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Wirtschaft

Das Elektroauto der anderen Art

Es klingt wie eine echte Alternative zum Verbrennungsmotor: Das Auto mit Brennstoffzellen-Antrieb wird von der Industrie still und leise zur Serienreife entwickelt. 2015 soll es auf den Markt kommen.

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, steht neben einem Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell Brennstoffzellenfahrzeug. (Foto: dpa)

Brennstoffzellenauto: Mercedes B-Klasse "F-Cell"

Elektromobilität ist in aller Munde. Allerdings verstehen die meisten Menschen unter einem Elektroauto einen Wagen, der an einer Steckdose geladen wird. Dabei ist auch das wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeug ein Elektroauto. Ein Auto, um das ist es zuletzt sehr still geworden ist. Dabei arbeiten die Hersteller mit Hochdruck an der Alltagstauglichkeit der Brennstoffzelle und sind dabei schon weit gekommen, wie beispielsweise beim Daimler-Konzern.

Mercedes B-Klasse F-CELL (Foto: Picture Alliance)

F-Cell: Sieht aus wie ein "normales" Serienmodell

Man sieht dem Auto nicht an, was in ihm steckt. Selbst auf den zweiten Blick ist die zum Brennstoffzellenfahrzeug umgebaute B-Klasse von Mercedes von einem Wagen gleicher Bauart mit Verbrennungsmotor kaum zu unterscheiden. Sogar der Kofferraum ist gleich groß. Einziger Unterschied: Im Armaturenbrett gibt es keinen Drehzahlmesser mehr, sondern eine Leistungsanzeige in Kilowatt - die zeigt, wie viel Leistung gerade am Elektromotor anliegt. Wenn der Batterieladezustand ein gewisses Maß unterschreitet, dann schaltet sich automatisch das Brennstoffzellensystem hinzu, lädt kurz die Batterie wieder auf und legt sich danach sozusagen wieder schlafen.

Reichweite steigern

Ein Mann betankt sein Auto an einer Tankstelle mit Wasserstoff. Copyright Foto: TOTAL

Beim Tanken ändert sich wenig

In der Brennstoffzelle reagiert der Wasserstoff mit Luft und produziert so elektrischen Strom. Der Vorteil: Die Batterie, die das Auto antreibt, wird während der Fahrt geladen. Zum Tanken braucht der Fahrer rund drei Minuten und seit der Wasserstoff mit einem Druck von 700 bar statt 350 bar in den Tank gepresst wird, hat sich die Reichweite der umgebauten B-Klasse auf rund 400 Kilometer erhöht. Peter Froeschle von der Daimler AG kündigt weitere Verbesserungen an. Die Reichweite hänge davon ab, wie man den Tank in das Fahrzeug einbaue. "Wir können in Zukunft den Tank so gestalten, dass noch mehr hinein passt." Dann werde die Reichweite auf 600 bis 800 Kilometer ansteigen. Zum Vergleich: Ein "konventionelles" Elektroauto, das an der Steckdose geladen wird, fährt in der Regel mit einer Ladung gerade einmal 150 Kilometer weit.

Marktreife im Jahr 2015

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in den letzten fünf Jahren rasante Fortschritte gemacht. Das System funktioniert, sagen die Experten. Die Ingenieure seien bereits beim Thema Kostensenkung und würden daran arbeiten, die Autos bezahlbar zu machen. Alle namhaften PKW-Hersteller haben sich darauf geeinigt, ab 2015 die ersten Autos regulär anzubieten. Doch bei Personenkraftwagen soll es nicht bleiben, sagt Kai Klinder Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, die die Bundesregierung berät. "Die Technologie finden wir bereits in Linienbussen und die werden wir künftig in Flugzeugen sehen. Wir haben auch schon 5000 Brennstoffzellen-Heizgeräte in Häusern installiert."

Brennstoffzelle. Quelle: MVV Energie.

Gestapelte Kraft - das Herz jeder Brennstoffzelle ist der Stack (Zellstapel)

In Flugzeugen könnten Brennstoffzellen die gesamte Stromversorgung übernehmen. Dadurch würden die Turbinen entlastet, die für den Antrieb optimiert werden könnten. Der Kerosinverbrauch ließe sich dadurch deutlich reduzieren. In der Schifffahrt könnten Brennstoffzellen die gesamte Stromversorgung in den Häfen übernehmen. Klinder ist davon überzeugt, dass die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie im Energiemix der Zukunft einen festen Platz haben wird: "Es ist der absolut effizienteste Energiewandler und der zweite Vorteil ist der fast emissionsfreie Betrieb dieser Anlagen." Interessant wird es dann, wenn der Wasserstoff über Elektrolyse aus Windkraft generiert wird. Wind ist durch die Offshore-Anlagen im Norden Deutschlands zum Teil im Überschuss vorhanden. Wenn man diesen Windüberschuss zu Wasserstoff verarbeiten kann, würden zum einen die Stromnetze entlastet und zum zweiten hätte man Treibstoff aus Wind hergestellt, der sonst nicht zu nutzen wäre.

Ingenieure machen ihre Hausaufgaben

Bei so vielen Erfolgsmeldungen wundert es ein wenig, dass über die Brennstoffzelle kaum etwas zu hören ist. Kai Klinder findet das hingegen völlig normal. Das sei bei jeder neuen und vielversprechenden Technologie zu beobachten. Erst gebe es einen Hype, dann kämen die ersten Rückschläge, die meistens zu Verrissen in den Medien führten. Dann würde es still um die Technologie und die Ingenieure könnten in Ruhe ihre Arbeit erledigen. Und das, so Klinder, hätten sie bei der Brennstoffzellen-Technologie auch getan.

Autorin: Sabine Kinkartz

Redaktion: Klaus Ulrich