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Das Format G8 hat sich erledigt

Obwohl es inzwischen die G20 gibt, finden immer noch regelmäßig G8-Treffen statt. Doch sie sind nur noch eine Schauveranstaltung der reichen Nationen. Schluss damit, meint Christoph Hasselbach.

Themenbild Kommentar (Grafik: DW)

Die Kulisse hätte nicht passender ausfallen können: ein elegantes französisches Seebad, das seine besten Jahre um 1900 hatte, Galopprennbahn, kulinarische Genüsse vom Feinsten. So hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy seine Gäste empfangen. Die Atmosphäre hat ein wenig die Frage nach dem Sinn des G8-Treffens beantwortet. Der Sinn bestand vor allem darin, dem Gastgeber eine Bühne vorwiegend für die eigene Innenpolitik zu bieten. Die hat das Ehepaar Sarkozy genutzt. Auch Carla mit ihrem gerundeten Bäuchlein gehörte da unbedingt ins Bild.

Zu klein für die Weltpolitik

Christoph Hasselbach (Foto: DW)

Christoph Hasselbach

Das ist alles hübsch anzuschauen. Aber die G8-Treffen sind von gestern. Die G20, die wichtige Schwellenländer einschließt, hat im Grunde schon die Nachfolge angetreten. Keine große weltpolitische und weltwirtschaftliche Frage, die noch von der exklusiven Achtergruppe gelöst werden kann. Doch die G8 macht unverdrossen parallel zur G20 weiter.

Das, was die G8 beschlossen hat, zum Beispiel Hilfe für Nordafrika und Sicherheitsprüfungen von Kernkraftwerken, hätte sie besser in einem größeren Rahmen gemacht. Das wäre dann relevanter gewesen - oder man beschränkt sich auf einen noch kleineren Rahmen, zum Beispiel auf die EU-Ebene. Aber die G8, das wird inzwischen ganz deutlich, hat eine merkwürdige Zwischengröße, zu klein für die Weltpolitik, aber doch zu unterschiedlich, um sich im kleinen Kreis einigen zu können.

Widersprüchlich und gönnerhaft

Im Zusammenhang mit der Kandidatur von Christine Lagarde für den Chefposten beim IWF hat ihr Landsmann Sarkozy gesagt, die G8 sei nicht das Direktorium der Welt und könne über die Besetzung des Postens nicht entscheiden. Außerdem würde dies dem französischen Streben nach einer multipolaren Welt entgegenlaufen. Wie wahr! Trotzdem wurde fleißig Lobbyarbeit für die Europäerin gemacht, und im Laufe des Deauville-Gipfels hieß es hinter vorgehaltener Hand, im Grunde sei die Personalie Lagarde schon entschieden. Die Schwellenländer müssen sich verhöhnt vorkommen.

Statt andere einzubeziehen wie in der G20 gibt es den "outreach“. Das nennen sogar deutsche Diplomaten so. "Outreach" klingt nach ausgestreckter Hand, und so ist es auch gemeint: Die Reichen lassen gönnerhaft und für kurze Zeit die Vertreter einiger vorbildlicher afrikanischer Staaten an ihren Tisch kommen. Entscheiden dürfen die selbstverständlich nichts. Dafür stand Deauville, das ist die Geste der G8. Das Format hat sich erledigt.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Thomas Grimmer