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Wirtschaft

Das Herz des Welthandels: Rotterdams Hafen kennt keine Flaute

Der Hafen Rotterdam hat neue Rekorde beim Güterumschlag erzielt - und es werden nicht die letzten sein: In den kommenden Jahren wird ein jährliches Wachstum von acht Prozent erwartet.

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Der Hafen Rotterdam

Verladen von Steinkohle im Hafen Rotterdam

Steinkohle wird verladen

Wenige Kilometer nach der deutsch-niederländischen Grenze gabelt sich der Rhein in zwei Hauptarme, die sich kurz vor Rotterdam wieder vereinigen. Aber da hat der Rhein seinen Namen auch schon abgelegt. Als Nieuwe Waterweg mündet er bei Hoek van Holland in die Nordsee und als Nieuwe Maas durchfließt der Strom den Rotterdamer Hafen. Während in Deutschland oder auch in den Niederlanden die Wirtschaft in den letzten Jahren nicht so recht florieren wollte, kennt an Europas größtem Hafen allenfalls das Wetter eine Flaute, wie Pressesprecher Minco van Heezen bei einer Rundfahrt über das Hafengelände berichtet. Der Umschlag des Hafens habe im vergangenen Jahr mit rund 370 Millionen Tonnen einen neuen Rekord erzielt, der Marktanteil in Europa liege bei 30 Prozent.

Anfang der 1960-er Jahre war Rotterdam, gemessen an den Umsätzen, bereits der größte Hafen der Welt. 1966 legte in dem niederländischen Hafen an der Nordsee die "Fairland" an. Das Schiff kam aus Nordamerika und war ausschließlich mit Containern beladen. Von nun an kamen wöchentlich Containerschiffe aus den Staaten nach Europa. Auf dieser Strecke werden auch heute noch Millionen Container verschifft, aber von und nach Asien kommen und gehen mittlerweile die meisten Frachter.

Schiffsstaus auf dem Meer

Hafen von Rotterdam - Luftaufnahme

Die meisten Schiffe kommen aus und fahren nach Asien

Rund acht Prozent werde wohl das wirtschaftliche Wachstum des Hafens in den nächsten Jahren betragen, sagt van Heezen, jährlich, fügt er rasch hinzu. Da, wo das Herz des Welthandels rasend schnell schlägt, wo Millionen Container umgeschlagen werden, sind Schiffsstaus und Wartezeiten draußen auf dem Meer keine Seltenheit. 60.000 Menschen sind direkt im Hafen beschäftigt. Nur 6.000 seien direkt am Kai beschäftigt. Die meisten Leute arbeiten in der Spedition und in der Chemie-Industrie, erklärt er, denn in Rotterdam gebe es sehr viele Chemiefabriken. Auch für den Zoll arbeiten viele Menschen. "Wir haben mit 60.000 Leuten eine ziemlich hohe Produktivität pro Person", sagt van Heezen.

Wer Zeit hat und vielleicht im vierten Stock des Hotels New York übernachtet, das direkt gegenüber der Verwaltungszentrale des Rotterdamer Hafens liegt, kann den regen Schiffsverkehr beobachten, und vielleicht ist wieder einmal ein gigantisches Schiff, beladen mit tausenden Containern in der Ferne auszumachen. Das Hotel New York war einst der Sitz der stolzen Passagierschifffahrtslinie Rotterdam-New York, die 1971 vor dem Flugreiseverkehr kapitulierte und den Dienst einstellte.

Kreuzfahrtschiffe als Zubrot

Heute sind es nur etwa 30 Kreuzfahrtschiffe, die in Rotterdam an- und ablegen. Ein Zubrot sei das, sagt van Heezen. Zu den einträglichen Geschäften gehören die Containerschifffahrt und der Umschlag mit Mineralölerzeugnissen. Shell mit seinen riesigen Raffinerien ist das größte Unternehmen im Hafen, gefolgt vom deutschen Stahlriesen ThyssenKrupp, für den Eisenerz aus Brasilien ankommt, das dann wiederum mit kleinen Schiffen ins Ruhrgebiet, dem Sitz des Unternehmens, weiter transportiert wird. Doch zunehmend machen sich andere Produkte breit und versprechen weitere Wachstumsraten. Beispielsweise Palmöl aus Malaysia und Indonesien. "Ein ziemlich neues Produkt und sehr gefragt als Nahrungsmittel aber auch für Kosmetikprodukte", erklärt van Heezen. "Das ist ein Wachstumsmarkt. Und wir haben hier die größte Raffinerie von Europa, nagelneu."

Vier Stunden dauerte die Hafenrundfahrt mit Minco van Heezen, und noch immer haben wir nicht alles gesehen. Bis zum Europahafen, zum Amazonashafen oder Mississippihafen sind wir gar nicht erst gekommen. Das Areal ist einfach riesengroß. Dabei sucht Rotterdam weiter - nach Land und Ausbaumöglichkeiten auf dem Meer, denn der größte Hafen Europas platzt jetzt schon aus allen Nähten.

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