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Kultur

Das Handy als Brieftasche

Wirtschaftliche Interessen überbrücken auch die tiefsten Gräben. T-Mobile und Vodafone, die beiden härtesten Konkurrenten auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, führen gemeinsam ein Zahlungssystem für Mobilfunkkunden ein.

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Mobilfunker wollen das Bezahlen per Handy einführen

Geld aus dem Automaten, Tickets für das Konzert oder der volle Einkaufswagen im Supermarkt - ein Anruf per Mobiltelefon bucht das Geld auf dem Konto des Kunden ab. Doch wartet am anderen Ende der Leitung nicht etwa die Bank, sondern lediglich Kollege Computer. Zwar sind die Techniken für die schnelle neue Einkaufswelt bereits vorhanden, doch hat sich das bequeme Bezahlen ohne Scheckkarte noch nicht durchsetzen können, wie viele wegweisende Technologien, die alljährlich auf der Cebit in Hannover bestaunt werden. Der Grund liegt meist darin, dass sich die Firmen stets nur schwer auf einen gemeinsamen Standard einigen können. Jeder möchte seine Technik im Markt durchsetzen und verkaufen.

Die deutsche T-Mobil und die britische Vodafone wagten auf der Cebit 2002 einen Vorstoß, um das mobile Bezahlen, auch M-Commerce genannt, alltäglich zu machen. Und angesichts der Marktmacht der beiden Konzerne stehen die Chancen dafür nicht schlecht: Die beiden Mobilfunkunternehmen haben in Deutschland und Großbritannien zusammen mehr als 60 Millionen Kunden. Ende des Jahres soll der Service zunächst in diesen beiden Ländern starten, teilten die Unternehmen in Hannover mit. Damit machen sie vor allem dem bisherigen deutschen Marktführer Paybox Konkurrenz. Paybox, seit dem Jahr 2000 auf dem Markt, zählt derzeit in Europa 750.000 Kunden, 600.000 davon in Deutschland.

Marktmacht bringt Technologie unter die Leute

Vodafone und T-Mobile wollen nun die persönlichen Daten und bevorzugten Zahlungsarten ihrer Kunden in einer art "virtueller Geldbörse" speichern. Kunden können also ihre Handys künftig ebenso wie Kreditkarten oder Bargeld verwenden. Das ist auch beim Paybox-System der Fall. Damit lässt sich sowohl im Internet einkaufen, als auch Geld auf andere Konten überweisen. Das System ist einfach. Der Kunde ruft eine gebührenfreie Telefonnummer an und tippt dann die Kontonummer und den Betrag ein. Bestätigt wird das mit einer eigenen Geheimzahl. Das Geld wird automatisch vom eigenen Konto abgebucht.

Doch nützt die schönste Technik nichts, wenn sie nicht flächendeckend eingesetzt werden kann. Paybox hat nach eigenen Angaben eigentlich noch immer zu wenig Kunden. Das System setzt lediglich ein Girokonto und ein Mobiltelefon voraus. Es arbeitet unabhängig vom jeweiligen Netzbetreiber. Dieser verdient, abgesehen von geringen Gesprächs- und SMS-Gebühren, nicht genug Geld. Kein Wunder also, dass T-Mobile und Vodafone eigene Pläne vorstellten. Die beiden Mobilfunkkonzerne haben nun einen Stein ins Rollen gebracht, denn auch die Konkurrenten E-Plus und Viag Interkom äußerten sich in Hannover positiv über einen gemeinsamen Bezahlservice für das Handy.

Mobil bezahlen schon heute möglich

Der Vorreiter Paybox gab in Hannover dennoch nicht auf. Neben neuen Lizenzvereinbarungen für Amerika und Asien stellte das Unternehmen neue Anwendungen vor. Dazu zählt etwa der am Stand der Deutschen Bank vorgestellte Geldautomat, an dem man mit dem Handy Geld abheben kann. Auch ein Spielautomat war in Hannover zu sehen. Auch im Supermarkt lässt sich schon per Handy bezahlen. Die Nürnberger Firma M-Guard stellte auf der Cebit ebenfalls ein mobiles Bezahlsystem für Handys vor. Es heißt G-Cash. Der Kunde legt zum Bezahlen sein Handy an der Kasse in eine spezielle Schale, die die Daten vom Handy überträgt. Bezahlt wird ebenfalls per Geheimzahl. Wann das System in Supermärkten zum normalen Alltag gehören wird, ist allerdings offen. Vielleicht müssen sich erst die großen Handelsketten zu einer Allianz zusammenschließen. Das Beispiel von T-Mobile und Vodafone hat es bewiesen.

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