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Politik

Das große Geschäft mit der Erziehung

Wer das Geld hat, hat die Qual der Wahl bei der Erziehung seines Nachwuchses: Über 60 internationale Privatschulen feilschen um jeden Schüler. Denn Erziehung ist ein großes Geschäft in Bangkok.

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Inmitten blühender Landschaften geben sich die jungen Auserwählten Tennisturnieren hin, um sich für den nächsten Wettkampf in Singapur fit zu machen. Nebenan toben die Jüngsten im tropisch angehauchten Schwimmbecken. Eine internationale Schule in Bangkok zu besuchen, das macht den meisten Schülern nicht nur der klug ausgedachten Nachmittagsaktivitäten wegen Spaß. Der Lehrplan ist immer hart, die Tage lang, doch es winken Ausflüge nach Hongkong und Sydney, im Winter düsen Oberstufler auch schon mal in die Schweiz zum Skifahren. Kindergärten leisten es sich, Kunstgalerien anzumieten, um die bunten Bilder des Nachwuchses stilvoll den Eltern zu präsentieren.

Nicht gerade billig

Solche Aktivitäten sind nicht billig. Bis zu 15.000 Euro lassen sich die Eltern pro Schuljahr aus der Tasche ziehen, unter 2000 Euro ist da nichts zu machen. Viele Ausländer mit Kindern handeln daher auch schon vorab mit ihren Arbeitgebern aus, ob die Schulkosten im Leistungspaket enthalten sind. Für reiche Thailänder ist es eine Selbstverständlichkeit, ihren Nachwuchs in internationalen Schulen auszubilden, denn der muss sich auf das Auslandsstudium vorbereiten.

Für Normalverbraucher dagegen bleiben diese Schulen unerreichbar. In tristen Vororten und in Tempeln erlernen Mittelschicht-Kinder alles durch eine veraltete Methode: das Auswendiglernen. Tagtäglich schallen aus den unklimatisierten Betonklötzen Daten, Verben und Namen. Unmotivierte und talentlose Lehrer schaffen es nicht, den Kindern das Einzige beizubringen, womit sie eine Chance auf ein Auslandsstudium hätten: die englische Sprache.

Qual der Reichen

Die einzige Qual der Reichen und Ausländer ist, sich für eine bestimmte Erziehung entscheiden zu müssen – soll der Junior einem amerikanischen oder einem britischen Lehrplan folgen? Selbst Auslandsdeutsche müssen nicht bangen – eine Schweizer Schule unterrichtet auch auf deutsch. Über 60 internationale Schulen und Kindergärten feilschen um jeden Schüler. Der Markt wird jährlich von neuen Instituten angegriffen, die etwas von den vielen Millionen abbekommen wollen, die für Erziehung ausgegeben werden. Viele, die eine Bildungsstätte eröffnen, haben es auf dieses Geld abgesehen. Vorstandssitzungen gleichen hier denen in der Industrie- und Geschäftswelt. Nur die Schüler profitieren bei einer nicht gut besuchten Schule: sie werden in Kleinstklassen von 5, 6 Mitschülern unterrichtet.

Die meisten Schulen umwerben die Eltern mit gut ausgebildeten Lehrern, umfangreichen Freizeit- und Sportaktivitäten und der Quasi-Garantie auf einen späteren Platz in einer amerikanischen Eliteuniversität. Da müssen sich Marktneulinge etwas Besonderes einfallen lassen, um sich behaupten zu können. Manche bieten den Eltern an, die Schulgebühren in Raten abzuzahlen, andere richten zwei oder drei Schwimmbecken ein, wieder andere bereiten ihre Schüler gezielt auf ein Medizin- oder ein Jurastudium vor. Eine Schule bietet sogar eine kostenlose Probewoche samt Mittagessen und Schulheften an.

Seltsame Methoden

Solche Methoden werden von anderen Schulen belächelt oder gar kritisiert. Aber diese Marketingideen sind immer noch besser als die Methoden, mit welchen die alteingesessenen Eliteschulen der Stadt ihre von den Eltern hart umkämpften Plätze darbieten. Jedes Jahr Ende August, wenn das neue internationale Schuljahr beginnt, stöhnen allerorten die reichen Eltern Bangkoks. Sie werden gezwungen, den Schulen Minivans zu spendieren oder einfach mal einen Batzen Geld der Bibliothek zukommen zu lassen. Ob illegal oder nicht, das ist den Bildungsstätten egal. Kinder, deren Eltern zu laut über solche Erpressungen meckern, werden einfach hinausgeworfen – der nächste Schüler wartet schon.