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Kultur

Das große Sterben

Blauelster, Zitronenzeisig und roter Milan sind nur drei der Millionen Tierarten, die es im Jahr 2050 vielleicht nicht mehr gibt. Damit hätte der Klimawandel noch viel katastrophalere Auswirkungen als bisher angenommen.

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Neue Studie: Treibhausgase bringen millionenfachen Tod

Der Frühling trocken, der Sommer heiß, der Winter vergleichsweise milde: Alles Folgen der globalen Erwärmung, sagen Experten. Die Temperaturen, auf die die Erde derzeit zusteuert, seien einmalig in den letzten 40 Millionen Jahren, so Chris Thomas, Biologe an der Universität Leeds und Autor der neuen Studie zu den Auswirkungen des globalen Klimawandels auf Flora und Fauna. Hauptursache ist der Ausstoß von Treibhausgasen, der in den letzten drei Dekaden kontinuierlich zugenommen hat.

Schmetterlinge - Schwalbenschwanz

Vom Aussterben bedroht: Schwalbenschwanz

Zwei Grad Celsius Erwärmung, so heißt es in der Studie, die jetzt in der Zeitschrift "Nature" (Ausgabe vom 8.1.2004) erschienen ist, könnten für ein Drittel aller Landtier- und Pflanzenarten das 'Aus' bedeuten. Selbst bei einer "unabwendbaren" Erderwärmung von etwa 0,8 Grad Celsius, so die Wissenschaftler, wären rund 18 Prozent der Arten betroffen.

Über eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Die Forscher haben weltweit 1103 Tier- und Pflanzenarten aus allen fünf Kontinenten untersucht - von australischen Schmetterlingen, afrikanischen Hartlaubgewächsen bis hin zu mexikanischen Erdhörnchen. Auf globalen Maßstab hochgerechnet, sind eine Million Spezies bedroht. Mit Hilfe von mehreren voneinander unabhängigen Methoden und Computer-Projektionen wurden drei verschiedene Zukunftsszenarien erstellt: Von der minimal bis zur maximal erwarteten Klimaveränderung.

Antarktis

Antarktis: die Eismassen schmilzen

Im Mittelpunkt standen dabei die sensiblen Beziehung der Tier- und Pflanzenarten zu ihrem spezifischen Lebensraum. Verändern sich die Lebensbedingungen beispielsweise durch veränderte Temperaturen, Niederschläge oder jahreszeitliche Schwankungen, kann das katastrophale Auswirkungen auf die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten haben. Auch Naturschutzgebiete können da nicht helfen.

So geht die Studie davon aus, dass Arten, deren Lebensraum sich erwärmt, in kältere Gebiete abgedrängt werden. Doch nicht alle Arten sind körperlich in der Lage, in andere Gebiete umzusiedeln. Zudem muss auch ein genügend großer Lebensraum vorhanden sein. Aber wo weniger Platz ist, können weniger Arten leben. Ein Beispiel: Seit Jahren steigen die Meeresspiegel, Gletscher und Pole schmelzen. Möglicherweise gibt es in 100 Jahren nur noch im Winter Eis in der Arktis. Wo aber sollen dann Eisbären und Seelöwen leben?

Sehr vorsichtig formuliert

Nach der Studie werden allein in Europa in den nächsten 50 Jahren etwa ein Viertel der Vogelarten aussterben. Opfer der globalen Erwärmung sind außerdem rund 17 Prozent der Pflanzenarten.

Für Wolfgang Cramer vom Potsdamer Institut für Klimaforschung ist das keine große Überraschung, "eher eine Bestätigung auf einer höheren wissenschaftlichen Ebene". Die Ergebnisse der Studie seien realistisch, sogar eher vorsichtig formuliert, sagte er im Gespräch mit DW-WORLD. Es seien Prognosen, die keine Horrorszenarien malen wollen, aber auch nichts schön reden.

Reisfelder im Regenwald

Bedrohte Region: der Regenwald

Was noch hinzukommt: Wie sich die Veränderung der Umwelt auswirke, könne auch eine Studie nicht mit Gewissheit vorhersagen. Zu viele Faktoren spielen zusammen. So ist die Zerstörung von Lebensräumen, beispielsweise durch Rodung der Wälder, nicht berücksichtigt worden. Wäre sie es, dann wären eher noch mehr Arten als in der Studie angegeben bedroht sein, meint Cramer

Auswirkungen auf den Menschen

Wer glaubt, es gehe 'nur' um das Sterben von Tieren und Pflanzen, der täuscht sich. Artensterben hat auch auf die Menchen erhebliche Auswirkungen, warnt Klaus Töpfer, Leiter des UN-Umweltprogramms. Denn die Artenvielfalt spielt ökonomisch eine wichtige Rolle. Vor allem in den Entwicklungsländer, wo eine intakte Flora und Fauna oft Ernährung- und Lebensgrundlage sind.

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