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Geschichte

Das größte Technikmuseum der Welt

So viele Meisterwerke der Technik gibt es sonst nirgendwo. Das Deutsche Museum in München ist riesengroß, ein Publikumsmagnet und vermittelt Wissen auf unterhaltsame Art. Die Zeit vergeht dort wie im Flug.

Der Blick auf das Deutsche Museum auf der Münchener Museumsinsel (Foto: Deutsches Museum)

Der Blick auf das Deutsche Museum auf der Münchener Museumsinsel

Ein Geschiebe und Gedränge wie auf dem Bahnhof und annähernd so laut: Horden von Schulklassen, dazwischen Familien, rüstige Rentner. Rein rechnerisch müssten auch heute wieder rund 4000 Besucher hier sein, denn pro Jahr kommen zwischen einer und anderthalb Millionen Menschen. Geöffnet ist das Museum jeden Tag. Ich stehe in der Eingangshalle und suche mir einen Platz, wo ich nicht angerempelt werde – ein schwieriges Unterfangen.

Doch schon im nächsten Saal ist der Tumult vorbei. Das Museum ist so riesig, dass sich der Andrang schnell verläuft. Ich treffe Peter Thum. Er arbeitet seit 2006 im Deutschen Museum und ist Experte in Sachen Mobilität. "Das ist die Messerschmidt Me 262, das erste serienmäßige Düsenflugzeug der Welt", erzählt Thum. Ich lerne, der Jagdbomber kam ab 1944 in Görings Luftwaffe zum Einsatz und wurde von den Nationalsozialisten als eine jener "Wunderwaffen" propagiert, die Hitler den sogenannten "Endsieg" bringen sollten. Das kam bekanntermaßen anders, doch ingenieurtechnisch hat sich der Ruf der Me 262 als eines der fortschrittlichsten Flugzeuge der damaligen Zeit gehalten. "Die Me262 fliegt 870 Stundenkilometer in der Spitze, also in etwa das, was heute eine Verkehrsmaschine fliegt."

Die Messerschmidt Me 262 und das Kraftei (Foto: DW)

Die Messerschmitt Me 262 und das Kraftei

Die segelnde Rakete

Und was ist das Ding, das über der Me 262 von der Decke schwebt? "Das ist das Kraftei, auch ein Jagdflugzeug", hilft Peter Thum weiter. "Eigentlich heißt sie Messerschmidt Me163. Sie fliegt mit Raketenantrieb, allerdings ist die Rakete waagerecht eingebaut, so dass das Kraftei vorwärts fliegt. Dadurch ist die Beschleunigung größer und die Geschwindigkeit höher, nämlich gut 1000 Stundenkilometer." Gedacht war das Kraftei, um feindliche Jagdflieger abzufangen. "Das Problem war: Der Treibstoff reicht gerade mal für neun Minuten Flugzeit. Dann ist die Rakete aus, und das Kraftei wird zum Segelflugzeug", meint Thum verschmitzt.

Bis zu einer Million Volt: Zuckende Blitze in der Starkstromanlage (Foto: DW)

Bis zu einer Million Volt: Zuckende Blitze in der Starkstromanlage

Mein nächster Gesprächspartner ist Bernhard Weidemann, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Museum. Wir gehen zur beliebtesten aller Vorführungen im Deutschen Museum, von denen es wirklich eine Menge gibt: die Starkstromführung. "Aber es wird sehr laut", warnt er mich. Der runde Saal ist beinah stockduster, bis auf die fast schon dramatisch in Szene gesetzten Apparaturen in der Mitte, die Besucher drängen sich dicht an dicht an der Absperrung.

Männer, die gerne in Käfigen sitzen

Macht einen entspannten Eindruck: Ein Mitarbeiter des Museums sitzt im Faradayschen Käfig

Ein Mitarbeiter hockt im Faradayschen Käfig

"Personen mit Herzschrittmachern nehmen bitte nur auf eigene Gefahr an der Vorführung teil", mahnt der Mitarbeiter, der die Experimente vorführt. Das erste zeigt den sogenannten elektrischen "Überschlag". Zwei Metallstäbe stehen 80 Zentimeter entfernt voneinander. Sie werden unter Strom gesetzt: 280.000 Volt. In wilden Blitzen entlädt sich die Elektrizität durch die Luft, zaubert bizarre Zacken ins Dunkel, mit einer Lautstärke, dass mir die Ohren schmerzen.

Ich fühle mich wie im Zirkus, als ein Mitarbeiter des Museums in eine Kugel aus Drahtgitter steigt und auf drei Meter Höhe entschwebt. Nun werden 220.000 Volt durch den Käfig gejagt, oder besser über den Käfig hinweg. Laut zuckende Blitze rasen über die Oberfläche des Faradayschen Käfigs. "Bei Gewitter ist der Käfig der sicherste Ort im ganzen Museum", witzelt Weidemann. "Das ist wie beim Auto, da sind Sie auch vor Blitzeinschlag sicher."

Audio anhören 00:45

Ein akustischer Eindruck aus der Starkstromvorführung

Der Innenraum des Käfigs ist durch die Hülle aus leitfähigem Material vor äußeren elektrischen Feldern und elektromagnetischen Wellen abgeschirmt. Bernhard Weidemann würde auch gerne mal in den Käfig steigen. "Das einzig Unangenehme da oben ist, dass es so schaukelt", meint er. Für mich wäre das keine Option.

Luft nach oben

Bernd Weidemann erzählt, das Deutsche Museum sei mit seinen rund 25.000 ausgestellten Objekten das weltweit größte Technikmuseum. Im Magazin schlummern sogar noch vier Mal mehr Exponate. Die Ausstellungen decken eine breite Themenpalette von Atomphysik bis zur menschlichen Zelle ab. Die ältesten Objekte stammen aus der Steinzeit, die jüngsten sind Technik von morgen.

Blick ins Zellinnere: Das Molekül ATP ist der Energielieferant für Zellen schlechthin (Foto: Deutsches Museum )

Molekülmodell: Blick ins Zellinnere

"Unser Anspruch lautet: Erlebe die Antwort auf alltägliche Fragen, die mit Naturwissenschaft und Technik zu tun haben. Wie haben sie unseren Alltag verändert, welchen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt haben sie gebracht", erläutert Weidemann. "Wie kann es sein, dass ich den Schrank mit Langspielplatten, die dann durch silberne Scheiben ersetzt wurden, dass ich all das jetzt plötzlich in meiner Hosentasche mit mir herumtragen kann?" Aufklärungsarbeit und Wissensvermittlung für breite Bevölkerungsschichten, das ist der Ansatz des Deutschen Museums.

Allerdings wird das Haus dem nicht immer gerecht, wie ich finde. Insbesondere in Sälen mit Exponaten aus alten Zeiten fehlt das, was die Museumspädagogen heutzutage "Kontextualisierung" nennen. Es fehlt die Einordnung der Exponate in einen größeren Zusammenhang. Mitunter finden sich die Texte zu den Objekten nur auf Deutsch. Weidemann wirbt um Verständnis: "Wir sind gerade dabei, das ganze Haus zu sanieren, zum ersten Mal seit unserer Eröffnung 1925. Einige Ausstellungen sind in die Jahre gekommen, doch jede Ausstellung, die neu eröffnet wird, ist in Deutsch und Englisch."

Die unterirdische Welt des Museums

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Höllenlärm im nachgebildeten Bergwerk

Als letzten Programmpunkt des Tages nehme ich an der Bergbauführung teil. Im Keller des Deutschen Museums sind auf einer Gesamtlänge von mehr als 400 Metern Gänge und Schächte nachgebaut. Dort erzählt Rudolf Breitsameter dem zehnjährigen Paul, seiner Mutter und mir die Geschichte des Bergbaus von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Breitsameter führt uns in einen nachgebauten Stollen und ist plötzlich verschwunden. Ein altertümlich aussehendes Förderband beginnt zu ruckeln und zu zuckeln, Breitsameter taucht wieder auf und ein infernalisches Stampfen bricht los. Entsetzt halte ich mir die Ohren zu. Nun verstehe ich, dass der Bergbau nicht nur kräftezehrend, krankmachend und heiß, sondern auch ohrenbetäubend war. Ich bin froh, als Rudolf Breitsameter die Maschine endlich abstellt. Eine Stunde führt er uns durch seine unterirdische Welt. Als wir wieder ans Tageslicht zurückkehren stelle ich fest: Ich habe einen ganzen Tag im Museum verbracht und längst nicht alles gesehen.

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