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Wirtschaft

Das Ende des Welttextilabkommens

Am 1. Januar 2005 läuft das Welttextilabkommen aus. Für einige Entwicklungs- und Schwellenländer bringt das Datum Chancen, für andere erhebliche Risiken.

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China wird vom Wegfall der Quote wohl am meisten profitieren

Wer eine Filiale der schwedischen Modekette H&M besucht, dem wird schnell klar, wie sehr die Bekleidungsindustrie bereits globalisiert ist. Die Etiketten der Hosen, Röcke und T-Shirts sprechen eine klare Sprache: Hergestellt in Rumänien, Bangladesch, Kambodscha. "Globalisierung hautnah" sozusagen.

Ländervielfalt verschwindet

Textilhandel Markt in Schanghai

Textilwaren aus Schanghai - getragen auf der ganzen Welt

Doch wenn am 1. Januar nächsten Jahres das Welttextilabkommen ausläuft, droht die Ländervielfalt auf den Etiketten zu schwinden. Ohne durch Quoten begrenzt zu sein, könnten China und Indien den Weltmarkt für Kleidung aufrollen, schätzen Experten. Das ginge dann wohl vor allem zu Lasten von mittelgroßen Produzenten wie Portugal, Tunesien oder Kambodscha. Bangladesch beispielsweise darf bereits jetzt schon ohne Quoten und Importzölle Textilien in die EU exportieren. Ein Vorteil durch den sich die Industrie in dem südasiatischen Land in den vergangenen 20 Jahren stark entwickeln konnte.

Doch trotz niedriger Monatslöhne der Näherinnen von 20 bis 50 Euro im Monat, könnte Bangladesch nach dem Fall des Welttextilabkommens nicht mehr gegen chinesische Waren konkurrieren, befürchtet Ingo Ritz, Geschäftsführer von Netz e.V., einer deutschen Entwicklungsinitiative für Bangladesch. Er rechnet damit, dass nach dem 1. Januar mehrere hunderttausend Arbeitsplätze wegfallen könnten.

200 Milliarden Dollar nach China

Textilarbeiterinnen in China

Textilarbeiterinnen in China

Dass sich die Textilunternehmen so schlecht auf das Ende der Quoten vorbereitet haben, verwundert, denn schließlich ist das Datum 1. Januar 2005 seit 10 Jahren bekannt. "Mein Eindruck ist, dass sich die Unternehmer hier erst in den Jahren 2002 und 2003 richtig bewusst geworden sind, dass es wirklich kalt wird mit dem Auslaufen des Welttextilabkommens. Ich denke vorher hat man das einfach nicht wirklich ernst genommen und eher an die kurzfristigen Profite gedacht."

Während in Bangladesch der 1. Januar mit Sorge betrachtet wird, gibt es andere Länder, die das Datum kaum erwarten können. "China wird zusammen mit Indien zu den Ländern gehören, die von dem Wegfall der Quoten am meisten profitieren werden. Es gibt Schätzungen, dass möglicherweise bis zu drei Viertel der Weltproduktion von Textilien und Bekleidung nach China gehen könnten. Man muss also schon sehen, dass das erhebliche Verwerfungen auf den Weltmärkten mit sich bringen wird", sagt Bernd Schaaf, Referatsleiter "Asien/Pazifik" bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFAI). Würden Schätzungen wie diese Realität, dann könnten in den kommenden Jahren Exportaufträge im Wert von etwa 200 Milliarden Dollar nach China umgeleitet werden.

Sonderregelungen und Notbremse

Perspektiven, die einen Investitions-Boom in die chinesische Textilindustrie ausgelöst haben. Alleine im vergangenen Jahr investierten ausländische Firmen 4,5 Milliarden US-Dollar in Fabriken und Maschinen zur Produktion von Kleidern und Stoffen. Allerdings ist noch nicht sicher, ob China wirklich das volle Potential des Textilienhandels ausschöpfen kann. Denn bei den Verhandlungen zur WTO-Beitritt des Reiches der Mitte, haben sich die anderen Länder eine Sonderegelung ausbedungen. "Das heißt, wenn beispielsweise China einen Markt in den USA plötzlich völlig dominieren würde, dann dürften bis 2013 auch noch mal bilaterale Quoten ausgegeben werden. Dies wäre dann immer noch im Einklang mit der WTO-Regelung. Aber Voraussetzung ist ein schwere Marktverwerfung", erklärt Schaaf.

Soll heißen, wenn die Chinesen wirklich den kompletten Markt erobern sollten, dann könnten USA, EU oder andere Länder immer noch die Notbremse ziehen. Die Amerikaner haben bereits wieder Quoten für Handtücher und Seidenhemden eingeführt, nachdem sie den Handel mit diesen Produkten frühzeitig freigegeben hatten. Nach der Freigabe war dort der chinesische Anteil von durchschnittlich 9 auf 65 Prozent gestiegen.

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