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Wirtschaft

Das Eckige muss ins Eckige

Tipp-Kick, das Tischfußballspiel mit den kleinen Figuren und dem eckigen Ball, gibt es seit 86 Jahren. Im WM-Jahr 2010 geht der Hersteller, ein kleines Familienunternehmen aus der deutschen Provinz, in die Offensive.

Tipp-Kick-Torszene (Foto: Edwin Mieg OHG)

Seit sich der Torwart bewegt, ist Tipp-Kick gefragt

Tippt man auf den Kopf, kickt der Spieler los. Tipp-Kick. Genialer Name, einfache Spielregeln und Platz für viel Fußball-Phantasie: Mit diesem Konzept schafft es das deutsche Traditionsspiel immer noch, gegen Nintendo und Co zu bestehen.

Rekordumsatz in WM-Jahren

Firmengründer Edwin Mieg (Foto: Edwin Mieg OHG)

Hat 1924 das Spiel erfunden: Edwin Mieg

Für Mathias und Jochen Mieg gehört eine Partie Tipp-Kick zum Geschäft. In der dritten Generation führen die beiden Cousins den Spielehersteller Mieg Sport + Spiel aus dem Schwarzwald. Seit ihr Großvater Edwin Mieg das Tischfußballspiel mit dem eckigen Ball 1924 auf den Markt brachte, hat sich an den Kickern kaum etwas geändert.

Gute Jahre für den deutschen Fußball waren auch immer gute Jahre für Tipp-Kick. Zum Beispiel das WM-Jahr 54. Da erfand Edwin Mieg den beweglichen Torhüter Toni, benannt nach dem Weltmeister Toni Turek, und verkaufte 180.000 Spiele. Diesen Rekord konnte das Unternehmen erst im WM-Jahr 2006 wieder übertreffen. Mit dem deutschen Sommermärchen im Rücken konnten die Miegs gut 200.000 Spiele an den Mann bringen. Insgesamt hat die Firma seit Bestehen mehr als fünf Millionen Spiele verkauft. Die Standardversion kostet derzeit rund 30 Euro.

Vom Spielzeug zur Kultmarke

Eckiger Tipp-Kick-Ball (Foto: Edwin Mieg OHG)

Eckig, nicht rund: Damit der Ball nicht davonspringt

In der traditionellen Produktionshalle in Villingen-Schwenningen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein Fließband aus Linoleum transportiert die Pappschachteln, die Mitarbeiter schrauben an zerkratzten Holztischen Spieler zusammen. Hightech sucht man hier vergeblich. Für Deutschlands kleinste Spielzeugfabrik war es daher auch nicht immer leicht, auf dem globalisierten Spielwarenmarkt gegen Massenproduzenten zu bestehen.

In den Neunzehnhundertachtziger Jahren sanken die Gewinne. Die Kosten am Standort Deutschland waren zu hoch - auch weil die Miegs von A bis Z alles selbst machten. Der Traditionsbetrieb war in Tradition erstarrt. Doch Mathias und Jochen Mieg schafften den Wandel. Um gegen Billigkonkurrenz aus Fernost zu bestehen, fährt heute jede Woche ein LKW mit Kickern nach Tunesien. Dort werden sie bemalt. Spiele mit besonders großen Stückzahlen werden auch in China lohngefertigt.

Mathias und Jochen Mieg mit einer Tipp-Kick-Schachtel (Foto: Edwin Mieg OHG)

Mathias und Jochen Mieg (von links)

Auch das Marketing wurde geändert - und setzt auf das Kultimage des Spiels. Zahlreiche Fanartikel vom Lätzchen bis zum T-Shirt zeugen vom Mythos der kleinen Figuren aus Zink. Tipp-Kick hat mit Retro-Charme den Sprung vom beliebigen Spielzeug zur Kultmarke geschafft. Die WM in Südafrika soll Tipp-Kick dieses Jahr 100.000 verkaufte Spiele bescheren - doppelt so viel wie in normalen Jahren. Alle 32 WM-Teams sind im Angebot, von Griechenland bis Ghana.

Boom am Werbemarkt

Sogar die Bandenwerbung im Tipp-Kick-Stadion wird an große Markenhersteller verkauft. Doch die Miegs handeln nicht nur mit Werbeflächen. Auch das Spiel selbst ist ein beliebtes Werbegeschenk, das Firmen für ihre Kunden kaufen.

Die Tipp-Kick-Spielerinnen, die 2011 auf den Markt kommen (Foto: Edwin Mieg OHG)

Pünktlich zur Frauen-WM dürfen auch bei Tipp-Kick Frauen spielen

In WM-Jahren machen Mathias und Jochen Mieg mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in diesem Werbemarkt. Sie stellen zum Beispiel kleine Torwandspiele her, mit Firmenlogo bedruckt. Jochen Mieg, der das Firmenkundengeschäft betreut, sieht darin keine Gefahr, das eigentliche Geschäft kaputt zu machen. Die Werbeartikel würden im Gegenteil den normalen Absatz über den Spielwarenfachhandel hochtreiben, "weil die Leute eher animiert werden, sich ein neues komplettes Spiel zu kaufen."

Um die männliche Dominanz in der Tipp-Kick-Szene aufzubrechen, haben die Miegs noch eine Neuheit geplant. Die erste weibliche Spielerin in der Firmengeschichte! Verkaufsstart für Miss Tipp-Kick ist 2011, rechtzeitig zur Frauen-WM in Deutschland.

Autor: Julia Graven
Redaktion: Jutta Wasserrab