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Amerika

Das geheime Pentagon-Portal

Wenn Politiker Pressekonferenzen geben, sollte die Presse anwesend sein. Bei einem Termin im Pentagon klappte das nicht so gut. Nicht nur unser Autor Miodrag Soric konnte den Eingang einfach nicht finden.

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Kennen Sie den "River Entrance" vom Pentagon? Auch nicht? Machen Sie sich nichts daraus. Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Dieser Eingang ist so geheim, dass ihn noch nicht einmal die Mitarbeiter des Pentagons selbst kennen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg ausgerechnet vor diesem "River Entrance" eine Presseerklärung abgeben wollte, anlässlich des Antrittsbesuches bei seinem amerikanischen Amtskollegen Robert Gates. Weil eine Presseerklärung ohne Presse wenig Sinn macht, wurden letzte Woche die Korrespondenten in Washington zu diesem besagten Eingang geladen.

Parken in der Umgebung dieses streng geschützten Gebäudes ist nicht ganz einfach. Im Übrigen gehört das Pentagon zu den größten Bauwerken der Menschheit. Deshalb fuhren die meisten Journalisten mit dem Taxi zum "River Entrance". Nein, das ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr sagten alle deutschen Korrespondenten ihren jeweiligen Taxifahrern, dass sie zu diesem Eingang gefahren werden wollten.

Der Eingang ist im Norden

Das tat auch ich. Voller Zuversicht, pünktlich zu dem Pressetermin zu kommen, erreichte mein Taxi den ersten Eingang des Pentagons. Aus einem Wächterhäuschen traten zwei streng dreinblickende Militärs auf den Wagen zu. Nein, der "River Entrance" sei nicht hier, sondern weiter im Norden, sagte einer der Soldaten und zeigte dabei mit dem Arm in besagte Richtung. Ich stieg erneut in den Wagen und sagte, wohin ich wollte. Der Taxifahrer schwörte bei den Alufelgen seiner Reifen, dass vor kurzem noch genau hier der "River Entrance" gewesen sei.

Bei einem zweiten Eingang zum Pentagon tröstete uns die Feldwache, dass der "River Entrance" ganz in der Nähe sei, leider aber nicht hier. Der Taxifahrer ließ sich den Weg genau erklären. Dann fuhren wir wieder los. Am dritten Eingang machte ich den Fehler, auszusteigen, da einige Journalistenkollegen mit den dortigen Wachposten diskutierten und ich mich endlich am Ziel glaubte. Mein Chauffeur nutze die Gelegenheit, um Gas zu geben und schleunigst zu verschwinden. Wie sich heraus stellte, war auch das nicht der "River Entrance".

Was haben die schon zu sagen?

Vielleicht könnte man ihn besser zu Fuß erreichen, meinten die Soldaten: "Auf jeden Fall dürfen wir sie hier nicht rein lassen." Einige Reporter machten sich auf den Weg zum nächsten Eingang, immer in der Hoffnung, unseren Verteidigungsminister irgendwo zu Gesicht zu bekommen. Andere telefonierten mit der Pressestelle des Pentagon oder der Deutschen Botschaft. Der Rat, den man ihnen gab, war immer der gleiche: "Kommen Sie doch einfach zum 'River Entrance'".

Die ersten Journalisten gaben auf: "Was sagen diese Politiker schon Besonderes?", fragte einer. Andere spekulierten über die Formulierungen, die die Verteidigungsminister bei der Pressekonferenz gewählt haben könnten: "Konstruktive und in der Sache inhaltsreiche Gespräche, die uns in der Sache ein Stück vorwärts gebracht haben". Ein anderer Kollege fuhr fort: "Der Korruption muss Einhalt geboten werden". Jemand rief dazwischen: "Ein neues Kapitel ist aufgeschlagen worden". So verging die Zeit und der größte Teil der deutschen Journalisten hat es nicht geschafft, zur Pressekonferenz zu kommen. Bleibt die Hoffnung, dass das Pentagon den Kampf gegen den internationalen Terrorismus besser organisiert als seine Pressearbeit.

Autor: Miodrag Soric

Redaktion: Manfred Götzke