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Kultur

Das Ende der Netzlosigkeit

Seit der Taliban-Herrschaft ist Afghanistan vom Internet abgeschnitten. Das schmerzt besonders Wissenschaftler und Unternehmer. Deutsche Firmen und Ingenieure helfen mit, das Datennetz neu zu knüpfen.

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Online in Afghanistan - das funktioniert eher schlecht als recht

Telefonieren und elektronische Post versenden, das ist gegenwärtig noch eine teure und nervenaufreibende Sache in Afghanistan. Entweder stellt man einen Antrag auf einen mobilen oder satelliten-gestützten Anschluss und wartet wochenlang auf die Endgeräte samt Zugangskarte - dann kann man für 20 bis 40 Dollar ein kurzes Telefongespräch führen oder schnell ein paar E-mails abschicken. Oder man besucht eines der wenigen Telefonbüros in Kabul oder in Khost, die den Sprach- und Datenverkehr über das analoge Festnetz abwickeln. Das ist billiger, aber auch weniger zuverlässig.

Die Leitungen werden notdürftig geflickt

35.000 Analog-Telefonanschlüsse gibt es in ganz Afghanistan. Ein Viertel davon funktioniert regelmäßig. Ungefähr 100 Modems für den langsamen Datenverkehr sollen im ganzen Land noch vorhanden sein. "Die Leitungsinfrastruktur ist komplett zerstört", sagt Roland Herbert Klesse – er ist Telekommunikations-Manager bei Siemens und für den Afghanistan-Aufbau zuständig. "Momentan wird das Leitungsnetz noch ein bisschen repariert, um einen halbwegs normalen Service aufrecht zu erhalten."

Inzwischen sind die Vertragsverhandlungen zwischen der Siemens AG und dem afghanischen Kommunikationsminsterium recht weit fortgeschritten. Minister Abdul Rachim wünscht sich, dass zuerst die in den 1970er Jahren von Siemens installierte Vermittlungstechnik notdürftig wieder instandgesetzt wird. Danach soll aber eine digitale Kommunikations-Infrastruktur die alte Technik ablösen.

Drei Jahre Arbeit, fast zwei Millionen Dollar

Die Weltbank unterstützt das Projekt. Bis 2006 möchte sie in Afghanistan nicht nur eine neue Infrastruktur für die Telekommunikation installiert haben, sondern auch das modernste Wissenschaftsnetz der Welt. 1,7 Millionen Dollar sind dafür bereit gestellt worden. Das reicht zwar nicht, aber Siemens-Manager Klesse ist trotzdem aktiv geworden. "Wir haben auch mit dem Telekommunikationsministerium einen Rahmenvertrag unterschrieben", berichtet er. "Jetzt sind wir eben auch auf der Suche nach einer Finanzierung für das erste Projekt."

Die Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium laufen, einen ersten Planungsentwurf gibt es auch schon. "Dieses ganze Projekt wird drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen. Dann wird das erste Grundsystem verfügbar sein", schätzt Klesse. Der lange Zeitraum komme dadurch zustande, dass man noch im ganzen Land ein Fiberoptik-Backbone-Kabelnetz bauen müsse – "Backbones" sind Leitungen, die das Rückgrat des Datennetzes bilden. Einfacher und schneller gehe es nicht, betont der Experte: "Ein Fiberoptik-Backbone-Netz ist Voraussetzung für ein Hightech-Netz."

Angst vor Online-Terror

Dieses Hightech-Netz erregt allerdings den Argwohn der amerikanischen Regierung. Die Experten des von Präsident Bush neu eingerichteten Ministeriums für Heimatsicherheit befürchten, dass das so genannte Dienstleistungsbüro der Al Kaida die neue Kommunikationstechnik für terroristische Angriffe via Internet missbrauchen könnte.

Roland Herbert Klesse hält solche Befürchtungen für überzogen: "Auf der ganzen Welt wird heute Internet eingesetzt. Das ist ein gängiges Kommunikationsmittel", sagt er. "Ich halte die Gefahr für gering." Bis März 2003 wollen sich Vertreter der Weltbank mit Sicherheitsexperten des neuen US-Ministeriums treffen und erörtern, welche Gefahr von afghanischen Internet-Anschlüssen ausgehen könnte.

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