1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Das Ende eines Kriegsverbrechers

Am Samstag ist in einem Pflegeheim der Kriegsverbrecher John Demjanjuk im Alter von 91 Jahren gestorben. Demjanjuk war für Verbrechen im Vernichtungslager Sobibor verurteilt worden.

Der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte ehemalige Waechter des deutschen Vernichtungslagers Sobibor, der US-Buerger John Iwan Demjanjuk, wird am Dienstag, 8. Juni 2010, in Muenchen, Bayern, im Rollstuhl sitzend in einen Verhandlungssaal des Landgerichtes geschoben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gebuertigen Ukrainer Beihilfe zum Mord in 27.900 Faellen vor. Vor 66 Jahren, im Sommer 1943, soll er im deutschen Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Tausende Juden aus Deportationszuegen, die aus den Niederlanden eintrafen, in die Gaskammern getrieben haben. (APN Photo/Michael Dalder, Pool) --- Accused Nazi death camp guard John Demjanjuk sits in a wheelchair as he arrives in a courtroom in Munich June 8, 2010. Demjanjuk, an 89-year-old former U.S. auto worker, is on trial in Germany facing charges he helped force 27,900 Jews into gas chambers in Sobibor extermination camp in 1943. (APN Photo/Michael Dalder, Pool)

Deutschland John Demjanjuk Prozess in München

John Demjanjuk war 1920 in der Ukraine unter dem Namen Iwan Demjanjuk geboren worden. Ab 1940 diente er in der Roten Armee und geriet 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Dort meldete er sich als Freiwilliger zu den Hilfstruppen der SS, die auch das Personal zur Bewachung der deutschen Konzentrationslager stellte. Demjanjuk wurde von der SS unter anderem in den Lagern Majdanek, Sobibor und Flossenbürg eingesetzt.

Das Foto vom Montag (23.05.2011) zeigt das Alten- und Pflegeheim in Bad Feilnbach, in dem der als Nazi-Verbrecher verurteilte John Demjanjuk wohnt. Der 91-Jährige ist in der Pflegeeinrichtung der oberbayerischen Feriengemeinde untergekommen. In dem Heim bewohnt Demjanjuk ein kleines Zimmer im Erdgeschoss. Foto: Josef Reisner dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

In diesem Pflegeheim ist Demjanjuk gestorben

Bei Kriegsende gelang es ihm, als Kriegsgefangener unterzutauchen und bei den amerikanischen Besatzungstruppen in Bayern Arbeit zu finden. 1958 wanderte er in die USA aus, änderte seinen Vornamen von Iwan in John und erhielt die US-Staatsbürgerschaft. Erst in den siebziger Jahren wurde nach und nach bekannt, was Demjanjuk in den Jahren von 1942 bis 1945 getan hatte. In der Folge wurde ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft wieder entzogen.

Schließlich war Demjanjuk am 12. Mai des vergangenen Jahres vom Landgericht München zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Demjanjuk als Wächter des Konzentrationslagers Sobibor im heutigen Osten Polens an der Ermordung von mehr als 28.000 Menschen beteiligt gewesen war. Wegen des schlechten Gesundheitszustands des Verurteilten hatte das Gericht den Haftbefehl aufgehoben: Demanjuk musste nicht ins Gefängnis sondern wurde in ein Pflegeheim überstellt.

Der letzte große Kriegsverbrecherprozess

Bereits während des Prozesses, der am 30. November 2009 in München begonnen hatte, war John Demjanjuk krank und nur eingeschränkt verhandlungsfähig gewesen. Er wurde jeweils auf einem Bett in den Gerichtssaal geschoben und nahm am Prozess nicht aktiv teil. Die tägliche Verhandlungsdauer hatte auf zweimal 90 Minuten beschränkt werden müssen, weil Demjanjuk nicht mehr zugemutet werden durfte.

In this photo taken Oct. 11, 2003 a visitor reads a plaque in memory of those who perished at the former Nazi death camp of Sobibor at the site of the World War II-era camp in Sobibor, eastern Poland. The Sobibor extermination camp was built by Nazi officers in occupied Poland in 1942 and some 250,000 Jews, Gypsies and political prisoners were murdered in its gas chambers before it was razed some 18 months later. In 1965, a monument to the victims of Sobibor was built on the site of the former camp and the ashes of those killed were gathered together in a symbolic mound-mausoleum. (AP Photo/Str) POLAND OUT

Der Ort des Verbrechens: Das Vernichtungslager Sobibor

Viele Prozessbeobachter zeigten sich jedoch verärgert, weil der Angeklagte in den Verhandlungspausen sehr wohl rege war und sich unterhalten konnte, der Verhandlung selbst aber nicht folgen zu können behauptete. Zum Prozess war eine außergewöhnlich große Zahl von ausländischen Beobachtern angereist, denn der Prozess gegen John Demjanjuk, der 1920 unter dem Namen Iwan in der Ukraine geboren worden war, galt als einer der letzten großen Kriegsverbrecherprozesse überhaupt.

Zum Tode verurteilt – aber für die Taten eines Anderen

Demjanjuk hatte sich schon einmal für Verbrechen, die er in Konzentrationslagern begangen haben sollte, verantworten müssen, war aber letztlich frei gekommen: 1987 war er von einem israelischen Gericht zum Tode verurteilt worden, das Urteil musste aber wieder aufgehoben werden. In Jerusalem waren die Verbrechen eines als "Iwan der Schreckliche" bekannten KZ-Wächters im Konzentrationslagers Treblinka verhandelt worden – in der Überzeugung, dieser "Iwan" und Iwan "John" Demjanjuk seien ein und dieselbe Person. Es stellte sich jedoch heraus, dass "Iwan der Schreckliche" mit Nachnamen gar nicht "Demjanjuk" geheißen hatte – das Urteil wurde kassiert, Demjanjuk kam wieder frei.

Der Dienstausweis des Iwan John Demjanjuk, den er als Wachmann 1942 in seinem Ausbildungslager Trawniki bekommen hat und in dem u.a. eingetragen ist: 27.3. 43 Sobibor: Das ist der Tag der Ankunft des Wachmannes Demjanjuk im Vernichtungslager Sobibor. Der mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher Demjanjuk könnte sich schon bald vor einem deutschen Gericht verantworten. Die weltweit größte Fahndungsstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg gab am Montag (10.11.2008) ein Vorermittlungsverfahren gegen den in den USA lebenden 88-jährigen Mann an die Staatsanwaltschaft München I ab. dpa/lsw (zu dpa 4199) NUR S/W +++(c) dpa - Report+++

Der Dienstausweis des KZ-Wächters Iwan Demjanjuk

Das Münchner Gericht hat in seinem Demjanjuk-Prozess über Verbrechen geurteilt, die der Angeklagte im Vernichtungslager Sobibor begangen hatte - der Dienst in diesem Lager konnte ihm nachgewiesen werden. Das Gericht konnte dem Angeklagten keine einzelnen Taten konkret nachweisen, wie das für einen Schuldspruch eigentlich üblich ist, nahm aber einen anderen Standpunkt ein: Das Vernichtungslager Sobibor sei einzig zu dem Zweck errichtet worden, Menschen zu töten. Dieser Logik nach sei jeder, der dort gearbeitet hatte, der Beihilfe zum Mord schuldig. Nach Auffassung des Gerichts ist Iwan "John" Demjajnuk in Sobibor "ein Teil der Vernichtungsmaschine" gewesen.

Am Morgen des 17. März wurde in einem Pflegeheim der Stadt Feilnbach bei Rosenheim in Bayern die Leiche des 91-jährigen John Demjanjuk gefunden. Die Todesursache ist noch unklar. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Traunstein teilte mit, sie werde ein in solchen Fällen übliches Todesermittlungsverfahren einleiten.