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Politik

Das Ende der Welt wird plötzlich bekannt

Das Pankisital ist seit Monaten ein Streitfall zwischen Russland und Georgien. Die Beziehungen sind auf dem Tiefpunkt. DW-Korrespondent Christoph Wanner berichtet.

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Das georgische Pankisital gilt seit Jahren als Verbrecherhochburg. Menschen-, Drogen- und Waffenhandel. Dafür ist das kleine Kaukasustal berüchtigt. Bewohnt wird es von einem muslimischen Volksstamm, den sogenannten Kisten, einem Brudervolk der Tschetschenen. Die Kisten haben bis vor wenigen Tagen niemanden gestört. Doch plötzlich bläst ein rauer Wind aus Moskau. Russland klagt an, im Grenzgebiet zur Bürgerkriegsregion Tschetschenien seien Rebellen abgetaucht. Georgien gibt das nur ungern zu. Es fallen Bomben auf Pankisi. Keiner will es gewesen sein. Russen und Georgier beschuldigen sich gegenseitig. Tblisi gibt schließlich der russischen Forderung nach und greift in Pankisi durch. Präsident Schewardnaze schickt Sondereinheiten und Panzer. Auf einmal ist das Tal in den Schlagzeilen.

Was die georgische Polizei in dem kleinen Tal macht, soll offenbar keiner richtig mitkriegen. Zutritt für ausländische Journalisten verboten. Zu gefährlich - so die offizielle Begründung. Doch mit den richtigen Schleppern sind auch die neuen Kontrollposten kein Problem. Ein georgischer Polizeioffizier öffnet die Tür - gegen ein kleines Trinkgeld. Im Tal ist es ruhig. Die Drogenbarone sind vorübergehend verreist. Bis die Polizei wieder weg ist, spotten Einheimische. Von tschetschenischen Rebellen ebenfalls keine Spur. Die meiden ihren Rückzugsort derzeit auch. Alles sauber, Pankisi ist verbrecher- und terroristenfrei behauptet nun die georgische Sondereinheit. Von dem Ergebnis ihres Einsatzes sollen sich die Welt und Russland ein Bild machen.

Die Polizei organisiert deswegen eine Pressefahrt ins Pankisital. Die verfehlt allerdings ihre Wirkung. Denn auf eine entscheidende Frage bleiben die Georgier die Anwort schuldig. Wo sind die festgenommenen Rebellen- und Verbrechergrößen? Die Georgier scheinen keinen bedeutenden Fang gemacht zu haben. Ist dieser Sondereinsatz etwa ein Schwindel? Haben die Georgier am Ende alle entkommen lassen? Das könnte sein. Einiges spricht dafür. Die Georgier sind im rechtsfeien Pankisital nur auf Druck der Russen einmarschiert. Jahrelang hatten sie es vermieden sich in den tschetschenisch-russischen Krieg einzumischen. Denn manchen Georgiern werden beste Kontakte zu einigen Bewohnern und Gästen des Pankisitals nachgesagt. Egal ob zu Verbrechern oder Rebellen.

Das soll sich alles über Nacht geändert haben?! Wohl kaum. Ist der öffentliche Rummel vorbei, zieht die georgische Polizei wieder ab. Dann werden die Eigentümer der verwaisten Villen und auch die tschetschenischen Kämpfer wohl schnell zurückkommen. Kaum ein Bewohner des Pankisitals leugnet nämlich seine Zuneigung zu den vertriebenen Brüdern.