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Bundesliga

Das Ende der Dominanz des FC Bayern München?

Gut zwei Wochen vor dem Bundesliga-Auftakt gerät man beim FC Bayern München in Erklärungsnot: Mit der fünften Pleite im sechsten Testspiel steht ein dickes Fragezeichen hinter der Form des Rekordmeisters.

Die Allianz Arena. Ein in jeder Hinsicht imposantes Bauwerk im Münchener Norden mit elegantem Gewand und einer Größe, die zum Bundesliga-Krösus FC Bayern München passt. In den letzten Jahren galt sie phasenweise als uneinnehmbare Festung, zu heimstark die Gastgeber, zu überlegen ihr Spiel und vor allem ihre Stars. Nun scheint alles anders.

Nicht nur im fernen China und Singapur verliert der FC Bayern München, auch im eigenen Wohnzimmer. Während man in Asien teilweise noch mit den belastenden Faktoren Reisestrapazen und Marketingtermine argumentieren konnte, entfallen diese Entschuldigungen in der Heimat. Einen Tag nach der teils blamablen 0:3 (0:2)-Pleite gegen Jürgen Klopps FC Liverpool wirkte der FC Bayern auch am Mittwoch wie ein Schatten seiner selbst: Mit einem blutleeren Auftritt und 0:2 (0:1) Toren gegen den SSC Neapel verabschiedete sich der FCB vom eigenen Audi Cup - auf dem letzten Platz.

An der Nase herumgeführt

"Liverpool hat uns an der Nase herumgeführt. Der Stachel sitzt tief", hatte Weltmeister Thomas Müller bereits am Dienstagabend mit finsterer Miene gesagt. Am Mittwoch gab es heftige Pfiffe der maßlos enttäuschten Fans. Ohne Frage war dies nicht die erste Elf, die die Münchener da angeführt von Nationalspieler Joshua Kimmich vor 66.000 Zuschauer ins Rennen schickte. Aber selbst der zweite Anzug des FCB sollte besser sitzen. Neapel hatte leichtes Spiel: Die Tore für den SSC im Spiel um Platz drei erzielten Kalidou Koulibaly (14. Minute) und Emanuele Giaccerini (55.). Nach dem Schlusspfiff ertönte dann ein Pfeifkonzert, das der FCB-Coach nachvollziehen kann. "Ich habe Verständnis dafür, weil wir viele Spiele verloren haben", räumte Coach Carlo Ancelotti ein, der bei seiner Mannschaft die Balance zwischen Offensive und Defensive vermisst.

Deutschland München Audi Cup - Bayern München vs SSC Neapel (picture-alliance/dpa/S. Hoppe)

Den berühmten Schritt zu spät: Beim FC Bayern stimmt das Timing momentan nicht.

"Das war eindeutig zu wenig", bemängelte Kapitän Kimmich. "In der ersten Halbzeit haben wir es gar nicht so schlecht gemacht, nach einem Standard haben wir aber ein dummes Tor gefangen. In der zweiten Halbzeit hat der Gegner das Spiel kontrolliert." Ancelotti schonte mit Blick auf die Supercup-Kraftprobe mit dem nationalen Rivalen Borussia Dortmund am Samstag praktisch alle Topspieler, die sich allerdings tags zuvor beim Testspiel-Flop gegen Jürgen Klopps FC Liverpool auch in einer beunruhigenden Verfassung präsentiert hatten.

Zu wenig

Nach der bisher enttäuschenden Vorbereitung mehren sich die Zweifel an der Form der Münchener. Das Star-Ensemble wusste in keinem Spiel bislang zu überzeugen. Deutet sich damit bereits ein Ende der Bayern-Dominanz in der Bundesliga an? Können sich nach fünf ziemlich locker erspielten Meistertiteln in Folge tatsächlich wieder andere Mannschaften realistische Hoffnungen auf die Schale machen?

Für eine Antwort ist es wohl noch zu früh. Fakt ist aber, dass der FC Bayern schon lange keine so desolate Vorbereitung mehr gezeigt hat. Einige Spieler wirken bereits jetzt müde und ausgelaugt, und die Saison hat nicht einmal begonnen. "Das ist eindeutig zu wenig", sagt Joshua Kimmich mit Blick auf die fünfte Pleite in den vergangenen sechs Testspielen sowie nicht weniger als 14 Gegentore. Die Abwehr war im Halbfinale des Audi Cups trotz starker Besetzung anfällig, der Spielaufbau ließ eine erkennbare Struktur vermissen und die Offensive um Torjäger Robert Lewandowski war bestenfalls harmlos.

Zu viele Verletzte, zu wenig Balance

Deutschland München - Bayern München vs. FC Liverpool (picture-alliance/NurPhoto/P. Manzo)

Desolat: Der FCB ließ sich im eigenen Stadion von Liverpool vorführen.

Nun wartet mit dem Supercup am Samstagabend der erste Härtetest, der "von uns und dem Trainer sehr wichtig genommen" wird, wie Karl-Heinz Rummenigge offensichtlich betonen muss. Der Vorstandsvorsitzende hatte nach den ernüchternden 90 Minuten gegen Liverpool und dem verpassten Finaleinzug gegen Atlético Madrid Klartext gesprochen. "Wir müssen schnell die Kurve kriegen, keine Frage." Nur wie? Selbst der Trainer wirkt momentan ratlos. "Natürlich sind wir beunruhigt. Wir sind nicht in bester Verfassung", so Carlo Ancelotti. "Das Problem ist klar, wir müssen eine bessere Balance im Spiel haben."

Was die Sache nicht besser macht: Welttorwart Manuel Neuer fehlt nach seiner Fußverletzung noch bis zum Saisonstart, Arjen Robben und Jérôme Boateng haben noch Trainingsrückstand. Und James, Thiago und David Alaba sind ebenfalls verletzt. James wird den Münchnern wegen einer Muskelverletzung mehrere Wochen fehlen, Thiago soll mindestens beim Supercup nicht dabei sein können. Alaba soll am Donnerstag wieder individuell trainieren. Hält diese Personallage weiter an, könnte es tatsächlich eine etwas andere Saison werden.

jw/gri (mit sid/dpa)

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