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Sport

"Das hat mit Olympia nichts zu tun"

Die Krawalle in England erschüttern auch die Sportwelt: Mehrere Fußballspiele, darunter das Länderspiel England gegen die Niederlande, wurden abgesagt. Dennoch sieht das IOC keine Gefahr für die Olympischen Spiele 2012.

Polizist vor brennendem Auto (Foto: dapd)

Der Gewaltexzess in England hat spätestens jetzt auch die Sportwelt erreicht, denn er geschieht knapp ein Jahr vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Gewaltbereite Jugendliche und andere vermummte Randalierer, die in London, Liverpool, Birmingham und Bristol wüteten und für die schlimmsten Ausschreitungen seit über 30 Jahren sorgten, sind verantwortlich für die Bilder, die um die Welt gehen. Bilder von brennenden Häusern und Autos, demolierten Geschäften und entsetzten Menschen. In der "Schlacht um London" spricht die britische Presse der Londoner Polizei jetzt sogar die Olympia-Tauglichkeit ab.

Fußballspiele wurden abgesagt

Drei Partien des englischen Ligapokals wurden verlegt, ebenso das prestigeträchtige Länderspiel zwischen England und den Niederlanden im Wembley-Stadion. Es seien "alle verfügbaren Polizeikräfte" wegen der Unruhen gebunden, hieß es von niederländischer Verbandsseite. Und Englands Verbandschef David Bernstein musste einräumen, für die Sicherheit der Fans nicht garantieren zu können. Auch das Länderspiel zwischen Ghana und Nigeria in Watford, das nordwestlich vor den Toren Londons liegt, wurde abgesagt.

Der ehemalige Fußballprofi des Hamburger SV, Rafael van der Vaart, bezweifelte sogar, dass er mit seinem Verein Tottenham Hotspur am Samstag in die neue Saison der Premier League starten kann: "Mein Gefühl sagt nein. Ich habe gehört, dass es am Stadion unruhig ist, deshalb bleibe ich weg", sagte er. Zudem zeigte er sich geschockt von den aktuellen Ereignissen.

Olympia-Vorbereitung läuft weiter

Totale auf das Beachvolleyballfeld in London, wo gerade ein Testlauf für die Olympischen Spiele stattfindet. (Foto: Dominic Lipinski/PA/dapd)

Bloß keine Panik - die Beachvolleyballerinnen proben mitten in London für Olympia im nächsten Jahr

Dennoch präsentiert sich London in diesen Tagen stur im Olympiafieber. Bei der Countdown-Party vor einigen Wochen hatte Sebastian Coe, der Chef der London-Spiele, noch selbstbewusst gesagt: "Wir sind bereit!" Und den schrecklichen Bildern zum Trotz macht London sportlich weiter: Das olympische Test-Turnier der Beachvolleyballerinnen läuft immer noch – in unmittelbarer Nähe des Trafalgar Square. "Wir hoffen, dass entsprechende Vorsorge getroffen worden ist", äußerte sich Jörg Ziegler, Generalsekretär des Deutschen Volleyball-Verbandes besorgt. Auch die Badminton-Einzel-WM findet weiter in der Wembley-Arena statt. "Aus unserer Sicht läuft hier alles normal", sagte Martin Kranitz, der Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes. "Die Krawalle sind weit entfernt, aber wir beobachten natürlich die Situation." Drei olympische Probetests gibt es in dieser Woche in London, unter anderem eine Probe-Regatta.

"Sicherheit hat erste Priorität"

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bemüht sich darum, die Wogen zu glätten, hat aber das Thema Sicherheit auf die Tagesordnung der viertägigen Konferenz gehoben, die für über 200 Delegationsleiter der verschiedenen nationalen Olympiakomitees seit langem für diese Woche in London geplant ist. Und so befindet sich auch Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, aktuell dort. Er habe von den Krawallen nichts mitbekommen und es sei "völlig falsch, sich verrückt machen zu lassen", beschwichtigte er. Die Krawalle hätten mit Olympia nichts zu tun.

Die olympischen Vorbereitungen in London, das zudem als terrorgefährdet gilt, sollen durch die Unruhen nicht gestört werden. "Die Sicherheit bei den Olympischen Spielen hat unsere oberste Priorität", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Man habe Vertrauen in die Londoner Polizei. Darryll Seibel, Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees Großbritanniens, gab unumwunden zu, dass dies sicherlich nicht die Art von Werbung sei, die man weniger als ein Jahr vor Olympia sehen wolle. "Diese Zwischenfälle sind unglücklich, unangenehm und nicht akzeptabel, aber sie werden keine Auswirkungen auf die Vorbereitungen der Spiele haben." Die britische Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe hat da eine ganz andere Meinung: "In weniger als einem Jahr wollen wir die Welt in London willkommen heißen, im Moment will die Welt aber nicht zu uns kommen."

Autorin: Olivia Fritz (mit sid, dpa)
Redaktion: Frank Wörner