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Politik

Das Erbe der Roten Khmer

Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung sind die beherrschenden Probleme in Kambodscha. Zu den Parlamentswahlen am Sonntag herrschte ein Klima der Angst. Der Sieger stand schon vorher fest.

CPP-Anhänger, Foto: dpa

Gelenkter Wahlkampf in Kambodscha

Die Angst geht um in Kambodscha. Auch fast 30 Jahre nachdem der brutale Herrscher Pol Pot und seine Schergen aus der Hauptstadt Phnom Penh vertrieben wurden, halten die Erlebnisse während des Terrorregimes der Roten Khmer die Erinnerungen besetzt. Eine Aufarbeitung ihrer Geschichte fällt den Kambodschanern noch sichtlich schwer. Das einstige Foltergefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh - heute ein Museum, in dem auch die Fotos der Opfer zu sehen sind - besuchen fast nur Ausländer. "Es kommen zu wenige Kambodschaner. Sie interessieren sich nicht genug dafür", bedauert Sok Kheany Ly, der dort Führungen organisiert.

Das Archivbild vom 12.12 1979 zeigt den früheren kambodschanischen Diktator und Rebellenführer der Roten Khmer, Pol Pot, Foto: dpa

Das Erbe der Roten Khmer ist in Kambodscha immer noch präsent

Beeinflusst hat dies auch die Parlamentswahlen am Sonntag (27.07.2008). Insgesamt elf Parteien konkurrierten um die Stimmen der rund 8,6 Millionen Wahlberechtigten. Die 15.000 Wahllokale schlossen wie geplant um 15.00 Uhr (10.00 Uhr MESZ), wie der Leiter der Nationalen Wahlkommission mitteilte.

Schon vorher galt als sicher, dass Premierminister Hun Sen und seine "Cambodian People's Party" (CPP) das Land weitere fünf Jahre regieren werden. Die offiziellen Wahlergebnisse werden zwar erst im August erwartet, die CPP erklärte sich jedoch schon nach den ersten Prognosen zum Sieger.

Die Opposition ist schwach und zersplittert. Und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen glauben, dass viele in der Hoffnung auf ein wirtschaftliches Fortkommen die CPP gewählt haben: "Menschenrechte kann man nicht essen", sagt CPP-Wählerin Si Nuon in Pnom Penh. Sie ist überzeugt: "Wenn die Volkspartei etwas verspricht, tut sie es auch."

Die Wirtschaft blüht - für die Minderheit

Tatsächlich blüht die Wirtschaft seit Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum von sechs Prozent jährlich, 2007 waren es sogar neun Prozent. Zu sehen ist das an den zahlreichen Mercedes- und Großraumlimousinen, die heute durch die Hauptstadt kreuzen. Schillernde Shopping Malls schießen aus dem Boden, die staubigen Straßen sind Parks mit akkurat geschnittenen Hecken gewichen. Doch nur eine kleine Oberschicht profitiert davon. Fast 80 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International zählt Kambodscha zu den korruptesten Ländern der Welt.

Ein Soldat der Roten Khmer 1975, Foto: ap

Die Kriegserfahrungen haben Kambodscha traumatisiert

Schon im Vorfeld der Wahl am Sonntag herrsche in Kambodscha ein Klima der Gewalt, kritisieren Menschenrechtsorganisationen. Erst kürzlich wurde ein regierungskritischer Journalist in aller Öffentlichkeit erschossen; die Tat gilt als politisch motiviert. Zudem kontrollieren Regierungsvertraute nahezu alle elektronischen Medien. Die Opposition erhielt darin keine Sendeplätze. Nur die Printmedien berichteten über sie. Bei einer Analphabetenrate von 74 Prozent durchaus ein entscheidender Eingriff.

Klima der Angst

"Wir haben keine Demokratie", urteilt Youk Chhang vom "Dokumentationszentrum von Kambodscha", das sich der Aufarbeitung des Völkermords unter den Roten Khmer widmet. "Zwar haben wir viele Parteien, die die Regierung herausfordern, aber keine echte Opposition", sagt Chhang. "Und damit gibt es für die Menschen auch keine Wahl." Und was Wahlmanipulation nicht schafft, erreichen Einschüchterungsversuche: Die Regierung drohe den Menschen, wenn sie die Opposition wählten, gebe es Verhältnisse wie zu Rote-Khmer-Zeiten, so Neuk Sarin von der Organisation Star Kampuchea: "Die Menschen akzeptieren das Verhalten der Regierung. Sie haben zu schlimme Kriegserfahrungen, sie sind seit Jahrzehnten traumatisiert."

Frau mit Reisschüsseln auf der Straße von Phnom Penh

Die Wirtschafts wächst - doch das Volk hat nichts davon

Unter dem maoistischen Regime der Roten Khmer, das eine geld- und klassenlose Agrargesellschaft schaffen wollte, kamen zwischen 1975 und 1979 bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben. Viele wurden als Verräter gefoltert und ermordet, andere verhungerten. Das Land war Spielball der Machtkämpfe zwischen Ost und West, bürgerkriegsähnliche Zustände ließen es annähernd zwei Jahrzehnte nicht zur Ruhe kommen. Bis heute hat sich die kambodschanische Gesellschaft vom Trauma der Schreckensherrschaft der Roten Khmer noch immer nicht erholt. (ina)

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