Das Ende der Silberpfeil-Ära? | Sport | DW | 16.04.2018
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Formel 1

Das Ende der Silberpfeil-Ära?

Drei Rennen, kein Sieg - auf der Paradestrecke in Shanghai ist Mercedes gegen Red Bull chancenlos. Ist das nur eine Momentaufnahme in der jungen Formel-1-Saison, oder ist die Silberpfeil-Dominanz endgültig Vergangenheit?

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zufolge war es ein "Wochenende zum Vergessen": Zwar fuhr Valtteri Bottas beim Großen Preis von China in Shanghai auf den zweiten Platz und Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton verkleinerte als Vierter seinen Rückstand auf Sebastian Vettel in der WM-Wertung ein wenig - dennoch analysierte Wolff unzufrieden: "Es lief das ganze Wochenende nicht gut. Das war nicht das Level, das wir uns erhofft haben."

Die Silberpfeile sind halt Anderes gewohnt - besonders in China, wo in den vergangenen vier Jahren immer ein Mercedes-Pilot gewonnen hatte. Insgesamt verlief die neue Saison bislang nicht wie gewünscht. Beim Saisonauftakt in Melbourne kostet ein Software-Fehler Hamilton den Sieg. In Bahrain vereitelten ein Getriebewechsel und die damit verbundene Rückversetzung in der Startaufstellung ein besseres Ergebnis als Rang drei für den amtierenden Weltmeister. Drei Rennen zu Beginn der Saison, ohne einen Mercedes-Sieg, das hat es zuletzt 2013 gegeben - in der Zeit vor der Silberpfeil-Dominanz.

Rosberg: "Hamilton nicht in Form"

Nico Rosberg (picture-alliance/dpa/Imaginechina/Li Zhipeng)

Ex-Kollege und Hamilton-Kritiker Nico Rosberg

Nur eine Momentaufnahme? Pech? Zufall? Die Stimmen, die im bisher ausbleibenden Erfolg für Hamilton und Bottas bereits das Ende der Mercedes-Ära sehen, werden immer mehr und immer lauter. "Wir haben die Silberpfeile so lange dominieren sehen. Aber Weltreiche entstehen und fallen", hatte Ex-Weltmeister Damon Hill bereits nach dem Qualifying von Shanghai gesagt, bei dem beide Mercedes-Boliden mehr als eine halbe Sekunde hinter Polesetter Vettel zurückgeblieben waren. "Es sieht so aus, als habe sich das Blatt erstmals in der Turbo-Hybrid-Ära gewendet", so Hill.

Auch Ex-Mercedes-Weltmeister Nico Rosberg war kritisch: "Lewis ist nicht in Form. Er wirkt ratlos." Auch Motorsportchef Wolff konstatierte: "Wie sein Auto war auch Lewis an diesem Wochenende nicht in Bestform. Diese Phasen macht jeder Rennfahrer durch." An fehlender Motivation kann es beim 33-jährigen Briten nicht liegen. Nichts ist Hamilton wichtiger, als im Duell mit dem anderen vierfachen Weltmeister Vettel die fünfte Formel-1-Krone seiner Karriere zu gewinnen. Auch in Sachen Fokussierung und Fitness bewegt sich der ehrgeizige Hamilton stets am oberen Ende der Skala.

Strategiefehler kostet bessere Platzierung

Bleiben als weitere Fehlerquellen nur noch das Auto und die Strategie. Dabei fiel am vergangenen Wochenende schon auf, dass die Mercedes auf ihrer Paradestrecke in Shanghai nicht die Stärksten waren. Im Qualifying setzte Ferrari die Maßstäbe, im Rennen waren die Red Bull klar schneller. Das hatte auch mit einem Strategiefehler der Mercedes-Verantwortlichen zu tun: Denn während Red Bull in der Safety-Car-Phase nach dem Unfall der beiden Toro-Rosso-Piloten Pierre Gasly und Brendon Hartley schnell und richtig reagierte und beide Fahrer in der Box mit frischen Reifen versorgte, verpasste Mercedes diese Chance. Anschließend konnte man dann nur machtlos zuschauen, wie der spätere Sieger Daniel Ricciardo vorbeizog und musste sogar noch von Glück sprechen, dass Max Verstappen Sebastian Vettel und sich selbst abschoss und Hamilton so doch noch einmal an beide hinter sich lassen konnte. Der Weltmeister wäre sonst wohl nur Sechster geworden.

Toto Wolff (picture alliance / HOCH ZWEI)

Alles andere als glücklich: Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff

"Eine halbe Stunde nach dem Rennen muss man konstatieren, dass ein Boxenstopp wohl die bessere Alternative gewesen wäre", räumte Wolff zerknirscht ein: "Das Glück war heute definitiv nicht auf unserer Seite. Wir waren in keinem Bereich gut genug. Es ist nicht unser Anspruch, um Platz drei oder vier zu fahren. Ich brauche jetzt erst mal ein Bier."

Baku kein gutes Pflaster

Mit ausreichender Gerstensaft-Zufuhr werden sich die Probleme der Silberpfeile dauerhaft allerdings nicht lösen lassen. Beim nächsten Grand Prix in Aserbaidschan am 29. April müssen Mercedes und Lewis Hamilton Antworten geben. Allerdings ist der winkelige Stadtkurs von Baku bislang kein gutes Pflaster für Hamilton gewesen. 2016 prallte er beim Qualifying in die Streckenbegrenzung und ging nur von Startplatz zehn ins Rennen. Am Ende wurde er Fünfter. 2017 startete er zwar von der Pole Position, hatte dann aber die berühmte Safety-Car-Kollision mit Vettel und scheiterte schließlich daran, dass sich seine Kopfstütze löste und er an die Box musste. Mehr als Rang fünf sprang auch diesmal nicht heraus.

Sollte es in zwei Wochen wieder nur Platz fünf sein, sollte man in der Nähe von Toto Wolff für die Zeit nach dem Rennende vorsichtshalber schon mal eine Flasche Bier einsatzbereit halten - vielleicht auch mehrere.

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