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Wissen & Umwelt

Das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa

Sie hat vermutlich das bezauberndste Lächeln der Kunstgeschichte – auch weil es in Wahrheit gar keines ist. Das Geheimnis von Mona Lisas Lächeln ist nun gelöst, glaubt der Psychologe Florian Hutzler.

Der Mund der Mona Lisa (Foto: picture alliance)

Das berühmteste Lächeln der Kunstgeschichte: der Mund der Mona Lisa

"Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa,

dein Lächeln gilt für Ironie.
Ja … warum lacht die Mona Lisa?
Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns – oder wie?"

Das fragte sich schon Kurt Tucholsky (unter seinem Pseudonym Theobald Tiger). Fest steht jedenfalls, dass sie lacht… dachten die meisten bisher. Der Salzburger Psychologe Florian Hutzler hat nun nachgewiesen, dass das Lächeln von Leonardo da Vincis Grazie Wahrnehmungssache ist. Sie lächle nur, wenn der Betrachter ihr in ihre nicht minder geheimnisvollen Augen schaut. DW-WORLD.DE sprach mit Hutzler über einen der größten optischen Tricks der Kunstgeschichte.

Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci im Pariser Louvre (Foto: picture alliance)

Lächelt sie oder lächelt sie nicht? "Ansichtssache", meint der Psychologe Florian Hutzler.

DW-WORLD.DE: Herr Hutzler, Leonardo da Vincis Mona Lisa lässt uns seit Jahrhunderten rätseln: Was ist denn das Geheimnis ihres Lächelns?

Florian Hutzler: Was genau das Geheimnis der Mona Lisa ist, werden wir wahrscheinlich nie ergründen. Aber wir haben zumindest einen kleinen Aspekt aufklären können und das ist wohl ein Trick, den Leonardo beim Malen der Mona Lisa angewandt hat. Durch eine spezielle Maltechnik hat Leonardo da Vinci erreicht, dass in den Mundwinkeln der Mona Lisa ein leichtes Lächeln angedeutet ist. Wenn wir ihr auf die Augen schauen, sehen wir ihr Lächeln dominant.

Sobald wir aber direkt auf den Mund schauen, sehen wir alle Details. Dann hat sie eher einen neutralen Gesichtsausdruck. Wenn wir Mona Lisa auf die Augen schauen, glauben wir an der Peripherie unseres Blickes ein Lächeln wahrzunehmen. Sobald wir versuchen, dieses Lächeln zu verifizieren, verschwindet es. Das ist die Grundannahme der Psychologin Margaret Livingstone, die diese These bereits im Jahr 2000 aufgestellt hat.

Wie haben Sie die These von Margaret Livingstone nachgewiesen?

Wir haben im Labor unsere Blickbewegungskamera eingesetzt, die wir normalerweise in der Leserforschung einsetzen. Mit ihr können wir zu jedem Zeitpunkt feststellen, wo die Versuchsperson auf dem Bildschirm hinschaut. Wir haben den Versuchspersonen Portraits von Gesichtern gezeigt. Wenn die Versuchspersonen auf die Augen geschaut haben, dann hatte das Gesicht einen lächelnden Mund. Sobald die Versuchsperson auf den Mund geschaut hat, haben wir das Lächeln verschwinden lassen und einen neutralen Mund eingeblendet. Diese Veränderungen haben wir während der Augenbewegung durchgeführt, also in einem sehr kurzen Zeitfenster von nur 20 Millisekunden. In diesem Zeitraum sind wir blind und bemerken die Veränderung gar nicht.

Was bedeutet das übertragen auf das Bild der Mona Lisa?

Wenn wir ihr in die Augen schauen, sehen wir ihren Mund nur unscharf. Und dann glauben wir ein Lächeln zu erkennen, das tatsächlich in den graduellen Helligkeitsübergängen der Mundwinkel steckt. Wir glauben also, beim Blick in ihre Augen ein Lächeln erkennen zu können, das bei näherer Betrachtung ihres Mundes gar nicht da ist.

Menschen betrachten die Mona Lisa im Pariser Louvre (Foto: AP)

Faszination Mona Lisa im Pariser Louvre

Hat uns Leonardo da Vinci also mit einem optischen Trick getäuscht?

Ich glaube ja. Wir haben diesen Jahrhunderte alten Trick mit viel Aufwand nun erstmals im Labor nachgewiesen. Mona Lisas Lächeln liegt im Auge des Betrachters.

Haben Sie der Mona Lisa also einen Teil ihres Geheimnisses entrissen?

Wir haben vielleicht aufklären können, was Mona Lisas Lächeln so speziell gemacht hat. Aber ich würde nicht so weit gehen, dass wir ihr ihr Geheimnis entrissen haben. Davon sind wir noch weit entfernt. Vielleicht haben wir uns einen kleinen Schritt im Verständnis angenähert.

Prof. Florian Hutzler lehrt an der Universität Salzburg Psychologie.

Das Gespräch führte Joscha Weber

Redaktion: Andreas Ziemons