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Kultur

Das gefährliche Viren-Theater

Die weltweit in Forschungslaboren eingegangenen Proben von tödlichen Grippe-Viren sind offenbar doch nicht versehentlich verschickt worden - sondern aus Informationsmangel. Was allerdings auch nicht mehr beruhigt.

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Wie sicher sind die Labore wirklich?

Die hoch gefährlichen Grippeviren, die ein US-Institut an tausende Labore weltweit versandt hatte, sind nur durch
Zufall entdeckt worden. Sie steckten in einem Virentest. Wie die "New York Times" am Donnerstag (14.4.05) berichtete, wurde in einem Labor in Kanada im März 2005 die Testprobe einer Frau versehentlich durch die im Testkit steckenden Viren vom Subtyp H2N2 verseucht.

Dieser Subtyp hatte 1957 die Asiatische Grippe ausgelöst.

Ein zweites kanadisches Labor, das die Probe routinemäßig gegentestete, habe dann Kontakt zur Frau aufgenommen und schließlich festgestellt, dass sie nicht mit dem Virus infiziert war. Daraufhin habe das Labor Alarm geschlagen.

Immerhin nur 4000

Die amerikanische Behörde zur Seuchenbekämpfung (CDC) stellte unterdessen klar, dass rund 4000 Labore Testkits mit dem Virus erhalten hätten. In US-Medienberichten war zuvor von mehr als 6000 die Rede gewesen. Das sei falsch, sagte eine CDC-Sprecherin auf Anfrage.

Meridian Bioscience, von hier werden Grippeviren verschickt

Jack Kräutler, Präsident der Meridian Bioscience Inc.

Die Testkits waren seit Herbst 2000 vergangenen Jahres im Zuge einer von der US-Akademie für Pathologie (College of American Pathologists) gestarteten Labor-Qualitätskontrolle verschickt worden. Sie stammten aus dem Labor der privaten amerikanischen Gesellschaft Meridian Bioscience.

Die Akademie habe das Unternehmen ersucht, ein Grippevirus vom Typ A auszuwählen, ohne einen bestimmten Subtyp zu nennen, zitierte die "New York Times" den College-Sprecher Jared Schwartz. Er sagte der Zeitung zufolge weiter, Meridian habe dann die US-Regelungen für die Versendung von Viren eingesehen. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Subtyp H2N2 als Erreger der Biosicherheitsstufe 2 - die weitniedrigste auf einer Skala von vier - an Labore verschickt werden dürfe. Offensichtlich sei Meridian nicht bekannt gewesen, dass sich die CDC und die Nationale Gesundheitsbehörde der USA genau zu jenem Zeitpunkt mit der Frage einer Anhebung der Sicherheitsstufe für den Subtyp H2N2 auf drei beschäftigten.

Die "Washington Post" zitierte den Sprecher darüber hinaus mit den Worten, Meridian sei davon ausgegangen, dass das Virus "sicher" sei, weil es über zahlreiche Generationen hinweg im Labor gezüchtet worden sei, was häufig zu einer Schwächung führe. "Sie (Meridian) haben gegen keine Bestimmungen verstoßen, aber ihr Urteilsvermögen war
nicht gut", sagte Schwartz weiter. Für die Akademie selbst gelte: "Wenn wir gewusst hätten, dass sich H2N2 in den Testkits befand, hätten wir sie nicht verschicken lassen."

Wichtigste Zahl: 1968

CDC-Direktorin Julie Geberding warnte unterdessen vor öffentlicher Panikmache. Es gebe nur eine "sehr sehr geringe Gefahr der Übertragung" für die Allgemeinheit. An der Asiatischen Grippe waren Ende der 1950er-Jahre weltweit zwischen ein und vier Millionen Menschen gestorben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich zuversichtlich, dass bis Freitag (15.4.2005) sämtliche Proben außerhalb der USA zerstört würden. Die betroffenen Labore in Deutschland, Kanada, Südkorea, Hongkong, Taiwan und Singapur haben die Viren nach eigenen Angaben bereits vernichtet. Japan habe dies ebenfalls angekündigt, sagte Klaus Stohr, leitender Wissenschaftler für Influenza-Überwachung bei der WHO.

Stöhr warnte, dass das Virus insbesondere Menschen infizieren könne, die nach 1968 geboren wurden, da die Viruswelle in dieser Zeit abgeebt sei und die danach geborenen keine oder kaum Abwehrkräfte dagegen hätten. Bisher gebe es jedoch keine Anzeichen für eine Ausbreitung des Erregers. (kas)

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