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Wissen & Umwelt

Das Himmels- und Raumfahrtjahr 2015

Weltraumfans freuen sich im neuen Jahr auf vier Finsternisse, die Planeten Venus und Jupiter, einen deutschen ESA-Chef - sowie auf Raumsonden, die Pluto, Ceres und den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko erkunden.

Das astronomische Highlight des neuen Jahres ist die totale Sonnenfinsternis, die pünktlich zu Frühlingsbeginn auf der Nordhalbkugel zu sehen ist. Am Vormittag des 20. März zieht der Kernschatten des Mondes über den Nordatlantik und das Polarmeer. In einem langen schmalen Streifen bedeckt der Mond komplett die Sonne - für wenige Minuten wird dort der Tag zur Nacht. In den Genuss dieses faszinierendsten aller Himmelsschauspiele kommen die Menschen auf den Färöer-Inseln und auf Spitzbergen.

In ganz Europa, im Norden Afrikas und im Westen Russlands ist die Finsternis zumindest partiell zu sehen. In diesen Bereichen bedeckt der Mond einen mehr oder weniger großen Teil der Sonne - dort erscheint unser Stern zum Höhepunkt der Finsternis wie ein Keks, aus dem ein Stück herausgebissen ist.

Die zweite Sonnenfinsternis des Jahres ist nirgendwo auf der Erde total: Am 13. September ist im Süden Afrikas, im südlichen Teil des Indischen Ozeans und in weiten Teilen der Antarktis zu beobachten, wie der Mond einen Teil der Sonne verdeckt.

Zwei totale Mondfinsternisse

Der Mond zieht im Jahr 2015 zweimal durch den Kernschatten der Erde. Am 4. April gegen 12 Uhr Weltzeit kommt es zur ersten totalen Mondfinsternis. So eine Finsternis ist überall dort zu sehen, wo der Vollmond zu jener Zeit über dem Horizont steht: Gute Bedingungen gibt es fast im gesamten Pazifik, in Ostasien und im Westen Nordamerikas. Die totale Verfinsterung dauert zwölf Minuten. Die partielle Phase der Finsternis ist natürlich viel länger: Sie beginnt um 10.15 Uhr und endet um 13.45 Uhr Weltzeit.

Mondfinsternis über Deutschland (Foto: picture alliance/ZB)

Die Phase der Verfinsterung dauert bei einer Mondfinsternis mehrere Stunden

Bei der zweiten Mondfinsternis wird der Mond am 28. September zwischen 2.10 Uhr und 3.23 Uhr Weltzeit total verfinstert. Für mehr als eine Stunde trifft kein Sonnenlicht direkt die Mondoberfläche. Da aber unsere Atmosphäre einige Sonnenstrahlen in den Erdschatten bricht, ist die Mondscheibe auch während der Totalität noch am Himmel zu erkennen, in einem matten kupferroten Licht.

Die partielle Phase beginnt um 1.06 Uhr und endet um 4.27 Uhr Weltzeit. Diese totale Mondfinsternis ist in ganz Europa, in Afrika, in Südamerika, im Osten Nordamerikas sowie im gesamten Atlantik gut zu sehen.

Venus und Jupiter haben gleich zweimal ein Rendezvous

Am 6. Februar steht der Jupiter, der größte Planet im Sonnensystem, in seiner besten Stellung des Jahres. Er ist dann die ganze Nacht hindurch zu sehen. Nach Sonne, Mond und Venus ist Jupiter das hellste Gestirn am Himmel. In den folgenden Monaten ziert er das abendliche Firmament, bevor er im Juli im Licht der Sonne verschwindet. Im September taucht er wieder am Morgenhimmel auf.

Die Venus präsentiert sich von Januar bis Juli als Abendstern. Dieses Mal ist die himmlische Göttin der Liebe besser von der Nord- als von der Südhalbkugel aus zu sehen, aber auch dort muss niemand auf den Abendstern verzichten. Unser innerer Nachbarplanet strahlt von Februar bis Juni nach Sonnenuntergang unübersehbar am Westhimmel.

Im Juni nähert sich die Venus dem Jupiter, den sie am 1. Juli überholt. Dann stehen die beiden hellsten Planeten des Himmels Seite an Seite - ein besonders hübscher Anblick. Mitte August zieht die Venus zwischen Erde und Sonne hindurch und wechselt an den Morgenhimmel. Von September bis Dezember ist sie strahlender Morgenstern - und im Oktober hat sie erneut ein Rendezvous mit dem Jupiter: Am 26. Oktober stehen die beiden wieder dicht nebeneinander am Osthimmel vor Sonnenaufgang. Dann gesellt sich sogar der recht lichtschwache Mars hinzu.

Irdischer Besuch für Pluto

So schön diese Planeten am Himmel auch sein mögen. In diesem Jahr stiehlt ihnen der lichtschwächste Planet die Schau, besser gesagt ein Ex-Planet: Denn Pluto gilt bei den Astronomen mittlerweile nur noch als Zwergplanet. Als die NASA-Raumsonde New Horizons im Januar 2006 gestartet ist, war das noch anders. Ob Planet oder Zwergplanet: Pluto, ein eisiger Körper jenseits der Neptunbahn, bekommt erstmals Besuch von der Erde. Am 14. Juli 2015 zieht New Horizons in etwa 10.000 Kilometern Abstand an ihm vorbei.

zum Thema - New Horizons - Kuipergürtel - NASA (Foto: Southwest Research Institute/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory

Die NASA-Sonde "New Horizons"

Das Geschehen spielt sich rund 4,8 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt ab. New Horizons wird in den Wochen und Monaten rund um den Vorbeiflug viele Fotos des Planeten und seiner Monde machen und die Zusammensetzung der Oberflächen untersuchen. Danach entschwindet die Raumsonde in die Tiefen des Alls und soll bis 2020 nach neuen Horizonten, also weiteren Objekten hinter Pluto Ausschau halten.

Die Rosetta-Festspiele gehen weiter

Deutlich näher an der Erde setzt die ESA-Raumsonde Rosetta ihre Mission fort. Das ganze Jahr hindurch begleitet sie den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko. Besonders spannend wird das im August, wenn der Komet den sonnennächsten Punkt seiner Bahn passiert.

Die Sonne scheint dann fünfmal intensiver auf den gut vier Kilometer großen Eisbrocken als zu Jahresanfang - und der Komet dürfte recht aktiv werden und viel Gas und Staub in den Weltraum pusten. Rosetta verfolgt dies aus etwa 50 Kilometern Abstand. Wenn die Kometenforscher viel Glück haben, meldet sich auch die Tochtersonde Philae noch einmal.

Sie ist am 12. November 2014 auf dem eisigen Körper gelandet. Aufgrund der mangelnden Sonneneinstrahlung am Landeplatz war die Mission nach zweieinhalb Tagen vorbei, weil die Batterie erschöpft war. Philae ist derzeit im Winterschlaf, was sich im Frühjahr ändern könnte. Denn wenn der Komet näher an die Sonne heranfliegt, trifft auch mehr Licht die Solarzellenflächen der Sonde. Allerdings dürften nach monatelanger Kälte von etwa -170 Grad Celsius viele mechanische Teile der Sonde komplett eingefroren sein, sodass keineswegs alle Experimente wieder starten können.

Rosetta und Dawn: Traumpaar für die Expedition in unsere kosmischen Ursprünge

In Kometen ist das Material aus der Anfangszeit des Sonnensystems bestens konserviert. Denn sie sind die eisigen Überreste jener Wolke, aus der vor viereinhalb Milliarden Jahren die Sonne und die Planeten entstanden sind - also auch unsere Erde. Die Messungen von Rosetta und Philae könnten der Schlüssel sein, um zu verstehen, wie die Erde und das Leben auf ihr entstanden sind. Auch die Asteroiden sind solche Reste im Sonnensystem. Allerdings sind sie nicht so weit entfernt, sondern laufen zwischen Mars und Jupiter um die Sonne.

NASA Sonde Dawn (Foto: picture alliance/dpa)

"Dawn" - hier auf dem Weg zum Mars 2003

Die NASA-Raumsonde Dawn erreicht im März den größten Asteroiden Ceres, den sie bis zum Jahresende umkreisen und erforschen soll. Auch deutsche Wissenschaftler sind an dieser Mission prominent beteiligt: So steuert beispielsweise das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen die Kamera der Sonde bei.

Dawn ist das englische Wort für Morgendämmerung: Die Sonde, die vor drei Jahren bereits den Asteroiden Vesta besucht hat, soll ergründen, was in den Anfangszeiten des Sonnensystems passiert ist. Rosetta und Dawn sind so etwas wie das Raumfahrt-Traumpaar des Jahres.

Raumflug um die Erde - fast bis zum Mars

In der bemannten Raumfahrt geht es nach der Euphorie um die Arbeit von Alexander Gerst auf der Raumstation erst einmal etwas ruhiger weiter. Derzeit ist Italienerin Samantha Cristoforetti als ESA-Vertreterin auf der ISS. Von März an werden zwei Personen der ISS-Besatzung, ein Russe und ein US-Astronaut, ein Jahr lang dort oben bleiben und nicht schon nach sechs Monaten zurückkehren. Es geht darum, Langzeitmissionen zu üben und zu lernen, wie der Mensch mit den Belastungen im Weltraum physisch und psychisch zurecht kommt. Ohne solche Erfahrungen wären bemannte Reisen zum Mars undenkbar.

Dennoch ist aus deutscher Sicht 2015 ein ganz besonderes Raumfahrtjahr, jedenfalls am Boden: Mit Jan Wörner, derzeit noch Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wird nach 25 Jahren erstmals wieder ein Deutscher Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

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