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DW Nachrichten

Das Interview

Unser Gast: der Präsident der EZB, Wim Duisenberg.

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Wim Duisenberg

DW-TV:
Man nennt Sie auch „Mister Euro“ – gefällt Ihnen das?

Wim Duisenberg:
„Nun es gefällt mir nicht so sehr, aber ich weiß, was man meint. Und, dass der Euro jetzt schon so vertraut ist bei der Bevölkerung, eben wenn man den Euro identifiziert mit mir, dann ist das doch gut.

DW-TV:
Ein Jahr haben wir jetzt den Euro sozusagen in Scheinen und in Münzen- ist das aus Ihrer Sicht ein erfolgreiches Jahr, ist Ihre Bilanz positiv?

WD:
Ja, für mich persönlich war der Euro schon davor. In der Tat, wir haben seit einem Jahr den Euro in Scheinen und das ist meiner Meinung nach sehr erfolgreich gewesen. Der Übergang ist reibungslos, hat stattgefunden, eben besser, als wir in unseren besten Träumen gehofft hatten.

DW-TV:
Gibt’s da gar keine Sorgenkinder, auch bei der Euro-Einführung , wo Sie sagen: „Na ja, da hätt’s noch besser laufen können.“ oder „Die sind noch nicht so weit.“?

WD:
Nein, wir hatten, als wir angefangen hatten, viele Szenarios fertig, wenn irgendwo irgendwas falsch gehen würde.
Wir hatten nur ein Szenario leider nicht vorbereitet - das war, wenn es besser gehen würde, als wir selbst gedacht hätten. Und das ist die Wirklichkeit geworden.

DW-TV:
Nun gibt es ja Länder, die sind in der Europäischen Gemeinschaft, aber die sind nicht Mitglieder der Euro-Zone. Wie können Sie diese Länder denn gewinnen, auch Teil der Euro-Zone zu werden, zum Beispiel Großbritannien?

WD:
Großbritannien, Schweden und Dänemark, die kann ich nicht und die will ich nicht gewinnen. Das machen die selbst aus. Aber die Vorteile, um in einem so großen Gebiet mit einer Währung zu sein, die Vorteile würden natürlich , die wir zwölf jetzt schon genießen, die würden auch genossen werden von diesen Ländern.
Also ich habe keine Zweifel, die kommen selbst zu der Überzeugung , dass es zu ihrem Vorteil ist, dabei zu sein. Der eine eher, der andere später, aber meine Meinung brauchen sie dabei nicht.

DW-TV:
Nun steht ja die europäische Osterweiterung an. Können Sie sich denn vorstellen, dass auch DIE Länder Teil der Euro-Zone werden?

WD:
Es gibt Länder, die können es schnell schaffen. Aber man redet in diesen Sachen immer in Jahren und nicht in Monaten. Und es gibt Länder, die sind noch nicht so weit. Das gilt unzweifelhaft. Das wird lange dauern, und es ist auch nicht im Interesse dieser Länder zu schnell dabei zu sein. Man muss da auch mit den Stürmen der Konkurrenz hantieren können.

DW-TV:
Die EZB macht ja nun die Geldpolitik für die gesamte Euro-Zone. Das heißt, Sie müssen auch von bestimmten Durchschnittswerten ausgehen. Ist das nicht manchmal schwierig, dass man sozusagen alles über einen Kamm scheren muss, dass man zum Beispiel die Situation in Deutschland sozusagen zusammennimmt mit der Situation in Spanien und Irland?

WD:
Die Unterschiede sind da eben größer als hier in Europa in den zwölf Ländern. Das ist normal, aber mit EINER Währung kann man auch notwendig nur EINE Währungspolitik haben. Also wenn es unterschiedliche Entwicklungen gibt in den Teilen dieser Region Europa und man will die bestreiten, dann muss man andere Mittel der Politik, der Strukturpolitik, der Fiskalpolitik gebrauchen, um die Unterschiede wegzumachen. Aber es gibt also Unterschiede, Differenzen, wie wir als Fachleute sagen; aber die sind nicht katastrophal.

DW-TV:
Deutschland war ja mal der Motor Europas. Das kann man jetzt wahrscheinlich nicht Mehr sagen. Ist Deutschland ein bisschen ein Sorgenkind aus Ihrer Sicht, die deutsche Wirtschaft?

WD:
Deutschland ist insoweit ein Sorgenkind, als dass auch Deutschland - wie alle europäischen Länder, aber Deutschland vielleicht am meisten - die Flexibilität am Arbeitsmarkt braucht, auch in den Produktmärkten. Da muss man mehr leisten, und das ist in den vergangenen Jahren und jetzt zu wenig geschehen. Deutschland muss sich anpassen. Das ist im Interesse der Deutschen. Und dann hat natürlich Deutschland ein Problem, das die anderen Länder nicht haben – das ist der Prozess der Wiedervereinigung. Das ist eine ungeheuer große Last für die deutsche Wirtschaft gewesen, und das ist es immer noch. Ich bin davon überzeugt, das schaffen die Deutschen auch.

DW-TV:
Also, Sie sehen da positive Ansätze?

WD:
Ich sehe da positive Ansätze, aber es geht nicht sehr schnell, muss ich sagen.


DW-TV:
Wir sind ja im Moment in einer sehr schwierigen politischen Lage. Es besteht die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Irak oder im Irak. Macht Ihnen das auch Sorge für den Euro?

WD:
Nicht so sehr für den Euro. Sie wissen, als ein Zentralbankier darf ich nicht spekulieren. Ich muss Spekulationen bestreiten und nicht daran teilnehmen. Aber wenn es so eine, was wir dann „geopolitische Umwandlung“ nennen, gäbe, dann kann es einen Einfluss haben, vorrangig auf die Ölpreise. Und wenn das nur kurze Zeit dauert, dann brauchen wir uns darüber keine Sorge zu machen. Wenn es lange dauert, dann müssten wir vielleicht auch in der Währungspolitik darauf reagieren. Aber für den Euro an sich, der ist stark genug, um auch diesem Sturm begegnen zu können.“

DW-TV:
“Sie haben ja nach dem 11. September auch reagiert mit einem Zinsschritt. Könnten sie sich so etwas Ähnliches dann vorstellen?”

WD:
Wir haben damals schnell dasjenige getan, was wir überhaupt anders einige Wochen später getan hätten. Und diesmal haben wir das getan in Konzeption mit der amerikanischen Zentralbank – der Federal Reserve.

DW-TV:
“Herr Duisenberg, Sie sind noch bis Mitte 2003 im Amt. Was raten Sie ihrem Nachfolger?”

WD:
“Ja, ich glaube, das Beste wäre, wenn er nur ein Klon von mir wäre.”

DW-TV:
“Wie ist denn der ideale Klon? Haben Sie da schon einen Namen im Kopf?”

WD:
“Oh, nein, ich habe keinen Namen. Aber auch mein Nachfolger muss das Äußerste tun, um die Idee von Stabilität und Kontinuität auszutragen, denn das, was wir brauchen, was jeder Notenbanker braucht, das ist das Vertrauen von der Bevölkerung zu erreichen und nachhaltig zu behalten.”

DW-TV:
Herzlichen Dank Für das Gespräch.

  • Datum 13.12.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1M98
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