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Wirtschaft

Das Davos Asiens

Die Entwicklung der Region Asien-Pazifik steht im Fokus des Weltwirtschaftsforums in Manila. Die wirtschaftlichen Chancen sind enorm, die Probleme ebenso.

Wer in der philippinischen Hauptstadt Manila genügend Geld hat, kann im Bezirk Makati bis zum späten Abend einkaufen. Hier haben die großen Marken ihre "Flagship Stores", und unter die Käufer mischen sich seit Mittwoch (21.05.2014) die Delegierten des Weltwirtschaftsforums. Erkennbar an ihren deutlich sichtbaren Namensschildern, verlegen sie das eine oder andere Gespräch in die Cafes.

Der Tagungsort für das "Davos Asiens", wie der regionale Ableger des Weltwirtschaftsforums in der philippinischen Presse genannt wird, ist das feudale Shangri La Hotel. Mehr als 600 Delegierte sind nach Manila gekommen, um über Wirtschaft und Politik der Region Asien-Pazifik zu diskutieren. Neben zahlreichen Ministern und Wirtschaftsführern sind der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Tan Dung und der indonesische Präsident Susilo Yudhoyono vor Ort. Selbstbewusst verweisen sie auf die guten Wachstumsraten in der Region.

Korruption noch immer ein Problem

Gerade die Philippinen seien dafür ein gutes Beispiel. Nach Jahren der politischen und ökonomischen Instabilität glänzt das Land mit hohen Wachstumsraten. Präsident Benigno Aquino nutze die Eröffnungsveranstaltung, um für sein Land zu werben: "Unser Land hat das wirtschaftliche und soziale Potential, um weiter erfolgreich zu sein."

Zu Beginn des Monats ist die Kreditwürdigkeit der Philippinen von drei Ratingagenturen heraufgestuft worden. Die makroökonomischen Daten stimmen, nun soll die Korruption stärker bekämpft werden. Doch das scheint nicht so einfach. Gerade wird die Nutzung sogenannter "pork barrel funds" heftig diskutiert. Das sind öffentliche Gelder, über deren Verwendung die Abgeordneten mit entscheiden und die sie gerne in den eigenen Wahlbezirk schieben. Dort kommen sie nicht immer an. Wer in welcher Kommission wofür Geld kassiert, wird dabei nicht transparent.

Stau in Hanoi

Stau in Vietnams Hauptstadt Hanoi

Stau und kein Ende

Ein anderes Problem ist die Infrastruktur. Die Megacity Manila hat rund 20 Millionen Einwohner. Morgens und am späten Nachmittag geht auf den Straßen nichts mehr. Für eine Strecke von drei Kilometern braucht man im Auto dann anderthalb Stunden und länger. Abends sind die Warteschlangen vor den Einkaufszentren hunderte Meter lang, weil die Menschen einen Platz im "Jeepsey" brauchen, um nach Hause zu kommen. Die stinkenden Minibusse auf der Basis von Geländewagen übernehmen in der Hauptstadt den öffentlichen Transport.

"Infrastruktur ist unser Hauptproblem", sagt auch Muhamad Basri, der Finanzminister Indonesiens. In vielen Ländern der Region habe der Ausbau der Infrastruktur mit dem schnellen Wirtschaftswachstum nicht mithalten können. Bessere Straßen, modernere Flughäfen seien nötig. Anthony Fernandes, Chef der Billigfluglinie Air Asia aus Malaysia, bleibt dennoch gelassen. "Vor zwölf Jahren haben wir mit zwei Flugzeugen begonnen, heute sind es über 160 Maschinen. Die Dinge laufen so, wie wir sie uns wünschen", sagt er gut gelaunt in Manila und verweist auf die Bevölkerungszahl der Region. "Rund 700 Millionen Menschen leben hier, das Wachstumspotential ist enorm."

Regionale Konflikte

Besorgt wird auf dem Weltwirtschaftsforum aber über regionale Konflikte diskutiert. Der Streit zwischen China und Vietnam um Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer hat in den letzten Tagen an Heftigkeit zugenommen. Der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Tan Dung ließ am Donnerstag (22.05.2014) eine schriftliche Erklärung verteilen. Danach werde Vietnam seine Gebietsansprüche mit aller Kraft verteidigen, ein militärisches Eingreifen aber solle vermieden werden - es sei denn, das Land werde zur Selbstverteidigung gezwungen.

Plan B

Eine Verschärfung des Konflikts wäre nicht gut für die weitere Entwicklung der gesamten Region, darin sind sich die Teilnehmer in Manila einig. Einige Unternehmenschefs denken schon über einen Plan B nach, für den Fall, dass Lieferketten, etwa in Vietnam, gestört werden. Offiziell wollte das aber niemand kommentieren. Atsutoshi Nishida, Chairman des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba, sagte lediglich, die Firmen seien heute so eng miteinander verflochten, dass es keine schnellen Alternativen zu vorhandenen Lieferketten gebe. Der Unfall im Kernkraftwerk von Fukushima sei dafür ein Beispiel. Damals gab es erhebliche Ausfälle bei Zulieferern der Automobilindustrie und in der Produktion von Halbleitern.

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