1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Das Geschäft mit der Suche nach Plagiaten

Seit Karl-Theodor zu Guttenberg über seine abgeschriebene Doktorarbeit stolperte, ist Deutschland im Plagiats-Fieber. Wer findet die nächste abgeschriebene Textstelle? Die Plagiatsuche wird zum Geschäft.

Martin Heidingsfelder ist Deutschlands bekanntester Plagiatsjäger - und einer der wenigen, die Geld damit verdienen, Doktorarbeiten auf abgeschriebene Textstellen zu untersuchen. Bei etwa 30 Euro fängt sein Service an. Bei umfangreichen Arbeiten gehe der Preis in den drei- und vierstelligen Bereich, erzählt er im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Teuer wird es, wenn man tatsächlich etwas findet." Denn dann erst fange die tatsächliche Dokumentation der Regelverstöße an.

Martin Heidingsfelder (Foto: picture-alliance/dpa)

Lebt von der Suche nach Plagiaten: Martin Heidingsfelder

Im März 2011 gründete Heidingsfelder das Internetportal VroniPlag Wiki, in dem Freiwillige Doktorarbeiten auf Plagiate untersuchen. Nach einem Streit mit den anderen Nutzern machte sich Heidingsfelder selbständig. Während die Leute bei VroniPlag Wiki ehrenamtlich arbeiten, verdient er nun Geld damit, Plagiate aufzudecken. Seit einem Jahr, sagt Heidingsfelder, könne er sogar davon leben.

Auftraggeber und ihre Motive bleiben geheim

Gekränkte Ex-Partner, aber auch Universitäten hätten sich schon an ihn gerichtet, erzählt Heidingsfelder. Beides seien aber Einzelfälle. Woher also der Großteil seiner Aufträge kommt, das kann oder will er nicht sagen. "Der Kundenkreis ist so heterogen, da lässt sich überhaupt keine Aussage machen", erklärt er. Auch die Motivationen seiner Auftraggeber blieben meist im Dunkeln. Es sei eben ein diskretes Geschäft: "Ich persönlich frage nicht nach."

Heidingsfelder bekommt seine Auftraggeber immerhin zu Gesicht. Auf Internetportalen wie VroniPlag Wiki wird anonym auf verdächtige Doktorarbeiten hingewiesen. Selbst untersuchen würden diese Arbeiten dann die wenigsten, erklärt Gerhard Dannemann, Professor an der Humboldt-Universität in Berlin und selbst bei VroniPlag Wiki aktiv im DW-Interview. Dass gerade das auf individuelle Interessen und persönliche Rachegelüste hindeuten könnte, räumt Dannemann ein. Es sei aber schließlich schwierig, Motivationsforschung bei Einreichern zu betreiben, die man gar nicht kenne.

Fokus liegt nicht auf Politikern

Prof. Dr. Gerhard Dannemann (Foto: gbz HU Berlin)

Prüft Doktorarbeiten ehrenamtlich: Gerhard Dannemann

Die prominenten Plagiats-Fälle sind die von Politikern. "Es gab sicherlich anfangs auch Leute, die aus parteipolitischen Gründen mitgemacht haben und die eben besonders Politiker von bestimmten Parteien outen wollten", sagt Dannemann. Das sei im VroniPlag Wiki inzwischen nicht mehr der Fall. Bei den auf der Website dokumentierten Fällen seien Politiker in der Minderheit. "Die meisten sind Leute, die in der Wissenschaft sind oder welche, die niemand kennt." Die Motive seien letzten Endes egal, darin sind sich Heidingsfelder und Dannemann einig. Im Zentrum stehe die wissenschaftliche Arbeit.

Politiker seien nach dem Fall zu Guttenberg unter Generalverdacht gestellt worden, sagt Uwe Kamenz, Plagiatsforscher aus Münster. Deshalb überprüft er nun in einer Studie zahlreiche Dissertationen von aktuellen und ehemaligen Politikern. "Wenn wir unsere Studie publizieren, wird da wahrscheinlich drin stehen, dass 90 Prozent der Arbeiten völlig in Ordnung sind", sagt er. "Das heißt, wir werden eher positiv kommunizieren und nicht diese Negativfälle suchen."

Neues Berufsfeld Plagiatsjäger?

Uwe Kamenz distanziert sich von denen, die gefundene Plagiate preisgeben: "Wenn wir jemanden gefunden haben, der plagiiert hat, dann werden wir niemals an die Öffentlichkeit gehen", sagt er, "sondern wir werden dann entsprechend den Gutachter oder ähnliche Personen darüber informieren."

Die Kommerzialisierung der Plagiatsuche hält auch Professor Gerhard Dannemann zumindest im Fall der Internetportale für problematisch. Dann bestehe der Hauptzweck dieser Seiten nämlich darin, Geschäfte heranzuschaffen. "Sie haben plötzlich ein Interesse daran, dass sie tatsächlich dokumentieren und viele Fälle möglichst publik machen."

In der Öffentlichkeit steht Heidingsfelder dieser Tage regelmäßig. Ein Interviewtermin jagt den nächsten. Solange der Trubel anhält, ist es gut für sein Geschäft. Von Dauer wird das aber nicht sein, glaubt er. "Ich denke, dass es ein Hype ist, der vorübergehen wird."  Schon jetzt sei es ein eher überschaubarer Markt. Schließlich liege die Entscheidung, ob etwas ein Plagiat sei oder nicht, letztlich bei den Universitäten. "Ich denke, dass der ein oder andere Plagiatssucher eine Festanstellung an einer Universität erhalten wird um dort Dissertationen, die eingereicht werden, im Vorfeld gründlich zu prüfen."

Die Redaktion empfiehlt