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Politik

Das große Tamtam um ein kleines e

Bangkok ist nicht die einzige Stadt mit mehreren Flughäfen. Doch nur hier findet man Probleme wie unsichere Transfers und ungewisse Namen.

Grafik Fernschreiber Bangkok

Jetzt ist es geschafft. Das Chaos ist da. Bangkoks alter Flughafen ist wieder eröffnet worden, aber den neuen gibt es natürlich auch noch. Welcher ist nun neu? Na, beide! Irgendwie. Und eigentlich.

Das Prinzip ist simpel. Alle inländischen Flüge ziehen um, alles Internationale bleibt, wo es ist. Dennoch sind viele Passagiere verwirrt. Touristen, die nach drei Wochen auf Phuket Richtung Heimat aufbrechen und in Bangkok zwischenlanden, finden sich unerwarteterweise wieder an einem ihnen fremden Flughafen. Und reagieren zuverlässig mit einer gesunden Prise Panik, wenn ihnen mitgeteilt wird, sie bräuchten eine gute Dreiviertelstunde per Shuttle-Bus zum neuen Flughafen und damit ihrem Heimflug. Wobei "eine gute Dreiviertelstunde" eine äußerst relative Aussage ist. Auf dem Weg sind immer ein paar Staus zu erwarten. Und dann noch ein paar. Und direkt vor dem neuen Flughafen dann noch einer.

Abgesehen von dieser inter-logistischen Kleinigkeit ("Das Gepäck wird natürlich nicht weitergeleitet, wie kommen Sie denn darauf?") klappt im alten Flughafen alles am Schnürchen. Dennoch hat er ein kleines Problem: Er hat keinen Namen, zumindest keinen richtigen. Bevor der neue Suvarnabhumi seine strahlenden Drehtüren öffnete, hieß der alte Flughafen 93 Jahre lang "Bangkok International Airport", doch der Neue übernahm den Namen im September 2006.

Programmierte Patzer

Nun muss sich der wiedereröffnete alte Flughafen mit seinem inoffiziellen Namen abgeben. Womit auch niemand ein Problem hat. Außer dass man nicht sicher ist, wie man den thailändischen Namen korrekt transkribiert. Das Problem macht das e – schreibt sich der Flughafen nun "Don Mueang" oder "Don Muang"?

Die Übertragung der thailändischen Sprache ins westliche Alphabet ist immer problematisch, dank des für fremde Ohren bestürzend kompliziert tonalen Systems. Jeder Besucher, der sich je an einer Handvoll Worte Thai versucht hat, wird von den fünf Tonlagen ein trauriges Lied singen können. Jeder Ton trägt nämlich eine andere Bedeutung mit sich. Patzer sind vorprogrammiert.

Lingual verwirrt

Nun sollte man meinen, dass zumindest die Thais wüssten, wie es richtig geht. Doch selbst bei Thai Airways herrscht linguale Verwirrung. Printanzeigen erscheinen mitsamt dem umstrittenen "e", doch auf der Website der Fluglinie fehlt es. So wie auf den Hinweisschildern über den Autobahnen Bangkoks. Und in Broschüren. Und auf Flughafenlimousinen.

Für Pinit Saraithong, den Flughafenleiter, ist die Sache klar. Er will das e. Allerdings wollte er – gewissenhaft wie der gute Mann ist – auf Nummer sicher gehen und trug das Dilemma ins führende Sprachinstitut des Landes. Die Linguisten unterstützen Pinits e. Jetzt fragt man sich, ob alle Richtungstafeln, Schilder, Anzeigen, also alles, worauf der Buchstabe fehlt, eingestampft werden sollte. Dies mag in den Augen einiger unbekümmerter Reisender Haarspalterei sein, doch gewiss würden selbst sie stutzen, erblickten sie im Heimatflughafen Plakate, die sie in "Düsseldoarf", "Pari" oder "Nu Yohk" willkommen hießen.

Das "e" also bleibt. Oder wird hinzugefügt. An der Aussprache ändert sich nichts. Diese müssen Ankommende immer noch üben, falls sie in Bangkok nur zwischenlanden. Zeit genug dafür haben sie aber. Die Warteschlangen an den Taxiständen sind lang, und der Shuttle-Bus kommt auch nicht alle zehn Minuten. Dafür aber darf man sich an die glühende Hitze gewöhnen.