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Wissen & Umwelt

Das German Crystal in London

London ist berühmt für ungewöhnliche Gebäude. Nun hat der Münchner Siemens-Konzern die Londoner Skyline um eine weitere architektonische Sensation bereichert.

Es ist eins der energieeffizientesten und umweltfreundlichsten Gebäude der Welt: das "Crystal". Für stolze 37 Millionen Euro wurde das futuristisch anmutende Glasgebäude im Ost-Londoner Stadtteil Newham errichtet und nun durch den Elektro-Giganten Siemens enthüllt. Es beherbergt ein Expertenteam für nachhaltige Stadtentwicklung aus dem Hause Siemens. Die Öffentlichkeit hat ab dem 29. September Zugang zum Crystal.

Futuristische Ausstellung im Crystal (Foto: Crystal)

Futuristische Ausstellung im Crystal

Mit Sonnenstrahlen und Erdwärme erzeugt das Crystal grüne Energie. Es recycelt Regenwasser und wird mit Londons "intelligentem Stromnetz" verbunden. Auf rund 2000 der 6300 Quadratmeter befindet sich eine interaktive Ausstellung zur Zukunft der Städteentwicklung - die weltweit größte Ausstellung dieser Art, betont Siemens. Sie soll zeigen, wie Städte nachhaltig Menschenmassen bewältigen können, denn bereits jetzt lebt etwa die Hälfte aller Menschen in Ballungszentren. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis 2050 sogar sieben von zehn Menschen in Städten wohnen.

Intelligente Städte schaffen

Siemens Vorstandschef Peter Löscher bezeichnete das Crystal als ein Zentrum, in dem Experten des Konzerns in einem globalen Kontext arbeiten, um "intelligente Städte" zu schaffen. Im Kernteam sind Experten aus fünfzehn verschiedenen Ländern vertreten.

Projektmanager Werner Kruckow hofft, dass Bürgermeister, Städteplaner und Infrastrukturexperten aus aller Welt das Crystal besuchen werden, um dort gemeinsam zu diskutieren, wie zukünftige Herausforderungen wie Verkehr, Luftqualität, Wasserversorgung, Energiebeschaffung, Sicherheit und Überbevölkerung gemeistert werden können.

Moderne Architektur des Crystal (Foto: Siemens)

Moderne Architektur

Siemens will vor allem lokale Entscheidungsträger und ihren Nachwuchs ansprechen, wie Richard Forster, Chefredakteur der Publikation "Cities Today" erläutert: "Den Stadtverwaltungen wird wesentlich mehr Einfluss zugestanden. Die Zielgruppe von Siemens sind in erster Linie die Stadtverwaltungen - weniger die nationalen Regierungen," sagt Forster.

Gemischte Reaktionen

Durch das Crystal werden nur etwa fünfzig neue Arbeitsplätze geschaffen. Londons Bürgermeister Boris Johnson hebt allerdings hervor, dass das Gebäude "neues Leben" in den wenig wohlhabenden Osten Londons gebracht hat. Er unterstütze Vorhaben, die der Sanierung der "heruntergekommenen Gegend" dienten.

Die einheimische Bevölkerung ist allerdings noch nicht überzeugt. "Bislang erkennen die Leute hier kaum einen Bezug zu ihrem Leben", sagte Melissa York, eine Reporterin der Zeitung von Newham. "Ich kann nicht beurteilen, ob das Ganze den Menschen hier zugute kommen wird, oder eher der allgemeinen Infrastruktur - was zwei sehr verschiedene Dinge sind."

Im Inneren des Gebäudes (Foto: Siemens)

Im Inneren des Gebäudes

Bei Siemens ist man dagegen überzeugt, dass das Crystal Vorteile für Menschen und Infrastruktur bringen wird. Der Konzern hebt hervor, dass er bereits 18.000 Arbeitsplätze in Großbritannien geschaffen hat. Nun hoffe man, dass die fünfzig neuen Mitarbeiter, wie auch die Mitarbeiter des Konzerns, die hierhin versetzt wurden, einen wichtigen Beitrag dazu leisten werden, die Städte umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten. Dazu bedürfe es allerdings nicht nur neuer Technologie, sondern auch des politischen Willens, findet Gordon Wakeford, der Leiter der Infrastruktur- und Städteabteilung von Siemens in Großbritannien und Westeuropa. "Technik kann vieles leisten, aber Technik alleine vermag auch nicht alles", fügt er hinzu.