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Kultur

Das Erbe der Welt studieren

Was kommt auf die UNESCO-Welterbeliste und warum? Oft umstrittene Entscheidungen, die Sachverstand erfordern. In Zukunft werden etliche Experten dafür aus Cottbus kommen. Denn dort kann man Welterbe inzwischen studieren.

UNESCO Logo (Foto: APTN)

Wenn das Welterbekomitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation berät, welche Objekte einen außergewöhnlichen universellen Wert als Kulturgut oder Naturgut besitzen, kann es sich auf wissenschaftliche Untersuchungen stützen. Etwa zehn Studiengänge werden weltweit zum Thema Welterbe angeboten. Der erste Studiengang "World Heritage Studies" (WHS) wurde 1999 in Deutschland gegründet. Nicht an einer der großen und renommierten Hochschulen, sondern dort, wo seit einigen Jahren wieder Wölfe heulen, - in der Lausitz, kurz vor der polnischen Grenze. Denn an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus gibt es einen internationalen Studiengang komplett in englischer Sprache über sämtliche Fachbereiche hinweg. Die Idee sei entstanden durch verschiedene Kooperationen, die die BTU mit dem Welterbe-Zentrum in Paris hatte, sagt Professor Marie-Theres Albert, die frühere Leiterin des Masterstudienganges. So sei der Standort Cottbus sehr viel internationaler geworden.

Erstklassige Zusammenarbeit

Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der BTU Cottbus (Foto: pa/dpa)

Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der BTU Cottbus

"Die Zusammenarbeit mit der UNESCO ist erstklassig, wir sind direkt mit dem Welterbe-Zentrum in Paris, der deutschen und anderen nationalen UNESCO-Komissionen verbunden", so die Professorin. Eine Vernetzung bestehe zu allen wichtigen fachlichen und politischen Institutionen, die die Idee Welterbe vorantreiben. Diese wiederum gäben wissenschaftliche Fragestellungen vor, zu denen die Universität Masterarbeiten schreiben lässt. Wissen also, das wiederum der UN-Kulturorganisation zugute kommt, wenn es darum geht, Bewerber zu beurteilen oder anerkannte Kuturerbestätten mit Informationen zu unterstützen.

Die ganze Welt in Cottbus

Als die BTU Cottbus vor zehn Jahren das Weltkulturerbe-Studium einführte, wurde sie noch belächelt. Inzwischen locken World Heritage Studies junge Menschen aus der ganzen Welt nach Cottbus. "Das ist irre und man lernt wirklich am meisten voneinander, - auch dass die eigene Welt nicht die einzige ist", schwärmt Christin aus Chile. Eine chinesische Kommilitonin hat sich gerade mit einem antiken Wasserleitungssystem in ihrer Heimat beschäftigt. Eine Japanerin demonstriert anhand von Videos, wie Häuser in Japan erdbebensicher gebaut werden. Iva kommt aus Kroatien, und ihr Thema ist gerade die historische Wasserversorgung von Dubrovnik. Sie mag vor allem, dass hier jeder Student einen ganz persönlichen Einblick in die kulturellen Schätze des jeweiligen Landes liefert: "Man lernt über die Welt. Die Professoren können das vielleicht nicht so vermitteln. Ich meine, keiner kann einem wirklich die Architekturgeschichte der ganzen Welt erklären. Aber mit der Hilfe der Studenten klappt es."

Interdisziplinär, international und interkulturell

Technische Universität Cottbus Weltkulturerbe Studien (Foto: Screenshot tu-cottbus.de)

Die Homepage der World Heritage Studies (WHS)

Vier Semester lang ist der Weg zum Abschluss, die Studenten haben bereits mindestens einen Bachelor-Abschluss und machen in Cottbus ihren Master. World Heritage Studies ist der Studiengang der drei "I": interdisziplinär, international und interkulturell. So unterschiedlich wie die Nationalitäten der Studierenden sind auch ihre Fachgebiete. Die Kroatin Iva zum Beispiel hat Tourismus studiert. Daneben gibt es Architekten, einige haben einen kulturellen Hintergrund, andere kommen aus dem Bereich Natur. Alle haben überdies den gleichen Anteil an Sozialwissenschaften. Die Dozenten stammen aus sämtlichen Fakultäten der BTU. Professor Jörg Kühn, Direktor und Leiter der World Heritage Studies, schwärmt: "Das ist einer der strahlenden Sterne der BTU. Das kann man ohne Arroganz so sagen."

Gute Berufschancen

Gruppenbild: Prof. Jörg Kühn (3.v.l.) mit seinem Team (Copyright: Jörg Kühn)

Prof. Jörg Kühn (3.v.l.) mit seinem Team

Strahlend sind auch die beruflichen Aussichten der Absolventen, weiß Kühn: "Der Abschluss in WHS ist international anerkannt und garantiert einen guten Job. Das geht von einer Anstellung bei der UNESCO in Paris selbst bis hin zu leitenden Funktionen in Denkmalpflege und Weltkulturerbe in den Heimatländern der Studenten." Er freut sich jedes Mal aufs Neue, wenn er sieht, was seine ehemaligen Studenten heute machen. Vielleicht ist darunter ja auch einer, der dazu beiträgt, dass der deutsche Welterbe-Kandidat, die Oberharzer Wasserwirtschaft, in diesen Tagen zum Weltkulturerbe ernannt wird: Am 3. August jedenfalls wird das Welterbekomitee bekanntgeben, was neu in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wird.

Autoren: Sascha Erler, Klaus Krämer

Redaktion: Aya Bach

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