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Deutschlehrer-Info

Das Institut für Deutsche Sprache wird 50

Seit 1964 erforschen Sprachwissenschaftler in Mannheim alle Bereiche der deutschen Sprache. Sie archivieren Dialekte, erkunden das Alltagsdeutsch und kümmern sich um die Sprache der Zukunft.

Ganz hinten im weitläufigen Keller findet man den wahren Schatz des Instituts für Deutsche Sprache IDS: Über 16.000 Tonbänder mit mehr als 4500 Stunden Aufzeichnungen deutscher Dialekte, von Oldenburgisch und Ostfriesisch über Moselfränkisch und Sächsisch bis hin zu Kölsch und Paderborner Platt. Es ist die weltweit größte Sammlung dieser Art. Einige der kostbaren Bänder liegen nun im hochmodernen Tonstudio des Instituts, um sie dort zu digitalisieren und für die Zukunft zu konservieren.


Ludwig M. Eichinger, Direktor des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (Foto: IDS Mannheim)

Direktor Ludwig Eichinger


"Die Dialekte, die unsere Vorgänger in dieser Form Mitte der 1950er Jahre überall in Deutschland aufgenommen haben, sind noch relativ echt", erklärt der Sprachwissenschaftler Ludwig Eichinger, seit 2002 Direktor des IDS. "Sie bieten daher eine einmalige Vergleichsbasis dafür, wie sich die deutsche Alltagssprache entwickelt hat."

Ein jahrhundertelang in Kleinstaaten zersplittertes Deutschland ist der Hauptgrund dafür, dass keine andere Sprache Europas in so vielen unterschiedlichen Fassungen, so variationsreich und vielfältig gesprochen wird wie das Deutsche. Mit Hilfe modernster Software bringen die IDS-Wissenschaftler die erzählte Geschichte nun in die digitale Welt.

Die Suche nach dem "Alltagsdeutsch"
Seit 1964 ist das IDS die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache. Aktuell untersuchen in Mannheim rund 250 Mitarbeiter die Entwicklung dieser Sprache und die Strukturen ihrer Dialekte. Außerdem suchen sie nach dem wirklich gesprochenen Alltagsdeutsch.

Der Sprachforscher Ralf Knöbl analysiert anhand einer gelesenen Geschichte, wer wie spricht. Ob das Wort "einig" etwa "eini-G", "eini-CH" oder "eini-SCH" ausgesprochen wird. Dies verknüpft er mit den Daten der jeweiligen Herkunft und erstellt auf diese Weise Sprachkarten, die genau zeigen, wo im deutschen Sprachraum welche Variation der Aussprache wie häufig vorkommt. Ralf Knöbl arbeitet seit Jahren an dem IDS-Projekt "Variation des gesprochenen Deutsch" mit. Seine Arbeit hat für ihn einen ganz klaren Anwendungsbezug. "Viele, die Deutsch als Fremdsprache lernen, kommen nach Deutschland und merken: So wie ich es gelernt habe, redet keiner." Genau da kann die vom Institut erstellte Dialektkarte helfen. "Man kann sich darauf vorbereiten, wie hier tatsächlich gesprochen wird."

Zwei IDS-Mitarbeiterinnen arbeiten in den 1960er Jahren in einem Büro im Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (Foto: IDS Mannheim)

Sprachforschung am IDS in den 1960er Jahren: Deutsch im Zettelkasten


Neue Wörter bereichern die Sprache
Welche Begriffe für einige Dinge verwendet werden, hängt dagegen nicht nur von der Region ab, sondern ist auch zunehmend bestimmt von neuen Medien und neuen Technologien. Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. sorgen dafür, dass die Verbreitung neuer Wörter und Formulierungen, die früher oft Jahrzehnte dauerte, heute in Tagen und Wochen passiert.

"Also ich finde das Wort 'Stockente' ziemlich gut", schmunzelt Doris Steffens, die sich am IDS mit der Ausweitung des deutschen Wortschatzes befasst. "Als Bezeichnung für eine 'Nordic Walking betreibende Frau meist mittleren Alters' ist Stockente wirklich eine gelungene Wortneuschöpfung." Viele Neuschöpfungen vergingen zwar genauso schnell, wie sie gekommen seien, erklärt sie - aber Vieles würde auch zum festen Bestandteil der deutschen Sprache. Vor allem die Jugend sei da eine große Quelle der Bereicherung, meint Doris Steffens. "Wenn sich die neuen Wörter einmal festgesetzt haben, werden sie schnell allgemeinsprachlich - wie zum Beispiel der Begriff 'abhängen' im Sinne von 'entspannen'".

Doris Steffens und andere Wissenschaftler aktualisieren das "Neologismenwörterbuch" des IDS regelmäßig und halten fest, welche "lexikalischen Einheiten", wie sie es nennen, neu in der deutschen Sprache angekommen sind. Von Boxspringbett, Cakepop und Fingerwisch bis hin zu Googlebrille, Hashtag und Webinar.

Eine Mitarbeiterin sitzt im Mannheimer Institut für Deutsche Sprache an einem Laptop (Foto: IDS Mannheim)

Sprachforschung heute: Deutsch im Laptop


Deutsch, eine Sprache mit Zukunft
Derzeit gibt es, je nach Schätzung, etwa 90 bis 98 Millionen deutsche Muttersprachler. Weltweit können mindestens weitere 80 Millionen Menschen Deutsch sprechen. "Wohin die Entwicklung geht, ist schwer abzusehen. Global gesehen hat die deutsche Sprache etwa durch das Englische sicherlich viel an Einfluss verloren", meint IDS-Direktor Ludwig Eichinger. In Europa sähe das allerdings ganz anders aus. "Hier steigt das Interesse am Deutschlernen, auch aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation." Immerhin wachse der deutsche Wortschatz stetig an, erklärt Eichinger. Schließlich würden die gesellschaftlichen Verhältnisse, die man beschreiben müsse, auch immer komplexer.

Deutsch hat für ihn eine gute Zukunft, auch in den kommenden 50 Jahren. Immerhin 87 Prozent der Befragten einer IDS-Studie zur "Spracheinstellung der Deutschen" gaben an, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt. Sie beschreiben ihre Sprache zwar als schwierig, aber auch als anziehend, logisch und schön.

Auf die Frage, ob er ein Lieblingswort habe, antwortet Ludwig Eichinger lachend: "Ich mag den alten Ausdruck 'Zauberwort', weil es für mich den Zusammenhang von Sprache und Welt sehr schön illustriert." Von den eingedeutschten neuen Begriffen mag er besonders das Wort 'liken'. "Die deutsche Sprache hat oft nicht diese präzise Kürze, die im Englischen so gut funktioniert. Und 'liken' bringt es wunderbar auf den Punkt."

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