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Afrika

Das Gesicht der libyschen Revolution

Er ist das Gesicht der libyschen Revolution und der Chef des nationalen Übergangsrates: Mustafa Dschalil. Zuvor war er Minister unter Diktator Gaddafi. Wer ist der Mann, der das Land in eine neue Zukunft führen könnte?

Der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, am 19.04.2011 bei einer Pressekonferenz im italienischen Außenministerium in Rom (Foto: dpa)

Hoffnungsträger in Libyen: Mustafa Abdul Dschalil

Jahrelang ist der studierte Jurist Mustafa Mohammed Abdul Dschalil außerhalb Libyens ein weitgehend unbekannter Mann. Er arbeitet als Staatsanwalt und Richter in Tripolis, bevor er für fast vier Jahre Muammar al Gaddafis Justizminister wird. Aber in seiner Amtszeit von 2007 bis Anfang 2011 macht er sich nicht als treuer Erfüllungsgehilfe des Diktators einen Namen, sondern als Mann mit eigenen politischen Vorstellungen. Als Vorsitzender des Nationalen Übergangsrates könnte er nun die zentrale politische Figur im zukünftigen Libyen werden.

Couragiertes Verhalten

2009 antwortet der 59-Jährige auf die Frage, ob in Abu Salim - einem gefürchteten Hochsicherheitsgefängnis bei Tripolis - tatsächlich mehr als 300 Häftlinge ohne jegliche rechtmäßige Grundlage einsäßen, mit "Ja". Stärker hätte er seine Distanz zu Muammar al Gaddafi und dessen Missachtung von Menschenrechten kaum zum Ausdruck bringen können. Ein Jahr später prangert er erneut die Zustände im Gefängnis von Abu Salim an: Die Gefangenen säßen grundlos ein und müssten deshalb unverzüglich freigelassen werden. Aber der Staatsapparat hindere ihn daran, räumt er in der vom Fernsehen übertragenen Rede bei der Jahrestagung des Parlaments 2010 ein. Er werde deshalb - so Mustafa Dschalil weiter - unverzüglich von seinem Ministeramt zurücktreten.

Portrait von Muammar al Gaddafi mit Sonnenbrille (Foto: dapd)

Exzentrisch und unberechenbar: Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi

"Unabhängiger Geist"

Gaddafi lehnt sein Rücktrittsgesuch allerdings ab, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hingegen lobt ihn. Fortan genießt Dschalil den Ruf eines "unabhängigen Geistes in der Regierung". Dennoch bleibt der Mann mit dem dünnen grauen Bart im Hintergrund, sucht nicht den offenen Konflikt mit dem Machthaber.

Seine große Stunde schlägt erst Mitte Februar 2011, als in der Rebellenhochburg Bengasi von Regierungstruppen auf friedliche Demonstranten geschossen wird. Mustafa Dschalil nimmt diesen Vorfall zum Anlass, die Regierung zu verlassen, sich den Aufständischen anzuschließen und den Nationalen Übergangsrat zu gründen.

Angst vor Gaddafi

Während der Kämpfe mit den Regierungstruppen warnt er vor der Rücksichtslosigkeit des libyschen Diktators: "In seinen letzten Augenblicken ist er zu allem bereit. Er kann Tripolis in Brand setzen, er kann Autos zu Sprengfallen machen, er kann seine Gasarsenale öffnen. Wir rechnen mit allem und wir sind darauf vorbereitet."

Mustafa Abdul Dschalil bei einer Pressekonferenz am 22.08.2011 (Foto: dpa)

Er will den Diktator Muammar al Gaddafi ablösen und der neue Chef einer Regierung werden, die vom Volk legitimiert worden ist: Mustafa Abdul Dschalil

Aber Mustafa Dschalil kümmert sich nicht nur um die Belange der libyschen Rebellen. Soweit es ihm möglich ist, vertritt er die Anliegen der Opposition auch in der Welt. Als im März 2011 über die Einrichtung einer Flugverbotszone diskutiert wird, fordert Mustafa Dschalil die internationale Gemeinschaft auf, den libyschen Rebellen auf diese Weise militärisch zu helfen. In den folgenden Wochen und Monaten fungiert er als diplomatisches Aushängeschild der Oppositionsbewegung. Vorläufiger Höhepunkt ist eine Einladung des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der ihn im Elysee-Palast empfängt und dadurch den Nationalen Übergangsrat als legitime Vertretung des libyschen Volkes ebenso anerkennt wie ihn als den Vorsitzenden dieses Provisoriums.

Fairer Prozess für Gaddafi

Nach dem Einmarsch der Rebellen in Tripolis bemüht sich Mustafa Dschalil darum, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und nach dem Sturz Gaddafis rechtsstaatliche Prinzipien walten zu lassen: "Wir hoffen, dass wir Gaddafi lebend gefangen nehmen, damit wir diesem Tyrannen unter den Augen der Welt den Prozess machen können", sagt er am 22. August 2011. Seine Anhänger warnt er wenig später, sie sollten keine Rache an den Anhängern Gaddafis nehmen. Um dieser Mahnung Nachdruck zu verleihen, droht er im Fall des Zuwiderhandelns mit seinem Rücktritt.

Autor: Matthias von Hellfeld (afp/dpa)
Redaktion: Claudia Hennen