nicht auf dem Niveau, wo wir mal hinwollen."

Autor: Torsten Ahles
Redaktion: Wolfgang van Kann