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Asien

Das Doppel des Friedens

Schwerter zu Tennisschlägern: Ein indischer Hindu und ein pakistanischer Muslim standen im Finale der US-Open – gemeinsam im Doppel. Trotz ihrer Niederlage schrieben die beiden Tennisprofis Sportgeschichte .

Qureshi und Bopanna nach dem Final-Einzug am 8. September 2010 (Foto: AP)

Qureshi und Bopanna nach dem Einzug ins Finale der US-Open

Er habe mit dem Tennisspielen angefangen, bloß weil er keine Lust auf Hausaufgaben hatte, sagt Aisham Qureshi über den Beginn seiner Karriere als Tennisprofi. Die führt ihn nun nicht nur in ungeahnte Höhen seines Sports, sondern auch in den Blickpunkt der großen Politik. Am Freitag (10.09.2010) bestritten der pakistanische Muslim Qureshi mit dem indischen Hindu Rohan Bopanna das Finale der US-Open in New York – gemeinsam wohlgemerkt, Seit an Seit als Doppel und nicht als Gegner. Erbitterte Gegner dagegen sind ihre Heimatländer Indien und Pakistan. Seit mehr als 60 Jahren sind sich die beiden Atommächte in inniger Feindschaft verbunden, entsprechend sensationell ist das bilaterale Tennis-Duo.

Qureshi und Bopanna sind sich der politischen Implikationen ihrer gemeinsamen Matches bewußt. Sie verstehen ihre gemeinsamen Spiele als diplomatische Mission. "Stop War, Start Tennis", der Slogan prangte unlängst in Wimbledon auf ihren Trainingsjacken. Qureshi spricht dem Sport die Macht zu, Bereiche zu berühren, die von Politik und Religion unerreicht bleiben. "Wenn man so auch nur das Denken in ein paar Köpfen in Pakistan und Indien verändert, wäre das eine großartige Sache", sagte Qureshi vor dem Spiel gegenüber Nachrichtenagenturen.

Tennis-Diplomatie

Tennis-Diplomaten: Aisham Qureshi (l.) und Rohan Bopanna beim ATP-Tunier in Mumbai (Foto: AP)

Tennis-Diplomaten: Qureshi (l.) und Bopanna 2007 beim ATP-Turnier in Mumbai

Nicht zum ersten Mal stellt sich Aisham Qureshi in den Dienst der Völkerverständigung. Schon vor acht Jahren sorgte der Pakistaner für Schlagzeilen, weil er gemeinsam mit dem israelischen Spieler Amir Hadad in Wimbledon an den Start ging – ein Frevel für die Fundamentalisten in Qureshis Heimat. Zwar kam so erstmals ein Pakistaner in die dritte Runde eines Grand Slam Turniers. Doch der pakistanische Tennisverband dankte es Qureshi mit Rausschmiss, pakistanische Sport-Offizielle "verdammten" das Doppel mit einem Juden.

Dass Qureshi den Glauben an die völkerverbindende Kraft des Sports nicht verloren hat, dürfte an seinen gemeinsamen Spielen mit dem Inder Rohan Bopanna gelegen haben. Vor drei Jahren bestritten sie das ATP-Finale im indischen Mumbai, im Juni erreichten sie die dritte Runde im Grand Slam-Turnier in Wimbledon. Und jeweils saßen Inder und Pakistaner zusammen im Publikum um das Team zu unterstützen. "Unsere Freundschaft auf dem Platz und außerhalb davon beweist, dass Inder und Pakistaner hervorragend miteinander auskommen können", sagte Qureshi der BBC.

Gefeiert wie ein Cricket-Star

Indian Border Security Force soldiers, in brown uniform, and Pakistani Rangers soldiers, in black uniform, march during Beating the Retreat or a flag off ceremony, at the joint border check post, Wagah, India, Monday, Aug 13, 2007. Pakistan celebrates the 60th anniversary of independence Tuesday, and India on Wednesday. (AP Photo/Aman Sharma)

Demnächst ein Tennis-Court? Der indisch-pakistanische Grenzübergang Wagah

Ihr Meisterstück als Tennisdiplomaten hatten sich Qureshi und Bopanne bereits ausgemalt: Ein Tennismatch über die vor Waffen strotzende indisch-pakistanische Grenze hinweg. Am Grenzübergang Wagah soll ein Netz gespannt werden, der Inder Bopanna auf der pakistanischen, der Pakistaner Qureshi auf der indischen Seite spielen. Ein Erfolg im Finale der US-Open hätte die Chancen auf Realisierung des Projekts deutlich steigen lassen - aber auch die Finalteilnahme sollte schon helfen.

Immerhin wird Qureshi bereits jetzt in seiner Heimat viel Aufmerksamkeit zuteil - und das, obwohl die Cricket-fanatischen Pakistaner als Tennis-Muffel gelten. Das New Yorker Finale wurde in ganz Pakistan auf Großleinwänden übertragen, Ministerpräsident Gilani griff zum Telefonhörer und rief Quershi vor dem großen Spiel an.

Aus dem von Terror und zuletzt einer Jahrhundert-Flutkatastrophe gebeutelten Pakistan gab es in der jüngsten Zeit wenig Erfreuliches zu berichten. Gerne hätte Qureshi da mit einem Sieg in New York Abhilfe geschaffen, sagte er vor dem Spiel: "Gerade die letzten zwei Monate waren hart für Pakistan, da ein paar gute Nachrichten nach Hause zu senden, wäre fantastisch."

Autor: Sven Töniges

Redaktion: Esther Broders