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Sport

Das Duell der Außenseiter

Mit beiden Mannschaften hatte niemand wirklich gerechnet: Die Schweiz und die Ukraine erreichten überraschend das Achtelfinale und müssen nun gegeneinander antreten. Dabei ist die Ukraine bisher eher blass geblieben.

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Schewtschenko (rechts) freut sich über sein Tor gegen Tunesien

Für die junge Schweizer Mannschaft und für WM-Debütant Ukraine ist das Erreichen des Achtelfinales schon ein großer Erfolg. Die Eidgenossen, als überraschend souveräner Gruppensieger in die zweite Runde gekommen, gehen mit großer Zuversicht in die Begegnung mit der Ukraine am Montag (26.6. - 21 Uhr) in Köln. "Das Überstehen der Gruppenphase war die größte Prüfung", sagt der Schweizer Trainer Jakob "Köbi" Kuhn.

Zuversicht trotz schlechter Leistung

WM Fußball Spanien gegen Ukraine Rote Karte Bilder des Tages 14.06.2006

Wladislaw Waschtschuk sieht im Spiel gegen Spanien Rot

Die Ukraine konnte bisher kaum überzeugen, wirkte beim 0:4 gegen Spanien gar grottenschlecht, lediglich beim Spiel gegen das schwache Saudi-Arabien gab es einen deutlichen 4:0-Erfolg. Nach dem mühsamen 1:0-Sieg gegen Tunesien verbreitete Trainer Oleg Blochin dennoch Zuversicht: "Jetzt kann man mehr von uns erwarten." Außerdem habe sein Team im Achtelfinale sowieso nichts mehr zu verlieren. "Da kommen noch mehr Adrenalin und Emotionen hinzu."

Mittelfeld-Veteran Serhiy Rebrow versucht die mangelhaften Vorrundenleistungen gar positiv umzumünzen: Die 0:4-Niederlage gegen Spanien habe die Ukraine in einen gefährlichen Außenseiter verwandelt, sagt er. "Nach dem Spiel waren wir alle so enttäuscht, dass wir uns fest vorgenommen haben, zu zeigen, was für ein gutes Team wir eigentlich sind."

Keine Gegentore für die Schweiz

Die Schweizer überzeugten in der Gruppenphase vor allem durch ihren Einsatz und ihre mannschaftliche Geschlossenheit. Als einziger Torwart der WM konnte Pascal Zuberbühler seinen Kasten bislang sauber halten, auch wenn die Abwehr gegen Togo und in der zweiten Hälfte gegen Südkorea mächtig unter Druck geriet. Gegen die Ukraine wird sich zeigen, ob auch gegen Stürmer vom Format eines Andrej Schewtschenko oder Andriy Woronin die Null steht. "Schewtschenko braucht keine 50 Chancen", warnt Kapitän Johann Vogel.

WM 2006 - Schweiz - Südkorea

Philippe Senderos (rechts) nach seinem Tor gegen Südkorea

Einen herben Rückschlag müssen die Eidgenossen mit dem Ausfall ihres linken Innenverteidigers Philippe Senderos wegstecken. Der Abwehrrecke, der gegen Südkorea mit einem wuchtigen Kopfball das 1:0 erzielte, kugelte sich die Schulter aus, für ihn ist die WM gelaufen. Patrick Müller rückte auf seine Position, der erst 19-jährige Johan Djourou nahm Müllers Posten in der rechten Innenverteidigung ein. Er machte - obwohl er so jung ist - eine souveräne Partie und dürfte auch gegen Schewtschenko auflaufen.

Der ukrainische Stürmer Schewtschenko habe nach einer Knieverletzung bisher noch nicht zu seiner Form gefunden, sagt Blochin. "Ich habe bei Andrej während dieser WM noch keine hundertprozentige Fitness gesehen", klagt der Trainer. Eine Schwäche, die den Schweizern gelegen kommen dürfte. Der Schweizer Mannschaftskapitän Vogel hält Schewtschenko für den gefährlichsten Stürmer Europas.

Hausgemachte Schwierigkeiten

Die größten Probleme haben sich die Schweizer, die durch einen Sieg zum ersten Mal seit 1954 ein WM-Viertelfinale erreichen würden, bislang selbst gemacht. In allen drei Partien verloren sie phasenweise den Faden und machten den Gegner durch "Fehlpassfestivals" (Kuhn) stark. In der ersten Hälfte gegen Südkorea zeigten sie allerdings, was in ihnen steckt. Die Kreativabteilung um den Leverkusener Tranquillo Barnetta und den Berner Hakan Yakin ließen die Asiaten ins Leere laufen und brachten Alexander Frei zu guten Chancen. Wenn der Mittelstürmer, der vom FC Rennes zu Dortmund wechseln möchte, durch sein 2:0-Siegtreffer endlich seine Ladehemmung abgelegt hat, könnte er zu einem der Stars der WM werden.

Zuberbühler rechnet mit Elfmeterschießen

Dass die Schweiz als Favorit in die Partie geht, sehen die Spieler nicht. "Die Chancen stehen 50:50", sagt Barnetta. Und Zuberbühler bereitet emotional vorsichtshalber schon mal auf ein Elfmeterschießen vor. Zumindest Trainer Kuhn ist optimistisch: "So ein Team gibt es vielleicht in 100 Jahren nicht mehr." Kuhn erwartet am Montag ein gänzlich anderes Spiel als gegen die Südkoreaner: "Die Ukraine geht nicht so ein horrendes Tempo, Blochin lässt eher Konterfußball spielen." Bei den Stürmern sei das kein Wunder. Doch gerade Schewtschenko und Voronin haben in der Gruppenphase enttäuscht, wirkten lustlos und tauchten über weite Strecken komplett unter. Schewtschenko kam gegen Tunesien nur durch einen umstrittenen Elfmeter zum Erfolg. Bei seiner Auswechslung kurz vor dem Ende wurde er dennoch mit Pfiffen verabschiedet.

Eine Steigerung des einzigen osteuropäischen Landes, das das Achtelfinale erreichte, wird für einen Sieg notwendig sein. Gehandicapt sind die Ukrainer durch die Gelbsperren ihrer Abwehrspieler Wjatscheslaw Swiderski und Andrej Russol. Trainer Blochin ist gezwungen, die Abwehr erneut umzubauen. Blochin ließ in seiner ironischen Art aber wie üblich nicht durchblicken, wie er das Problem lösen will: "Ich kann spielen, auch die Co-Trainer Kusnezow und Bal könnten spielen, aber das Problem wäre: Dann ist die Bank leer." (chr)

  • Datum 25.06.2006
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