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Afrika

Das erwartet Afrika von Donald Trump

Am 20. Januar wird Donald Trump als 45. US-Präsident vereidigt. Millionen Menschen weltweit befürchten das Schlimmste, andere hoffen auf Veränderung. Was sagen die Afrikaner? Wir haben im Netz nachgefragt.

Tansania US Wahlen PR Aktion (Getty Images/AFP/D. Hayduk)

PR-Aktion in Tansania zur US-Wahl: Bis Trump persönlich kommt, könnte es noch dauern

In wenigen Tagen zieht Donald Trump ins Weiße Haus ein, und mit ihm seine Unberechenbarkeit. "Amerika zuerst" heißt Trumps großer Plan: Jede Entscheidung soll daran gemessen werden, ob sie den USA nutzt oder nicht. Das gilt auch für die Außenpolitik. Und damit auch für Afrika. Was das aber genau bedeutet, darüber wird viel diskutiert - auch in der DW-Facebook-Gemeinde.

Fikiri Dario Gakala aus Tansania:
"Wir sollten auf alles vorbereitet sein, außer auf Normalität. Immerhin hat er seinen Schwiegersohn zum Berater ernannt."

Rukaiyya Usman Fari Jebuwa aus Nigeria:
"Er wird die ganze Welt überraschen mit seinem Führungsstil, auch Afrika."

Patient Paul Ngoyi aus der Demokratischen Republik Kongo:
"Er wird seine erste Amtszeit damit zubringen, seine Landsleute zu bedrohen, genauso wie Freunde und bestimmte Partner der USA. Das ist ein Präsident, der niemanden zuversichtlich stimmt, schon gar nicht die Nicht-Amerikaner."

Ahishakiye Paul aus Burundi:
"Wenn man Trumps Reden hört, dann weiß man, dass er mit seinem Führungsstil für diplomatische Konflikte sorgen wird."
 

Amerika zuerst, Afrika (viel) später

Eine Afrika-Strategie hat Donald Trump bislang nicht präsentiert, und viele zweifeln daran, dass es sie überhaupt gibt. "Ich glaube nicht, dass Afrika in der Trump-Administration eine hohe Priorität haben wird", sagt Alex Vines, vom Think Tank Chatham House in London. "Aber das bedeutet auch: Wir werden eher Kontinuität erleben statt großer Veränderungen."

Trumps "Amerika zuerst"-Plan könnte auch dazu führen, so die Befürchtungen anderer Experten, dass er den US-Markt abriegelt und bisherige Handelsabkommen mit Afrika aufkündigt. Der im Jahr 2000 geschlossene AfricaGrowth and Opportunity Act (AGOA)zum Beispiel erlaubt Ländern in Subsahara-Afrika bislang, Waren zollfrei in die USA zu exportieren. Fielen solche Handelserleichterungen weg, müssten viele Staaten mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen rechnen. 

"Amerika zuerst" könnte auch das Ende sein von Programmen wie "Power for Africa", das Barack Obama ins Leben gerufen hatte, um mehr Haushalte auf dem Kontinent mit Strom zu versorgen. Auch eine Kürzung der Entwicklungs- und Budgethilfen für ärmere afrikanische Staaten würde die Menschen auf dem Kontinent empfindlich treffen.

"Wir könnten Probleme bekommen"

Issayas Fetene aus Äthiopien:
"Ich erwarte, dass Trump - anders als sein Vorgänger - Beziehungen aufbaut, die auf gegenseitigen Interessen beruhen. Er mischt sich nicht in interne Angelegenheiten eines Landes ein, wenn er dort keine Interessen hat. Vielleicht kündigt er das AGOA-Abkommen zum Teil auf. Seine Politik erinnert an das, was China in Afrika macht."

Athanas Mageleja Yohana aus Tansania:
"Ich denke, es wird sich viel verändern, vor allem wegen der Abhängigkeit unserer Länder. Wir könnten Probleme bekommen."

Malam Chaya aus Niger:
"Er sollte die amerikanischen Soldaten und andere Sicherheitsdienste aus Afrika abziehen. Mehr verlangen wir nicht von ihm."

Afrika-Experte Vines erwartet jedoch nicht, dass die USA ihr militärisches Engagement auf dem Kontinent deutlich zurückfahren - zumindest nicht beim Anti-Terrorkampf. "Das wird eine Priorität bleiben", so Vines. Mit dem Camp Lemonnier in Dschibouti unterhalten die USA einen großen Stützpunkt am Horn von Afrika. Auch in Westafrika hat sich das Land im Kampf gegen Terrorismus und Dschihadisten positioniert; aktuell baut das amerikanische Militär eine große Drohnenbasis in Niger.

Symbolbild Afrika US Wahlen Beziehungen Politik (Getty Images/AFP/G. Goodwin)

Warten auf Obama 2015 in Kenia: Wie wird wohl Trump in Afrika empfangen?

Absage an Afrikas Langzeitherrscher?

Im Wahlkampf hatte Trump verkündet, Simbabwes Langzeitherrscher Robert Mugabe und Ugandas Präsidenten Yoweri Museveni persönlich hinter Gitter zu bringen. Worte, die offenbar nachhallen.

Defever O Martin Wodnam aus Uganda:
"Trump sollte helfen, den Kontinent von Diktatoren zu befreien."

Nasser Ossemane aus Mosambik:
"Ich hoffe, dass er den Diktaturen in Afrika die komplette Finanzhilfe streicht."

Sekou Samake aus Mali:
"Ich erwarte in erster Linie, dass er die diplomatischen Beziehungen zu Russland verbessert, um das Syrien-Problem schnell zu lösen."

Was wird Trump ab dem 20. Januar verändern, was wird er entscheiden, mit wem zusammenarbeiten? "In den Medien wird jetzt ständig über 'Fake News' diskutiert. Dagegen ist auch Afrika nicht immun", sagt Alex Vines von Chatham House. "Es gab zum Beispiel fanatische Gerüchte über den ersten afrikanischen Staatschef, den Trump nach seiner Wahl treffen werde: den Präsidenten von Kongo-Brazaville, Sassou-Nguesso. Das haben Trumps Leute dann aber als komplett falsch zurückgewiesen."

Äthiopien Addis Abeba Obama Rede Afrikanische Union (Getty Images/AFP/S. Loeb)

Visionen für Afrika? Obama bei einer Rede vor der Afrikanischen Union 2015

Überraschungen für Afrika und die Welt

Barack Obama ist nach seinem Wahlsieg 2008 in Afrika gefeiert worden wie ein Popstar: er, der erste schwarze Präsident der USA, der Sohn eines Kenianers, ein Hoffnungsträger für seinen "Heimatkontinent". Doch auch die Erwartungen an seinen Nachfolger sind hoch.

Enock Kangele aus Tansania:
"Trump sollte in Obamas Fußstapfen treten."

Pius Dankala aus Tansania:
"Ich habe keinen Zweifel an Donald Trumps Führung. Ich freue mich auf den 20. Januar, dann wird er die amerikanische Flagge schwenken und Weltgeschichte schreiben."

Welche Rolle Afrika für Trump tatsächlich spielt, wird sich wohl erst lange nach seinem Einzug ins Oval Office offenbaren. "Gerade weil er und die Leute um ihn herum so unberechenbar sind, wird es sicher einige Überraschungen in Subsahara-Afrika geben", sagt Alex Vines. "Aber wohl deutlich weniger, als in anderen Teilen der Welt, für die sich Trump sehr viel stärker interessiert."

Mitarbeit: Friederike Müller-Jung

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