1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Das Heilige Land als Auftrag

Seit 150 Jahren kümmern sich Katholiken aus dem Rheinland um ihre Glaubensbrüder in Jerusalem. Dabei geht es mehr als nur ums Missionieren.

Frohes Miteinander beim Festakt zum 150. Jubiläum

Der "Deutsche Verein vom Heiligen Lande" (DVHL) feiert in diesem Jahr sein 150. Bestehen im heutigen Israel. "Ein bisschen antiquiert ist unser Name schon, aber nicht unsere Aufgabenfelder" erklärt Arvid Weinlich, Leiter des Jerusalemer Büros des DVHL. Weinlich, Jahrgang 1970, ist zuständig für die Verwaltung der Liegenschaften des Vereins im - palästinensischen - Teil Ost-Jerusalems.

Der Verein, der sich als Brücke für deutsche Katholiken und Pilger ins Heilige Land versteht, hat seine 13.000 Mitglieder vor allem im Erzbistum Köln, aus dem auch seine Gründer 1854 zur Pilgerfahrt an die biblischen Stätten auszogen. Als Wilhelm Prisac und Johann Anton Ramboux damals die schwierige Situation der katholischen Christen und den schlechten Zustand der heiligen Stätten in Palästina sahen, regten sie 1855 die Gründung des "Vereins vom Heiligen Grabe" an, der sich 1895 mit dem "Palästina-Verein der Katholiken Deutschlands" zusammenschloss.

Marienkirche am Zionsberg

Im Deutschen Kaiserreich wuchs der Verein, der sich "die Stärkung deutschen katholischen Wesens auf dem geheiligten Boden Palästinas" zum Ziel setzte, auf 30.000 Mitglieder an. Es wurden prächtige Bauten in Jerusalem, wie zum Beispiel die Marienkirche am Zionsberg auf einem von Kaiser Wilhelm II. geschenkten Grundstück, errichtet. Der Verein kaufte weitere Ländereien an, um deutsche Katholiken in Kolonien in Palästina anzusiedeln. In Ermangelung von Siedlern aber wurden auf den Liegenschaften in Jerusalem, Emmaus und Tabgha am See Genezareth, die dem Verein zum heutigen Tage erhalten blieben, Kloster und Hospize für deutsche Pilger errichtet und Landwirtschaft betrieben.

Schulen mit doppelter Bildung

Das Herzstück des Engagements, die deutsche Schmidt-Schule für europäische und arabische Mädchen im Ostteil Jerusalems, ist, mit kriegsbedingten Unterbrechungen, seit 1873 in Betrieb. Hier können 500 Mädchen aus arabisch-christlichen, aber auch aus muslimischen Familien einen Schulabschluss machen, der dem jordanischen Abitur gleichkommt. Sie lernen Deutsch und Englisch und erhalten eine hoch qualifizierte Grundlage für ihr Arbeitsleben.

Finanziert wird die Schule durch Schulgeld und Spenden: Der Verein erhält traditionell die gesamte Palmsonntagskollekte der katholischen Kirchen Deutschlands. Wichtig ist, das betont Arvid Weinlich gerne in fröhlich-rheinischen Tonfall, dass "die Kinder nicht ihrer arabischen Herkunft entfremdet werden, sondern europäische und arabische Bildung zu ihrem eigenem und zum Vorteil des Landes vermittelt bekommen".

"Steinige" Schulwege

Aufgrund der aktuellen politischen Lage, beklagt Weinlich, ist der Weg zur Schmidt-Schule, die im gesamten Nahen Osten hohes Ansehen genießt, nicht immer leicht und passierbar für die Schülerinnen. Mal werden vor jüdischen Feiertagen Übergänge geschlossen, mal werden Mädchen, die nicht in Ost-Jerusalem leben, "aus reiner Schikane" nicht in die Stadt gelassen. Auch hat er Mitarbeiterinnen, die sich laut Aufenthaltsgenehmigung und Passierschein nur zur Arbeitszeit in Ost-Jerusalem aufhalten dürfen und sich nach israelischem Gesetz strafbar machen, sobald sie sich vor 9 oder nach 18 Uhr noch in der Stadt aufhalten. "Das ist unser größtes aktuelles Problem" stellt Katholik Weinlich fest, und nun verlässt ihn sein strahlendes Lächeln, "dass die Christen, die es sich leisten können, das Heilige Land verlassen haben oder es für die nächste Zukunft planen."

Die Redaktion empfiehlt