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Kultur

Das Ende vom Anfang?

Die politischen Gegner des nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo nutzten den "Miss-World"-Wettbewerb konsequent für ihre Sache aus. Ist nun der demokratische Aufbruch in Gefahr? Heinrich Bergstresser analysiert.

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Nigeria: Soldatenpatrouille statt Imagewerbung mit "Miss World"

Es ist eingetreten, was die Regierung unter Präsident Obasanjo unter allen Umständen vermeiden wollte: Das seit einem Jahr groß angekündigte und seit einigen Monaten im Kreuzfeuer muslimischer Kritiker stehende Ereignis "Wahl der Miss World 2002" endet im Desaster. Statt positiver Selbstdarstellung gegenüber der Weltöffentlichkeit droht Nigeria nun eine schwere Staatskrise.

Nackte Haut mitten im Ramadan?

Nach zweitägigen blutigen Krawallen zwischen christlichen und muslimischen Eiferern in der 200 km nördlich gelegenen Großstadt Kaduna schwappten die Unruhen am Samstag (23.11.) auf die Hauptstadt Abuja über. Die Regierung rief Militäreinheiten zur Hilfe, Schüsse fielen, es gab Hunderte Tote und Verletzte. Und ein Ende der Gewalt ist noch nicht abzusehen, die abrupte Absage der Miss-World-Wahl war von daher nur konsequent.

Die muslimischen Hardliner in Nordnigeria haben mitten im Fastenmonat Ramadan mit Hilfe des Mobs der Straße ihr Etappenziel erreicht: die Miss-World-Wahl ist beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Sie hatten die Veranstaltung schon lange vorher als zutiefst unislamisch und als Beleidigung gläubiger Muslime verurteilt. Doch hatten sie die "Miss World" von 2001 genauso wie fast alle Nigerianer bekatscht, war es doch eine Nigerianerin, die erstmals diesen prestigeträchtigen Titel gewonnen hatte. Nur so war es möglich, den Wettbewerb nach Nigeria zu holen. Aber das ist Schnee von gestern.

Der Präsident schwächelt ...

Islamische Hardliner um den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Na Abba, und den Ex-Juntachef Buhari machten aus der Miss-Wahl eine politische Waffe und richteten sie auf ihr eigentliches Ziel, den seit Monaten schwächelnden Präsidenten. Mit aller Macht will das islamische Establishment in Nordnigeria eine zweite Amtszeit Obasanjos verhindern und einen ihnen genehmen Muslim an die Spitze des Staates heben. Und sie drohten Obasanjo sogar mit einem Amtsenthebungsverfahren wegen angeblichen Verfassungsbruchs und unfähiger Amtsführung, bislang jedoch erfolglos.

So absurd es im ersten Augenblick klingen mag, aber die Absage der Miss-Wahl könnte das politische Ende des Präsidenten einleiten. Denn ähnlich dilettantisch, wie die Miss-Wahl geplant wurde, so ungeschickt taktierte Obasanjo in den vergangenen Monaten im politischen Alltagsgeschäft mit seinen politischen Gegnern, aber auch mit den wichtigen politischen Institutionen, was auch in bislang wohlmeinenden Kreisen häufiges Kopfschütteln und Kritik erzeugte. Denn Arroganz, gepaart mit einem militärischen Politikstil, führt in Krisenzeiten schnell ins Abseits, wenn politische Kompetenz gefragt ist, um schwierige Probleme zu lösen.

... des Volkes Mehrheit schweigt

In diesen Stunden und Tagen entscheidet sich die Zukunft Obasanjos und des nigerianischen Demokratisierungsprojektes. Wendet sich die Meinung der Eliten und der Bevölkerung in den südlichen und überwiegend nicht-muslimisichen Landesteilen gegen Präsidenten, wird der Ex-General Obasanjo sehr schnell auch die Unterstützung seiner eigentlichen Machtbasis, des Militärs, verlieren. Nur wenn es ihm jetzt gelingt, die Attacken auf die Miss-Wahl als Angriff islamischer Hardliner zu entlarven, und diese als die eigentlichen Feinde von Demokratisierung und Fortschritt darzustellen, hätte das zarte Pflänzchen Demokratie eine Überlebenschance. Dazu bedarf es allerdings auch der lautstarken Unterstützung durch die bislang eher schweigende Mehrheit der säkular eingestellten Nigerianer.

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  • Datum 24.11.2002
  • Autorin/Autor Heinrich Bergstresser
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2re1
  • Datum 24.11.2002
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