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Olympische Spiele

"Das IOC kauft sich damit erst mal nur Zeit"

IOC-Präsident Thomas Bach plant, die Olympischen Spiele 2024 und 2028 gleichzeitig zu vergeben - ein Zeichen, dass die Spiele an Attraktivität verloren haben? Für die Zukunft müsste gelten: bescheidener auftreten.

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Auslaufmodell Olympische Spiele?

Alarm im IOC. Der Ernstfall ist eingetreten. Nur noch zwei Städte wollen die Olympischen Spiele 2024 ausrichten: Paris und Los Angeles. So ein Mini-Bewerberfeld hatte es zuletzt vor 36 Jahren gegeben. Seoul musste damals nur Nagoya ausstechen, um den Zuschlag für die Sommerspiele 1988 zu erhalten. Fünf Kandidaten waren für 2024 ursprünglich ins Rennen gegangen. Zuerst sagten die Einwohner Hamburgs Nein. Im November vor zwei Jahren entschied sich bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit gegen eine Bewerbung ihrer Stadt. Später zogen auch Rom und Budapest ihre Kandidaturen zurück.

Paris und Los Angeles: Das IOC will keinen Verlierer 

Deshalb stieß IOC-Präsident Bach die Debatte um die Doppelvergabe an. Er will weder Paris noch Los Angeles verprellen. Im Gegenteil: Beide sollen mit der Ausrichtung Olympischer Spiele belohnt werden. Die Städte sind nicht nur in der Lage exzellente Spiele auszurichten. Es sind Metropolen westlicher Demokratien. Gerade in denen hat das olympische Massenspektakel zuletzt bei großen Teilen der Bevölkerung an Ansehen und Zuspruch verloren.

Enges Rennen um die Olympischen Spiele 2024 (picture alliance/dpa)

Für eine Doppelvergabe hatten sich L.A. und Paris nicht beworben

Den anfänglichen Widerstand im IOC und bei den Städten selbst hat Bach offenbar wegmoderiert. So könnte es zum zweiten Mal in der olympischen Geschichte zu einer Doppelvergabe Olympischer Spiele kommen. Vor 96 Jahren hatte das IOC Paris (1924) und Amsterdam (1928) zu Olympia-Gastgebern gemacht. 

Auf der 131. IOC-Session im September in Lima, wo ursprünglich der Gastgeber der 2024-Spiele gekürt werden sollte, wird dann nur noch das "Geheimnis" gelüftet, wer wann die Spiele ausrichtet. Die Protagonisten beider Städte behaupten offiziell zwar, nur an der Veranstaltung in sieben Jahren interessiert zu sein. Hinter den Kulissen scheint jedoch längst geregelt, das Paris die Spiele 2024 ausrichtet. Los Angeles wäre dann 2028 an der Reihe. 

Olympische Spiele taugen nicht mehr als Prestigeobjekt

Für Gunter Gebauer, Philosoph und Sportwissenschaftler an der Freien Universität Berlin ist die geplante Prozedere jedoch nichts anderes als eine Notlösung. "Das IOC kauft sich damit erst mal nur Zeit. Es ist ganz evident, dass die Olympischen Spiele keine Attraktivität mehr haben. Das heißt, ein Land verspricht sich dadurch heutzutage keinen Gewinn mehr."

Viele Politiker wollen mittels der Olympischen Spiele ihre Stadt modernisieren. Für ein oftmals gigantisches Bauprogramm werden horrende Schulden in Kauf genommen. Der letzte Olympia-Gastgeber Rio de Janeiro sitzt zehn Monate nach dem Ende der Spiele immer noch auf unbezahlten Rechnungen in Höhe von umgerechnet 30 Millionen Euro.

Das IOC muss wieder Vertrauen gewinnen

Eine gehörige Portion Schuld trägt jedoch auch das IOC als alleiniger Besitzer der Spiele. Das Bewerbungsverfahren ist zu teuer, zu perfektionistisch und intransparent. Die  Städte müssen zu viele Forderungen erfüllen. Den Olympia-Gastgeber wird das wirtschaftliche Risiko aufgebürdet. Das IOC kassiert den Profit. Allerdings werden über 90 Prozent des Gewinns unter anderem an die internationalen Sportverbände verteilt. Manche könnten ohne die IOC-Zuwendungen gar nicht existieren.                                                                                                                 

Schweiz Lausanne IOC-Treffen - Präsident Thomas Bach (Reuters/D. Balibouse)

IOC-Präsident Bach: Doppelvergabe wie zuletzt vor 96 Jahren

IOC-Präsident Bach hat die Probleme jedoch erkannt, meint Wolfgang Maennig. Der Ruder-Olympiasieger von 1988 beschäftigt sich heute als Sportökonom mit Gegenwart und der Zukunft der Olympischen Spiele. "Bach hat das IOC bereits für neue Konzepte und Ideen geöffnet. Die von ihm initierte Agenda 2020 sollte jedoch schnell weiter entwickelt werden, zu einer Agenda 2030." 

Haben die Olympische Spiele eine Zukunft?

In ihrer mittlerweile 121jährigen Geschichte haben die Olympischen Spiele einige Krisen überstanden. "Ich bin optimistisch, dass die olympische Idee eine Zukunft hat", meint Gunter Gebauer. "Der Sport fasziniert ja nach wie vor die Menschen weltweit."  Vom Internationale Olympische Komitee erwartet er allerdings nur geringe Impulse. "Die Chance besteht auf eine Initiative von unten, einer Graswurzelbewegung. Die künftigen Gastgeber müssen den Mut haben, auf  bescheidene Spiele zu setzen. Ein guter Gastgeber sein, heißt, die Bevölkerung stärker mit einzubeziehen und nicht die Spiele an den Menschen vorbei als Prestigeobjekt zu sehen. Peking 2008 war da ein schlechtes Beispiel."

Die vielleicht größte Chance, der Idee Olympia neues Leben einzuhauchen ist, die Jugend dafür zu begeistern. "Die Idee der Olympischen Jugendspiele, die der ehemalige IOC-Präsident Jacques Rogge ins Leben gerufen hat, ist da ein erster Schritt", findet Wolfgang Maennig.

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