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Wirtschaft

Das deutsche Jobwunder

Die konjunkturelle Erholung in Deutschland hat den Arbeitsmarkt erreicht. Im März waren deutlich weniger Menschen ohne Job als einen Monat zuvor. Das Instrument der Kurzarbeit hat sich bewährt, meint Karl Zawadzky.

Karl Zawadzky, DW-Wirtschaftsredaktion

Karl Zawadzky, DW-Wirtschaftsredaktion

Deutschland ist wegen der Abhängigkeit von den Exporten stärker als andere große Industriestaaten von der weltweit schwersten Rezession seit 80 Jahren getroffen worden. Die Einbusse beim Bruttoinlandsprodukt war hier mit fünf Prozent im vergangenen Jahr besonders groß, aber der Arbeitsmarkt ist hier von der Krise weniger betroffen als im vergleichbaren Ausland. Mit einer Mischung aus Neid und Erstaunen wird international von einem deutschen Jobwunder gesprochen. In der Tat: Zwar hat die Krise den Arbeitsmarkt erreicht, aber sie hat ihn weitaus weniger in Mitleidenschaft gezogen, als das zu befürchten war und als das in anderen Ländern geschehen ist. Der Kahlschlag hat nicht stattgefunden. Mittlerweile geht es wieder aufwärts – mit der Konjunktur und mit dem Arbeitsmarkt.

Frühjahrsbelebung ist ein Faktor...

Die Zahl der Arbeitslosen hat sich im März im Vergleich zum Februar um 75.000 und im Vergleich zum März des vorigen Jahres um 18.000 auf 3,568 Millionen verringert. Ausschlaggebend dafür ist nicht nur die übliche Frühjahrsbelebung. Jedes Jahr um diese Zeit geht die Arbeitslosigkeit zurück, wenn die im Winter unterbrochenen Außenarbeiten in der Bauwirtschaft, in der Landwirtschaft und in Gärtnereien wieder aufgenommen werden, wenn die Hotels und Gaststätten in den Urlaubsregionen sowie die Vergnügungsparks sich für die neue Saison rüsten. Jetzt kommt hinzu, dass der Tiefpunkt der Krise überwunden ist und es nicht nur aus saisonalen Gründen, sondern auch mit der Konjunktur wieder aufwärts geht. Zum Beispiel in der Autoindustrie und im Maschinenbau füllen sich wieder die Auftragsbücher, auch in der chemischen Industrie ist wieder mehr zu tun.

...Kurzarbeit der andere

Jetzt zeigt sich, dass es richtig war, mit der Kurzarbeit eine Brücke über das konjunkturelle Tal der Tränen zu bauen. Diese Brücke hat die Beschäftigung im Vergleich zu den Befürchtungen beim konjunkturellen Absturz und im Vergleich zu anderen großen Industrieländern einigermaßen stabil gehalten. In vielen Unternehmen ist die Kurzarbeit bereits eingestellt worden, in anderen Unternehmen geht sie zurück. Die mehrmalige Verlängerung der Kurzarbeit war ein großer Erfolg. Geholfen hat auch die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Flexibilität, mit der tarifliche Regelungen in den Arbeitsalltag der Betriebe umgesetzt werden. So konnten die während des letzten Booms gefüllten Arbeitszeitkonten ausgeglichen werden, Arbeitszeiten wurden ohne oder mit nur geringem Lohnausgleich reduziert.

Deutsches Modell hat sich bewährt

In der Krise hat sich die hier zu Lande trotz aller Konflikte immer noch ausgeprägte Sozialpartnerschaft bewährt, was für die Arbeitnehmer und für die Arbeitgeber von Vorteil ist. Vielen Arbeitnehmern sind die Kündigung und die bittere Erfahrung der Arbeitslosigkeit erspart geblieben. Viele Unternehmen haben in der Krise unter Hinnahme von Kosten ihre Stammbelegschaften gehalten und sehen sich nun gut gerüstet für die konjunkturelle Erholung. Das gilt besonders für diejenigen Betriebe, die die Zeit der Kurzarbeit für die Weiterbildung und berufliche Qualifizierung ihrer Mitarbeiter genutzt haben. Gleichzeitig sind in den Unternehmen Strukturen verschlankt, Produktionsverfahren und Produkte modernisiert worden. Ein großer Teil der deutschen Wirtschaft steht heute besser da als vor der Krise. Das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft hat sich in der Krise bewährt.

Autor: Karl Zawadzky
Redaktion: Henrik Böhme