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Musik

Das Enescu-Festival in Bukarest setzt Zeichen

Für viele im Land ist das Festival seit langem "das wichtigste Kulturereignis". Mit Symphonie- und Kammerkonzerten sowie Opern- und Ballettinszenierungen findet das Festival bis zum 25. September zum 20. Mal statt.

Logo des Enescu Festivals in Bukarest.

Als das Enescu-Festival 1958 ins Leben gerufen wurde, war der Komponist, Geiger, Pianist und Dirigent George Enescu bereits drei Jahre zuvor im Pariser Exil gestorben. Die Machthaber wollten mit diesem Kulturevent eine Weltoffenheit des kommunistischen Rumäniens vortäuschen - und gleichzeitig dem Ausland beweisen, dass man die Bedeutung Enescus zu würdigen weiß. 

Im ersten Festivaljahr kamen renommierte Künstler nach Bukarest, Persönlichkeiten die Enescu gekannt, geschätzt und die mit ihm musiziert hatten, wie David Oistrach, Yehudi Menuhin und Sir John Barbirolli. Anders als sich die kommunistischen Verantwortlichen gedacht hatten, wurde das Festival, das seit 2001 alle zwei Jahre stattfindet, zu einer Oase der Normalität, "ein Lichtstrahl und Hoffnungsträger in der Dunkelheit, die sich damals über das ganze Land ausbreitete", erinnert sich Ioan Holender, Leiter des Enescu-Festivals und ehemaliger Direktor der Wiener Staatsoper. Holender war im September 1958 als junger Zuschauer dabei und erinnert sich gerne an Bachs Konzert für zwei Violinen mit Oistrach und Menuhin.

In Krisenzeiten in die Kultur investieren

Ioan Holender, Leiter des Enescu Festivals Bukarest, ehemaliger Leiter der Wiener Staatsoper. Foto: Medana Weident

Ioan Holender, Leiter des Enescu Festivals Bukarest

Ioan Holender, schon seit einem Jahrzehnt künstlerischer Leiter des Festivals in Bucharest, ist stolz auf dessen Entwicklung: "Das Enescu-Festival gehört neben Salzburg, Edinburgh und Aix-en-Provence zu den wichtigen Musikfestivals, wobei es kein Theaterfestival ist. Die Vorstellung von Wagners Oper 'Lohengrin' mit besonderen Gästen gehört auch dazu, aber es ist vor allem ein Festival der symphonischen Musik."

Bei der Eröffnung wies Holender auf die Bedeutung des Kulturevents in Zeiten der Krise hin. Ihm schloss sich der Leiter des Rumänischen Kulturinstitutes, Horia Roman Patapievici, an, und zeigte sich zuversichtlich, dass "kluge Menschen und Institutionen in Krisenzeiten in Kultur investieren, weil es die beste Art ist, sich auf den Wiederaufbau nach der Wirtschaftskrise vorzubereiten".

Zu den Highlights im Jubiläumsjahr 2011 gehören Daniel Barenboim am Dirigentenpult der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta mit dem Israel Philharmonic Orchestra, Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker, Murray Perahia mit der Academy of Saint Martin in the Fields, Gidon Kremer und die Kremerata Baltica.

Ein Festival von immer gewichtigerer Bedeutung

George Eescu Festival in Bukarest Peter Ruzicka, der Komponist, der auch als Dirigent bei der Premiere seiner Oper Celan an der Bukarester Oper auftrat. Bild: Medana Weident, Bukarest 2009

Peter Ruzicka bei der Premiere der Oper "Celan" während des Enescu-Festivals 2009

Enescus Musik steht auch diesmal im Fokus des Festivals. Zum ersten Mal werden alle fünf Symphonien aufgeführt. Kompositionen von Peter Ruzicka und Hans Werner Henze stehen ebenfalls auf dem Programm. Beim Enescu-Festival 2009 hatte Ruzicka seine Oper "Celan" dem rumänischen Publikum vorgestellt. Damals zeigte er sich positiv überrascht vom großen Stellenwert der Gegenwartsmusik dort: "Ich höre, dass in den nächsten Jahren die Neue Musik hier eine noch größere Rolle spielen soll. Das ist ein Work in Progress. Ich denke, da darf man davon ausgehen, dass das Enescu-Festival im Range der europäischen größeren Festivals in den nächsten Jahren eine immer gewichtigere Rolle spielen wird."

Der Musikexperte Boris Gruhl ist nun zum zweiten Mal beim Enescu-Festival und berichtet darüber in deutschen Medien: "Jetzt nach den ersten drei Tagen weiß ich, dass ich einen guten Grund hatte, wieder zu kommen, denn ich habe in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr viel erlebt, großartige Konzerte, wie das Eröffnungskonzert. Sehr erfreut war ich über Uraufführungen junger rumänischer Komponisten. Das ist offensichtlich eine sehr interessante und lebendige Szene."

Boris Gruhl, deutscher Journalist aus Dresden. Foto: Medana Weident

Boris Gruhl, deutscher Journalist aus Dresden

Kein Festival der roten Teppiche

Die Euphorie des jungen Publikums, die Atmosphäre des Festivals und die Begeisterung für die Neue Musik in Rumänien, die bislang kaum den Weg nach Deutschland findet, bleiben Gruhl in Erinnerung: "Man hat ein hochkarätiges Programm, hier geben sich ja wirklich im Laufe des Festivals die größten Dirigenten und Solisten die Klinke in die Hand. Dazu noch die großartigen Orchester. Aber es ist kein Festival der roten Teppiche, auf denen sich Prominenz in schicken Kleidern präsentiert, sondern es ist ein Festival für die Menschen, die die Musik, die geboten wird, hören wollen."

Bilder von einer Veranstaltung im Bukarester Athenäum.

Großer Konzertsaal des Bukarester Athenäums

Worin die Originalität der Musik Enescus besteht, erklärt der Musikwissenschaftler Jan Crummenerl, der seit einigen Jahren das Festival mit Interesse verfolgt: "Die Originalität besteht in der Entwicklung, die der Komponist genommen hat. Er ist einen Sonderweg gegangen innerhalb der Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von der rumänischen Folklore, die er anfänglich auch noch wörtlich zitiert, entwickelt er eine Methode, die darauf fußt. Das ist ein origineller Ansatz. In dem Sinne steht er außerhalb der Generalentwicklung, die von Wagner bis in die Moderne geführt hat. Eher steht er auf dem Seitenweg vom späten Liszt ausgehend bis hin zu Messiaen."

Autor: Medana Weident
Redaktion: Marita Berg

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