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Saarländisch

Das eine und das andere Saarländisch

Wie klingt eigentlich Saarländisch? Außerhalb des Saarlands erntet man auf diese Frage meist nur ratloses Schulterzucken. Dabei wird der Dialekt im Saarland quer durch alle Schichten gesprochen.

Jeder kennt den Kommissar Palü, der im Fernsehkrimi "Tatort" in Saarbrücken ermittelt. Noch bekannter ist die Kabarettfigur Heinz Becker, der Dialekt sprechende Spießer aus dem saarländischen Bexbach. Dennoch haben nur wenige Menschen eine konkrete Vorstellung vom saarländischen Dialekt. Aber auch ein Saarländer kann die Frage nach der saarländischen Mundart nicht ohne weiteres beantworten.

Grenzsprache – Sprachgrenzen
Denn obwohl das Saarland klein ist und nur gut eine Million Einwohner zählt, werden hier sehr unterschiedliche Mundarten nebeneinander gesprochen. Anders als in anderen Dialektgebieten reden die Menschen hier manchmal schon von einem Dorf zum nächsten völlig anders und haben sogar Mühe, sich zu verstehen. Und das hat einen handfesten Grund.

Allgemein unterscheiden die Sprachforscher im Saarland zwischen dem rheinfränkischen Dialekt, der dem Pfälzischen sehr ähnelt, und dem Moselfränkischen. Der grobe Verlauf der Sprachgrenze folgt der so genannten "das/dat-Linie". Sie zieht sich quer durchs Land von Völklingen im Südwesten nach St. Wendel im Nordosten – im Osten wird Rheinfränkisch, im Westen Moselfränkisch gesprochen. Früher konnte man die Sprachgrenze auf Dörfer und Straßen genau festlegen. Weil die Menschen heute mobiler sind, ist sie unschärfer geworden.

Trennungsgründe
"Die relativ starke Trennung zwischen Rheinfränkisch und Moselfränkisch hat ganz alte Gründe", erklärt Professor Wolfgang Haubrichs, Sprachwissenschaftler an der Universität Saarbrücken. "Die Grenze zwischen das und dat, was und wat hängt ziemlich genau mit der alten Bistumsgrenze zusammen." Und diese alten Grenzen hört man in der heutigen Sprache noch recht deutlich.

Rheinfränkisch und Moselfränkisch klingen nämlich ziemlich unterschiedlich: Während es im Rheinfränkisch sprechenden Osten guggen anstatt sehen heißt, sagt man im Moselfränkischen lu mol. Außerdem spiele die Intonation eine große Rolle, sagt Haubrichs: "Das Moselfränkische ist etwas musikalischer." Außerhalb des Saarlandes werden meistens die rheinfränkischen Dialekte – vor allem das "Saarbrigger Platt" der Landeshauptstadt – als der saarländische Dialekt wahrgenommen.

Rückbesinnung auf die Mundart
Mundart wird im Saarland eigentlich quer durch alle Schichten gesprochen, vor allem in geselligen und gemütlichen Situationen. Trotzdem waren und sind die Saarländer nicht immer glücklich mit ihrer Sprache, denn ihr Ruf ist nicht der beste. Lange Zeit galt sie als bäurisch und altmodisch. Kinder durften in der Schule keinen Dialekt sprechen, und gerade beim Kontakt mit Nicht-Saarländern versuchte man, überkorrekt zu sprechen, um zu zeigen, dass man Hochdeutsch kann.

In den vergangenen Jahren ist man im Saarland aber wieder selbstbewusster geworden. Kindern und Jugendlichen wird die Mundart nicht mehr krampfhaft abgewöhnt. Und auch die Kultur hat sich auf allen Ebenen des saarländischen Dialekts angenommen – von der Mundart-Literatur über Mundart-Kabarett bis hin zu Liedern im Dialekt. Denn eigene Sprache bedeutet auch im Saarland wieder Heimat.

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