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Europa

Das Ende der kleinen Eurocent-Münzen?

Die kupferfarbenen Eurocent-Münzen stehen in der Kritik: Ihre Herstellung ist teuer, ihre Verteilung an den Einzelhandel aufwändig. Die EU-Kommission prüft deshalb die Abschaffung der 1- und 2-Cent-Stücke.

Geld im Einmachglas (Foto: (Fotolia/PA)

einmachglas

In Zeiten der Eurokrise werden immer wieder Stimmen nach der Abschaffung des Euro laut - wie zum Beispiel durch die neue Partei "Alternative für Deutschland", die die Gemeinschaftswährung am liebsten heute statt morgen wieder los wäre.

Was Olli Rehn, EU-Währungskommissar in Brüssel, derzeit zu prüfen hat, ist zumindest eine Teilabschaffung des Euro. Nicht die der Währung als solcher, aber doch immerhin ihrer zwei kleinsten Münzen: des 1- und des 2- Cent-Stücks. Dazu hatten ihn das EU-Parlament und der Rat der Europäischen Union aufgefordert. Rehns Schlussfolgerung nach ersten Umfragen mit verschiedenen Interessenvertretern aus Wirtschaft und Politik: "Die Produktion der 1- und 2- Cent-Stücke ist ein klares Verlustgeschäft."

Münzen teurer als ihr Nennwert

EU-Währungskommissar Olli Rehn( Foto: dpa)

EU-Währungskommissar Olli Rehn

Die Herstellung der Münzen, die in ihrem Inneren aus Eisen und außen aus Kupfer bestehen, übersteigt deren Nennwert. Dazu kommen erhebliche Kosten, die entstehen, wenn die Münzen an den Einzelhandel verteilt werden müssen. Die EU-Kommission gibt an, dass die Differenz zwischen Herstellungskosten und tatsächlichem Nennwert der Münzen seit Einführung der gemeinsamen Währung bereits auf mehr als 1,4 Milliarden Euro angewachsen sei.

In Finnland und in den Niederlanden ist der Zahlungsverkehr ohne 1- und 2-Cent Münzen schon heute Realität: Da alle Preise auf 5 Cent gerundet werden, sind die beiden kleinsten Centmünzen praktisch nicht mehr im Umlauf. Für Deutschland ein undenkbares Szenario, so Stefan Hertel, Pressereferent des Handelsverbands Deutschland: "Es gibt entsprechende Umfragen, auch der Bundesbank, die zeigen, dass eine absolut große Mehrheit der Verbraucher die 1- und 2-Cent-Münzen gerne hat und behalten möchte."

Auch der Einzelhandel will die Münzen behalten - schon, weil es seit Jahren aus psychologischen Gründen üblich ist, Preise mit einem Centbetrag von '99' hinter dem Komma anzugeben: "Wir könnten dann ja gar nicht mehr rausgeben ohne 1-Cent-Stücke", sagt Hertel.

Teure Versorgung mit Geld

In Deutschland ist die Bundesbank für die Verteilung der Münzen an den Einzelhandel zuständig. Bereits seit 2002 hat die Bank, um Kosten zu sparen, nach und nach ihr Filialnetz verkleinert - unpraktisch für all die Händler, die ihr Bargeld persönlich bei der Bundesbank abholen wollen. Carl-Ludwig Thiele, im Bundesbankvorstand zuständig für die Bargeldversorgung, verteidigt dies im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Wir als Bundesbank müssen nicht überall flächendeckend diese Filialen betreiben." Schließlich müsse auch die Bundesbank wirtschaftlich arbeiten. Und der Endverbraucher habe davon ohnehin nichts mitbekommen.

Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutsche Bundesbank (Foto: Emily Wabitsch/dpa)

Bundesbankvorstand Carl - Ludwig Thiele

Deutliche Kritik am Sparkurs der Bundesbank kommt jedoch vom Einzelhandel. "Wir haben schon damals mahnend den Finger gehoben und darauf aufmerksam gemacht, dass die Wege länger werden", so Hertel. Außerdem monieren die Einzelhändler eine weitere Maßnahme der Bundesbank, mit der die Bargeldbeschaffung teurer wurde. Denn: Auf die enormen Transportkosten der Münzen hat die Bundesbank bereits 2011 reagiert und gibt die Euro-Münzen deshalb nur noch in sogenannten "Normcontainern" heraus.

Die Normcontainer enthalten, alle Münzwerte zusammengerechnet, 314.000 Euro. Acht standardmäßig zusammen gestelle Container gibt es - für jede Münze einen. Die Normcontainer für die kleinen Münzen enthalten 2500 Euro in 1- sowie 4000 Euro in 2-Cent-Münzen. Eine Herausforderung für viele kleinere Händler, denn: Kleinere Bestellungen sind nur noch gegen Gebühr möglich.

Cent-Münzen teuer für Einzelhandel

Eine Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen würde hier schon helfen, räumt Hertel ein: "Die Abschaffung hätte einen kostenmäßigen Vorteil, weil wir als Wechselgeld die Rollen vorhalten müssen. Das kostet Geld. Das würde man sparen." Carl-Ludwig Thiele verteidigt außerdem den Normcontainer aber und sagt: "Mir ist kein Kioskbesitzer bekannt, der einen Normcontainer zu sich nimmt, bei dem alle Münzen in allen Stückelungen enthalten sein müssen mit einem Gewicht von 650 Kilo."

Im Supermarkt CAP in Hamburg sitzt eine Mitarbeiterin an der Kasse (Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutschen zahlen gerne mit kleinen Münzen

Unabhängig davon, wie viel die Verteilung des Bargeldes kostet: Auch die Bundesbank hat keine Pläne, die Münzen tatsächlich aus dem Verkehr zu ziehen, solange die Mehrheit der Deutschen dies nicht will, bestätigt Thiele. Solange Währungskommissar Rehn also bei seiner Überprüfung nicht zu dem Ergebnis kommt, den Euro teilweise abschaffen zu müssen, wird auch weiterhin viel Kupfer die deutschen und europäischen Portemonnaies füllen.

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