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Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017

Das große Rennen des François Fillon

Überraschend gewann François Fillon die Urabstimmung der Konservativen. Der Ex-Premier galt als wenig aussichtsreich. Wer ist der Mann, der 2017 Frankreichs nächster Präsident werden will?

Der Privatmann François Fillon ist ein leidenschaftlicher Motorsport-Fan. In seiner Heimatstadt Le Mans, berühmt für das 24-Stunden-Rennen, fährt er schon mal selbst in einem PS-starken Auto seine Runden. Politisch war er bislang noch nicht auf der Überholspur.

Denn François Fillon spielte lange Zeit die Rolle des Politikers zweiter Reihe. Fleißig, loyal, aber nicht ganz vorne im Rampenlicht. Fillons Karriere hätte die eines gescheiterten Thronfolgers sein können. Doch bei der ersten Runde der Vorwahlen am 20. November in Frankreichs bürgerlich-konservativem Lager zog Fillon überraschend an den vermeintlichen Favoriten Alain Juppé und Nicolas Sarkozy vorbei. Nun hat Fillon plötzlich sogar Chancen, bei der Stichwahl am kommenden Sonntag gegen Juppé auf dem Siegertreppchen ganz oben zu stehen.

Der 62-jährige Berufspolitiker könnte diesmal also endlich in den Elysée-Palast einziehen. Wer ist der Mann, der zwar schon lange zum Spitzenpersonal der französischen Politik gehört, mit dem aber keiner ernsthaft gerechnet hat?

Frankreichs Ex-Premier François Fillon (Foto: Getty Images/AFP/T. Samson)

François Fillon nach seinem Überraschungserfolg bei der ersten Vorwahlrunde der Konservativen

Seriös statt skandalumwittert

"François Fillon steht für absolute Seriosität", sagt der Politikwissenschaftler Dominik Grillmayer vom Deutsch-Französischen Institut Ludwigsburg der DW. Bei öffentlichen Auftritten wirke er "bedacht, bescheiden und souverän". Fillon hat fünf Jahre - von 2007 bis 2012 - unter Staatspräsident Nicolas Sarkozy als Premierminister gearbeitet ohne dabei negativ aufzufallen. Fillon ist damit der erste Premier Frankreichs, dem es gelungen ist, eine ganze Amtszeit unter einem Präsidenten im Amt zu bleiben. Zuvor war Fillon zuerst Sozial-, dann Bildungsminister.

"Kontinuität und Seriosität  - das zeichnet Fillon aus", fasst Grillmayer zusammen. Innerhalb der Politelite gilt er als Saubermann. Da ist zwar die Geschichte von einer Luxusreise auf dem Nil 2010, zu der ihn der damalige ägyptische Machthaber Husni Mubarak eingeladen hatte - doch im Vergleich zu seinem Kontrahenten Alain Juppé, der wegen illegaler Parteienfinanzierung verurteilt wurde, erscheint das einigen Beobachtern eher wie eine Randnotiz.

Wertkonservativer Katholik

Fillon, der im nordwestfranzösischen Le Mans geboren wurde, vertritt klassische katholische Werte. Der studierte Jurist gilt als durch und durch wertkonservativ. Die "Mariage pour tous", die Homo-Ehe, und auch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare lehnt er ab. Er selbst ist seit 36 Jahren verheiratet und hat mit seiner Frau fünf Kinder. Sie bewohnen ein Schloss aus dem 12. Jahrhundert im südwestlichen Departement Sarthe. 

Frankreichs Ex-Premier François Fillon mit Frau (Foto: Getty Images/AFP/E. Feferberg)

Konservativ und katholisch: Das Ehepaar Fillon

Fillon vertritt einen rechten, islamkritischen Kurs. Erst im Herbst erschien sein Buch über den "radikalen Islam". Fillon möchte Moscheen strenger kontrollieren und Menschen, die Kontakt zu Organisationen wie der Terrormiliz "Islamischer Staat" hatten, verhaften lassen. Zudem soll Ausländern der Zugang zu Sozial- und Gesundheitssystemen erschwert werden. Auch fordert Fillon eine Obergrenze für Migranten.

Wirtschaftsliberaler Hardliner

Fillons Programm steht auch für harten Wirtschaftsliberalismus. Er bewundert die einstige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Der Ex-Premier will die Staatsausgaben um 100 Milliarden Euro kürzen und dazu 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen. Auch vor "heiligen Kühen" Frankreichs macht er nicht halt: So will Fillon die seit Jahrzehnten geltende 35-Stunden-Woche abschaffen und das Rentenalter anheben. Gleichzeitig will er Steuern und Abgaben für Unternehmen deutlich senken, um Frankreich wieder wettbewerbsfähiger zu machen.

Problemlöser oder Gesellschafts-Spalter?

Fillon gibt sich als Problemlöser, sagt Frankreich-Experte Grillmayer. Einer, der die Grande Nation wieder in die Spur bringen will. Doch mit seinem umstrittenen wirtschaftsliberalen Kurs lehne er sich "sehr weit aus dem Fenster", so Grillmayer. Nicht nur die Linken, auch das eigene Lager werfen ihm vor, die Gesellschaft weiter zu spalten.

Denn Fillon ist mit einem radikalen Programm angetreten. Seine Forderungen ähneln an vielen Stellen denen der Rechtspopulisten. Es ist der Versuch, abtrünnige konservative Wähler vom Front National zurückzugewinnen. Anders als bei Nicolas Sarkozy, bescheinigen die Wähler Fillon dabei jedoch mehr Glaubwürdigkeit.

Frankreichs Ex-Premier François Fillon (Foto: Getty Images/AFP/N. Mollo )

Will endlich ganz an die Spitze der Grande Nation: Ex-Premier François Fillon

"Man nimmt ihm ab, dass er aus tiefster Überzeugung heraus diese Maßnahmen umsetzen will - und nicht nur wahltaktisch handelt", schätzt Grillmayer. Fillon sei keiner, der seine Fahne in den Wind halte. Seine Überzeugungen sind seit Jahren bekannt. Mit dem Wertekanon aus katholisch, konservativ und kapitalistisch tingelt Fillon schon lange durch die Lande.

Seine Präsidentschaftskandidatur habe Fillon "masterstabsmäßig geplant", sagt Grillmayer. Weil er als seriös und verlässlich gelte, sehen viele Franzosen in ihm jemanden, der in der Lage sei, die "Würde des Präsidentenamtes" zu verkörpern. Ob Fillon am 27. November tatsächlich an seinem Mitstarter Juppé vorbeizieht und auch eine Marine Le Pen abhängen kann, ist nicht vorhersagbar. Das Rennen um die Präsidentschaft ist noch nicht gewonnen.