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Deutschland

Das ist unseriös

Themenbild Pro und Contra (Grafik: DW)

Es passt zur Verflachung der politischen Kultur, wenn der Verteidigungsminister nichts besseres zu tun hat, als medienwirksam seine Frau dorthin mitzunehmen, wo es gefährlich werden kann: an die Front in Afghanistan. Karl-Theodor zu Guttenberg wird als das größte politische Talent des deutschen Konservatismus bezeichnet: blitzgescheit, rhetorisch geschliffen und mit einer hübschen Frau an seiner Seite, die immer dann einspringt, wenn es nonverbal werden soll.

Porträt Matthias von Hellfeld (Foto: privat)

Matthias von Hellfeld

So auch dieses Mal: Die kugelsichere Weste stets sichtbar, signalisiert sie Normalität nach Hause. Am Hindukusch wird Weihnachten gefeiert - basta. Klar: Manchmal fallen Schüsse und manchmal werden junge Männer in Zinksärgen nach Hause geflogen. Das aber zählt jetzt alles nicht: Hier sind die Guttenbergs und die zeigen der Heimat mal, wie man Politik macht.

Einerseits diktiert der smarte Verteidigungsminister dem Kabinett eine Radikalkur für die Bundeswehr in den Block, andererseits lächelt er in jede Kamera, an der das berühmte rote Licht brennt. Und als ob das nicht schon genug Selbstdarstellung am falschen Ort wäre, kommt auch noch der Soft-Talker Johannes B. Kerner daher und baut seine Zelte gleich neben denen der Soldaten auf. Der Krieg verkommt auf diese Weise zu einem Thema, das Quoten bringen und der Gier nach Sensationen dienen soll.

Aber der Besuch des Vorzeigeehepaars bei den deutschen Soldaten am Hindukusch ist vor allem eine Kampagne zur Pflege des Markennamens "Guttenberg". Das wird auch im Kanzleramt registriert. Der Verteidigungsminister baut sich als Konkurrent auf, der allen zeigt, dass er es besser kann. Und wenn es nur die Selbstdarstellung ist - aber das ist ja ein nicht unerheblicher Teil der Politik.

Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Kay-Alexander Scholz