1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Das Haus als Star

Ordnungen und Utopien für die Gestaltung Europas aus zwei Jahrtausenden stellt das Deutsche Historische Museum in Berlin vor. Und eröffnet damit einen sensationellen Neubau des Louvre-Pyramiden-Architekten Pei.

default

Neugierig soll er machen: Der Neubau des DHM in Berlin

"Die Zeit, in der man nationale Geschichte, rein national präsentierte, war eine Zeit der Verblendung". Der Direktor des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin, Hans Ottomeyer, lässt keinen Zweifel daran, dass man in Berlin deutsche Geschichte als einen Teil der gemeinsamen europäischen Geschichte versteht. Für Museums- und Ausstellungsmacher, die sich mit den handfesten, sicht- und sammelbaren Zeugnissen der Vergangenheit beschäftigen, ist das eine alltägliche Erfahrung: "Schließlich ist die materielle Kultur supranational", sagte Ottomeyer gegenüber DW-WORLD.

Deshalb wird auch die neue Ausstellungshalle des Museums am 24. Mai 2003 programmatisch mit der Ausstellung "Idee Europa, Entwürfe zum Ewigen Frieden" eröffnet. Die zur aktuellen EU-Verfassungsdiskussion passende Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Europarates und der Europäischen Kommission und soll später als Wanderausstellung (dann allerdings nur mit Repliken der in Berlin gezeigten Originale) durch Europa ziehen.

Europa als Friedensidee

Ausstellung Idee Europa Entwürfe zum Ewigen Frieden

Salvator Mundi. Christus mit der Weltkugel 1540/1560 Öl auf Holz.Die segnende Christusfigur des Heilands ist außergewöhnlich, weil sie statt des hier zu erwartenden Weltkugelsymbols einen wahrhaftigen Globus von Caspar Vopell (1511-1561) im Arm hält, einem Kartographen aus Medebach bei Köln. Die Inschrift auf dem Globus besagt, dass dieser nach neuesten Ergebnissen der Kartographie hergestellt wurde. DHM, Inv.-Nr.: Gm 93/24 Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums 25. Mai bis 25. August 2003 im Pei-Bau

Die Konzeption der Ausstellung stellt die ursächliche Verbindung jeder Europavision mit der Sehnsucht nach dauerhaftem Frieden heraus. Den Idealen der Utopien und ihren schriftlichen und allegorisch-bildhaften Ausformulierungen wird die oft kriegerische Realität gegenüber gestellt. Als einen geschichtlichen Kommentar zur aktuellen EU-Verfassungsdiskussion kann man es da verstehen, dass bis in unsere Zeit hinein, in fast jeder Europavision das christliche Element als grundlegend und verbindend verstanden und offen ausgesprochen wurde. Aus den letzten Jahrzehnten werden auch zahlreiche Ton- und Videodokumente präsentiert. Man kann wegweisende Debatten der verschiedenen europäischen Parlamente und große Reden anhören und sehen.

Gebäude als Kunstwerk

Das Deutsche Historische Museum

Blick in das Foyer ( vom Eingang) Einmaliger freier Abdruck zur Berichterstattung über den Erweiterungsbau des Deutschen Historischen Museums Innenansicht des neuen Wechselausstellungshauses des Deutschen Historischen Museums von I. M. Pei

Für viele wird die Hauptattraktion aber der Neubau einer Ausstellungshalle für das erst 1987 gegründete DHM darstellen. Schon der Entwurf des chinesisch-amerikanischen Architekten I. M. Pei für das kleine, versteckte und schwierige Grundstück hinter dem historischen Berliner Zeughaus hatte 1997 Fachwelt und Öffentlichkeit hellauf begeistert. Mit seinen legendären Um- und Erweiterungsbauten für die National Gallery in Washington und den Louvre in Paris hatte er sein überragendes Talent für solche Projekte bewiesen. Jetzt nach der Fertigstellung und ersten Besichtigungsmöglichkeiten im noch leeren Berliner Gebäude wird es als herrlicher Glücksfall für Berlin und das DHM gepriesen.

Mit dem mächtigen Altbau des Zeughauses ist der Pei-Bau unterirdisch verbunden, so dass dessen barocke Fassade nicht beeinträchtigt wird. Ein großes gläsernes Treppenhaus öffnet sich in Richtung Schinkel-Wache und der Berliner Prachtstraße Unter den Linden. Durchblicke ergeben sich, trotz der versteckten Lage, zu Museumsinsel, Lustgarten und Spree.

Nächstes Jahr geht’s weiter

Dass die Anziehungskraft des Neubaus unbezahlbar ist, haben auch Museumsleute erkannt, die anfangs die im Vergleich zum Gesamtgebäude relativ niedrige Ausstellungsfläche von 2700 Quadratmetern bedauerten. In einem Jahr dann soll auch das historische Hauptgebäude wieder eröffnet werden. Nach fünf Jahren Instandsetzungsarbeiten wird 2004 im ehemaligen preußischen Zeughaus Unter den Linden eine Dauerausstellung eingerichtet, die laut Satzung des Museums „Aufklärung und Verständigung über die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Europäern“ anbieten soll.

WWW-Links