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Wirtschaft

Das Ende einer Bilderbuch-Karriere?

Die Bertelsmann AG hat sich von ihrem Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff getrennt. Es soll vor allem der geplante Börsengang gewesen sein, der für Streit sorgte und schließlich zum Abgang Middelhoffs führte.

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Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff, seit November 1998 Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, genießt ein hohes internationales Ansehen. Von 1995 bis 2001 saß er im Board des weltgrößten Online-Dienstes AOL, ihn verbindet aus dieser Zeit eine persönliche Beziehung zum heutigen AOL Time Warner-Lenker Steve Case.

2000 planten Middelhoff und Case die Fusion ihrer Unternehmen, doch der damalige Börsenwert des weltweit führenden Online-Dienstes war so groß, dass es für Bertelsmann nur zum Junior-Partner gereicht hätte. Deshalb entschied sich der Mehrheitseigner und Gründer der Bertelsmann AG, Reinhard Mohn, gegen die Verbindung.

Börsengang blieb ein Thema

Aus heutiger Sicht eine richtige Entscheidung, denn Bertelsmann ist von schlechten Nachrichten an der Börse verschont und die Aktie von AOL Time Warner hat in diesem Jahr bereits drei Viertel ihres Werts verloren. Das Thema Börsengang blieb für Bertelsmann dennoch weiter auf der Tagesordnung. Middelhoff konnte Mohn überzeugen, nicht nur die belgisch-kanadische Finanzholding GBL als 25-Prozent-Gesellschafter in die Bertelsmann AG hereinzuholen - im Tausch gegen deren Anteile an der RTL Group - sondern auch das Thema Börsengang auf die Tagesordnung zu setzen.

Mohn hielt sich zurück

Hätte das Unternehmen von den Kapitalmärkten profitieren wollen, hätte aber auch die Familie und die zweite große Gesellschafterin, die Unternehmens-Stiftung, weitere Anteile abgeben müssen. Doch die absolute Stimmrechtsmehrheit von 75 Prozent war auch Mohn stets ein hohes Gut. GBL erhielt zwar 25,1 Prozent der Anteile am Unternehmen, aber nur 25,0 Prozent der Stimmrechte. Und Mohn verwies darauf, dass er die GBL-Anteile auch selber kaufen könne. Sein Glaube an den Börsengang war nicht unerschütterlich. Und darüber ist es wohl auch zum Bruch mit seinem erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden gekommen.

Was wird aus Middelhoff?

Dabei kann sich die Erfolgsbilanz Middelhoffs sehen lassen: In seiner fast vierjährigen Amtszeit hat er den Umsatz verdoppelt, den Gewinn versechsfacht und das Eigenkapital verneunfacht. Dafür gab es im letzten Jahr vom Eigner eine saftige Bonifikation in zweistelliger Millionenhöhe. Auch jetzt steht Bertelsmann besser als die Wettbewerber da: Das operative Geschäft im ersten Halbjahr hat trotz Werbekrise auf 750 Millionen Euro zugelegt.

Was wird aus einem Top-Manager wie Middelhoff? Man kann nur spekulieren. Etwa darüber, dass ihm Steve Case ein dauerhaftes Angebot machte, zu AOL Time Warner zu wechseln. Die Position des neuen Telekom-Chefs wird Middelhoff wohl nicht übernehmen: die "Bild"-Zeitung berichtet am Montag (29. Juli 2002), dass es kein Angebot in diesem Zusammenhang gebe. Wie das Blatt unter Berufung auf engste Vertraute des Spitzenmanagers schreibt, soll Middelhoff über seine zukünftige berufliche Tätigkeit noch keinerlei Gespräche geführt haben. dpa/(pg)