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Kultur

Das Geschäft mit korrekten Klamotten

Biomode erobert die Kleiderschränke in Deutschland - ökologisch produziert und stylisch. Konventionelle Unternehmen mischen da gerne mit. Allerdings nicht immer korrekt.

LaissezFair T-Shirts für Kinder (Foto: Patrick Essex)

Kinder-Shirts von LaissezFair

Der Laden "vielFACH" liegt in einer Seitenstraße in Köln-Nippes. Vor der Tür steht ein Kleiderständer mit bunten Klamotten aus der ganzen Welt. Drinnen herrscht eine heimische Atmosphäre, Flaschen mit Biolimonade stehen neben Gebäck auf einem Tisch. Kleine Holzkisten sind als Regalkonstrukt fest an den Wänden installiert, als Fächer für verschiedene Designartikel: Taschen aus Fischfuttersäcken aus Kambodscha, Recyclingschmuck von den Philippinen und T-Shirts von einem Modelabel aus Köln, das "LaissezFair" heißt. Ein Wortspiel aus dem Französischen. "LaissezFair" meint hier nicht: einfach laufen lassen, entspannt sein. Die Betonung liegt auf dem "Fair" im Namen. "LaissezFair" ist ein Modelabel, das auf Gerechtigkeit beruht.

Gut aussehen und ein gutes Gewissen haben

Inga Felter und Stefanie Uhl (Foto: Patrick Essex)

Design mit Bewusstsein: Inga Felter (links) und Stefanie Uhl

Gegründet wurde das Label von Stefanie Uhl und Inga Felter, beide Mitte 30 und hauptberuflich Pädagoginnen. Mit ihrem Modelabel "LaissezFair" haben sie sich auf T-Shirts spezialisiert, die sie mit einem individuellen Design bedrucken. Ihre Shirts kosten zwischen 20 und 30 Euro, sind fair gehandelt, ökologisch produziert und chic. Genau die Art von Mode, die bei "vielFACH" verkauft wird. Den Laden haben die beiden vor drei Jahren ebenfalls gegründet, zusammen mit dem Textilproduzenten "Fairkonsumieren". Zeitgeistige Mode, Menschenrechte und Ökologie, das alles möchten sie unter einen Hut bringen.

"Man kauft nicht nur ein T-Shirt, das gut aussieht, sondern eins, in dem man sich gut fühlt. Eins, das man mit gutem Gewissen tragen kann", sagt Inga Felter. Hergestellt werden ihre T-Shirts in Kenia und Nicaragua. Bei der Auswahl der Firmen haben sie darauf geachtet, dass sie nachweislich fairen Handel betreiben und zertifiziert sind. Das bedeutet, die Herstellerfirmen müssen ihren Arbeitern einen Mindestlohn zahlen, Gewerkschaften zulassen, Frauen gleichberechtigt behandeln und Kinderarbeit verbieten.

Pfusch bei der Biobaumwolle

Dieses Zertifikat reicht Stefanie Uhl und Inga Felter aber noch nicht. Irgendwann wollen sie die Produzenten vor Ort besuchen, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass ihre Kooperationspartner unter den versprochenen Umständen arbeiten. Momentan haben sie dafür allerdings neben ihren Hauptjobs als Pädagoginnen und dem Familienleben keine Zeit. Die wenige Freizeit, die sie haben, widmen sie komplett ihrem Modelabel "LaissezFair". Aber es ist immer noch zu wenig, um das Label noch professioneller zu betreiben.

Laden vielFACH (Foto: DW)

Im Laden vielFACH gibt es Kunst- und Designartikel

Es gibt zwar bereits große Unternehmen, die mit Kleidung werben, die aus 100% ökologischer Baumwolle gefertigt sei. Doch was da als Bioprodukt verkauft werde, sei nicht immer Bio, kritisiert Stefanie Uhl. Bevor ein bislang konventionell genutztes Baumwollfeld bereit sei für den Anbau von Bio-Baumwolle, müsse es mindestens fünf Jahre brach liegen. Erst dann sei der Boden nicht mehr durch Insektizide und Dünger belastet. So lange warten die Unternehmen allerdings oft nicht. Sie bauen bereits in der Zwischenphase Baumwolle an. Nach biologischen Kriterien zwar, aber die Pflanzen nehmen noch die im Boden vorhandenen Gifte auf. Trotzdem würden die konventionellen Unternehmen ihre Produkte dann schon "Bio" nennen, so Stefanie Uhl. "Das ist dann die Baumwolle, die C&A, H&M und Co. kaufen und sagen, jawohl, das ist Bio."

Bewusstseinserweiterung statt Trend

Dass dieser kommerzielle Bio-Trend lange halten wird, bezweifelt Christian Heinrici allerdings, Mitgründer des Ladens "vielFACH". Er sieht die konventionelle Vermarktung von Bioprodukten als vorübergehende Modeerscheinung. "Die Konzerne versuchen, sich auf einen sogenannten Trend draufzusetzen. Sie denken, dieser modische Bewusstseinssprung sei ein Trend. Das ist aber nicht so. Es hat etwas mit einer Veränderung zu tun, die von der Basis kommt. Sie versuchen das zu kommerzialisieren, und das wird ihnen nicht gelingen."

Das Projekt "LaissezFair" steckt dagegen noch in den Kinderschuhen. Inga und Stefanie sind nicht auf wirtschaftlichen Erfolg aus. Den beiden Unternehmerinnen geht es in erster Linie um das Umdenken. Sie sehen sich nicht als Weltverbessererinnen, möchten aber, dass Menschen bewusster konsumieren und sich Gedanken darüber machen, woher ihre Kleider kommen und unter welchen Umständen sie hergestellt wurden.

Autorin: Irem Özgökceler

Redaktion: Marlis Schaum